Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 77.1927

Page: 128
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1927/0150
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
tion vorangehen und die man durch kein selbstge-
wähltes Motto ersetzen kann. Was nun die Lage
unserer Musterhäuser angeht, so offenbart sie einen
schwachen Punkt unseres Ausstellungsgeländes über-
haupt. Sie liegen hinter den Haupthallen, in einem
Hinterhof, denkbar unwohnlich, an einer Fahrstraße,
die keine ist. Es wäre zu wünschen gewesen, daß man
für diese zum Teil reizenden Schöpfungen einen wür-
digeren Platz ausfindig gemacht hätte. Gerade die
Sommerhäuser hätten auf der großen Wiese stehen
sollen, die den Kern des Ausstellungsparks bildet. Zum
großen Schaden für die Gesamtwirkung der Münche-
ner Ausstellungen ist diese Wiese durch künstliche
Mittel aus dem Bild ausgeschaltet. Vielleicht wird man
im Lauf der Zeit einmal das Widersinnige dieser An-
ordnung einsehen und eine Änderung vornehmen.

Wir kehren zu den Häusern zurück, die sich also
mit einer schlechten Lage ab finden müssen und die
durch Gartenanlagen freundlichen, intimen Charak-
ter an Kunst und Zusammenhang noch das Möglichste

gerettet haben. Ausgestellt sind drei Villen und un-
gefähr zwölf Sommerhäuser, die sehr verschiedene
Grade wohnlichen Anspruchs, von der Unterkunfts-
hütte bis zur stattlichen Holzvilla durchlaufen. Dazu
kommt, ein wenig außerhalb des Programms stehend,
das Musterhaus der Siedelungsbank, in dem weniger
künstlerische als sozial wirtschaftliche Fragen zur
Lösung kommen sollen. Wir beginnen mit den Villen.
Sie stammen von Architekten, deren Name und Stil
in München hochgeachtet sind: John H. Rosenthal,
Otho Orlando Kurz, Lechner undNorkauer. Die Unter-
schiede in der Auffassung von Leben und Wohnen
sind eminent groß, und trotzdem lassen sich Gemein-
samkeiten feststellen, die eben das Merkmal der Mün-
chener Schule sind. Gerade weil ein bestimmtes Pro-
gramm nicht vorgeschrieben war, haben sich die drei
Baumeister drei ganz verschiedene Typen von Bau-
herren vorgestellt, und es ist bezeichnend, wie ihre
Wahl ausfällt. Rosenthal baut für den Bourgeois, der
Wert darauf legt, wenigstens zwei Zimmer nicht nur

KERAMISCHE FACHSCHULE LANDS HUT

128
loading ...