Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 80.1930

Page: 103
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2. In erfter Linie fotlen gefördert werden die fchaffenden, aus der Werkftätte hervorgegangenen Kunfthandwerker.

3- Diefe follen nach reiflicher Prüfung der Gefudie mit ausreichenden Mitteln verfehen werden. Dabei ift nadi dem Gefichts-
punkt zu verfahren, daß eine kleine Anzahl wirklidi Begabter ausgezeichnet wird, nidit eine große Anzahl foldier, über deren
Tüchtigkeit nodi kein klares Bild vorliegt.

4- Soweit Gefchmacksrichtung in Frage kommt, wünfcht die Stifterin, daß ausfchliefilich das folide, bodenftändige Kunfihand-
werk gefördert wird.

5- Aus der Stiftung follen Mittel nur an Bewerber gegeben werden, die eine Gewähr dafür bieten, daß die erworbenen
Kenntniffe in Bayern auch wieder zur Auswirkung kommen. Die Abfkht der Stifterin ift, daß mit den Mitteln des Stiftungs-
vermögens, das durch Sparfamkeit und einfache Lebensführung der Ehegatten Danner auf eine foldi anfehnlidne Höhe ge-
bradit wurde, dem bayerifchen Kunftgewerbe über die fchwere Zeit hinweggeholfen werden foll und diefes an dem Wieder-
aufbau unferes Wirtfchaftslebens teilnehmen kann.

Der edle Sinn der Stifterin, ihr tiefes Verftändnis für die Bedürfniffe des Kunfthandwerkes erhellen aus
diefen Sätzen und man darf es ihren Beratern danken, daß Tie die Stiftung in diefe glückliche Form gebracht
haben. Ihr erfolgreiches Wirken mag aus der folgenden Zufammenftellung kenntlich werden:

Es wurden bedacht mit Geldpreifen und Zufchüffen zur Anfertigung von Arbeiten bezw. mit Aufträgen:

1922.....18 Kunfthandwerker mit zufammen RM 13.100 1923.....18 Kunfthandwerker mit zufammen RM 185.000

1924...........wurde keine Verteilung vorgenommen 1925.....20 Kunfthandwerker mit zufammen RM 7.000

1926.....26 Kunfthandwerker mit zufammen RM 7.415 1927.....43 Kunfthandwerker mit zufammen RM 10.866

1928.....30 Kunfthandwerker mit zufammen RM 12.000 1929.....26 Kunfthandwerker mit zufammen RM 16.690

Mit goldenen, filbernen und bronzenen Danner-Medaillen wurden ausgezeichnet ... 16 Meifter, 15 Gehilfen, 3 Lehrlinge.

Das zehnjährige Beliehen der Danner'lchen Stiftung gibt den begründeten Anlaß, der Stifterin in tiefer
Dankbarkeit zu gedenken und in diefem Heft Rechenfdiaft abzulegen über einen Teil der Arbeiten, die
aus den Mitteln der Stiftung gefdiaffen wurden.

Wichtiger noch als diefe äußerlichen Dokumente aber erfcheint es, den unfchätzbaren Wert der inneren
Gefinnung, aus der heraus die Stiftung entftanden ift, zu betonen, eine Gerinnung, die für die weitere
Zukunft dem Münchener Kunfthandwerk zum Segen gereichen wird. Es muß für das Kuratorium immer
die wefentlidie Aufgabe fein, den Sinn der Stiftung zu erfüllen und das Gewiffen wachzuhalten für das
Bekenntnis zum Kunfthandwerk, das in der Stiftung niedergelegt ift.

ins MaudcT, Zwiefel / GUsvnfen

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