Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 80.1930

Page: 165
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Zeitfchrift der Arbeitsgemeinfchaft
füddeutfcher Kunftgewerbe vereine

Bayerifcher Kunftgewerbeverein e.V. München
Badifcher Kunftgewerbev erein Karlsruhe i. Baden
Kunftgewerbeverein Pforzheim i. Baden
Pfälzifcher Kunftgewerbeverein Kaiferslautern
Mufeum für Edelmetallinduftrie Schwab. Gmünd

KUNST UND
HANDWERK

Für den Inhalt verantwortlich: Dr. Eberhard Hanfftaengl, München, Luifenftrafie 33, Fernfprecher 51 5 90 ^^^T / ^^^TT

Herausgeber: Bayerifcher Kunftgewerbeverein e.V., München, Pfandhausftrafie 7, Fernfprecher 90950 ./^WX / ./vi

Typographie: Theodor Heller, München, Linprunftraße 100-101

Druck und Kommiffionsverlag: »Deukula«, Graffinger&Co., München z NW, Linprunftr. 100-101, Tel. 31 7 41, 56819

Für den Anzeigenteil verantwortlich: Emil Scharhag, München 2 C, Pfandhausftrafie 7, Fernfprecher 909 50 IQ3^

WAS SCHENKE ICH?

Die Zahl derer, die bei diefer Frage innerlich auffeufzen, ift
heute ficherlich erfchreckend groß. Die Gelegenheit, Gefchenke
zu machen, wird in den allermeiften Fällen keineswegs freudig
begrüßt und die doch eigentlidi fo finnige Möglichkeit, durch
das Gefchenk eine geiftige Verbindung mit Menfdien herzu-
ftellen, die einem nahe ftehen, wird mehr und mehr als pein-
liche Notwendigkeit empfunden.

Allein, fchliefilidi muß eben doch dann und wann ein Gefchenk
gemacht werden, was nun» Was bedeutet ein Gefdienk;! Es
foll ja doch für den Befchenkten ein dauernder Belitz werden,
er foll vor allem etwas mit ihm anfangen können, es foll ihm
nidit immer bloß im Wege flehen und ihn ärgern, um bei nädi-
fter Gelegenheit an irgend jemand aus der Bekanntfchaft wei-
terzuwandern.

Sollen wir einen Gebrauchsgegenftand fchenken? Aber das find
meiftens fehr fragwürdige und wenig beliebte Gefdienke, die
— geben wir es zu — überhaupt nidit als riditige Gefdienke
empfunden werden. Ein Gefchenk ift etwas Feftliches — ift ein
Fleifchwolf etwa eine feftliche Angelegenheit? Zudem: wenn
unfer Freund den nützlichen Gegenftand, den wir ihm zugedadit
haben, wirklich braucht, dann wird er ihn vermutlich längft be-
fitzen. Nein, machen wir ihm ein wirkliches Gefchenk, fchenken
wir ihm etwas, was er nicht braucht, was er aber ftets brau-
chen kann. Le superflu, chose tres necessaire, heißt es.
Kein Gegenftand erfüllt diefe Vorbedingung beffer als gerade
der kunstgewerbliche. Er hält jene wünfchenswerte Mitte zwi-
fchen dem reinen Kunftwerk und dem rein Praktifchen. Das
Kunftwerk — ganz gleichgültig, aus welchem befonderen Ge-
biete — ift exklufiv. Das Empfinden des Kunftwerks ift das
Allerperfönlichfte, was es für den Menfdien gibt, darein können
wir nicht eingreifen, es fei denn, daß wir über den Gefchmack
und über die Wünfche des zu Befchenkenden genau unterriditet
find. Der rein praktifche Gegenftand andererfeits gibt dem Be-
fchenkten nichts mit von uns felber, er hat keinen Perfönlidi-
keitswert, er geht ganz einfach im Gebrauch unter. Der kunft-
gewerbliche Gegenftand aber mildert diese Gegenfätze, er ift
dem praktifchen Gebrauche nicht völlig entfremdet, auf irgend
eine Weife dient er ftets feinem Befitzer im täglidien Leben
Cauch der Ring, den ich am Finger trage, dient mir, fo fehr er
ein gänzlich zweckfreies, nur dekoratives Gebilde zu fein fcheint)
und ohne die Anfprüche des reinen Kunftwerkes zu erheben,
befriedigt er das äfthetifche Bedürfnis und fügt fo zu der Funk-

Mcdctillcn zum 70. Gcbuttstag des Geh. Bamates Dt. H. Gräffel
von M. Olofs und H. Lindl

Kunft und Handwerk 80. Jahrgang Heft XI XII Seite 165-198 München, November 1930
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