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Kuhrmann, Dieter
Über das Verhältnis von Vorzeichnung und ausgeführtem Werk bei Albrecht Dürer — Berlin, 1964

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https://doi.org/10.11588/diglit.57083#0069
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-67-

Karl der Große und Kaiser Sigismund (Nürnberg, GNM)
Als drittes und letztes Beispiel für den Versuch, ein Einzelwerk Dürers
auf die beim Vergleich zwischen Entwurf und Ausführung erkennbaren
Phänomene insgesamt zu befragen, sollen die im Auftrag der Stadt Nürn-
berg geschaffenen und für die Heiltumskammer im Schopperschen Haus
am Markt bestimmten Bildnistafeln Karls des Großen und Kaiser Sigis-
munds (128) dienen. Außer zum Allerheiligenbild hat sich nur noch zu
ihnen eine "viesirung mit halben färben" (W. 503, ehern. Lemberg, Lu-
bomirski-Mus.) erhalten (129).
Zur Karlstafel existieren über diesen Gesamtentwurf hinaus noch einige
Detailstudien. Sie sind wie die Visierung mit der Feder gezeichnet und
zart koloriert. Sie haben den kaiserlichen Krönungsornat samt Herr-
schaftszeichen zum Inhalt. Diese Kleinodien bildeten als vermeintliches
Besitztum und Erbe Karls des Großen einen wesentlichen Bestandteil
des Reichsschatzes, der auf Sigismunds Geheiß hin in Nürnberg seit
dem Jahre 1424 seine Heimstatt gefunden hatte.
Zur Erfassung des Krönungsornates insgesamt - Adlerdalmatica, Stola,
Krönungsmantel, Handschuhe, Reichskrone, Reichsapfel und Zeremo-
nienschwert -, getragen von einer großen, kräftigen Männer gestalt und
mit der Beischrift "Das ist des heilgen großen keiser karels habitus"
versehen (W. 504, Wien, Albertina), gesellen sich Einzelstudien der
Reichskrone (W. 507, Nürnberg, GNM), eines Reichsapfels (W. 506,
Nürnberg, GNM) (130) und des Zeremonien- bzw. Karlsschwertes (W.
505, Nürnberg, GNM) (131); eine Studie nach dem rechten Handschuh
ist uns nur in einer Kopie (Winkler, Dürer-Zeichnungen, Bd. H, Taf.
XXVI; Budapest, Szöpmüvösti Müzeum) überliefert (132).
Bei all' diesen Einzelstudien handelt es sich um einigermaßen sachge-
treue Bestandsaufnahmen (133). Eine Berücksichtigung des künftigen
Kompositionszusammenhanges erfolgt nur in W. 504 und auch hier nur
bedingt.
Das Vorhandensein der Einzelstudien neben dem Gesamtentwurf und der
Umstand, daß die Gegenstände, welche diesen Einzelstudien zur Vorla-
ge gedient haben, gleichfalls auf uns gekommen sind, verschafft uns
die seltene Gelegenheit, nicht nur bei der Gesamtkomposition den Wan-
del von der ursprünglichen Konzeption zur endgültigen Gestaltung über-
blicken, sondern darüber hinaus an Hand der Details die zeichnerische
Adaption einer Vorlage und die anschließende Einarbeitung derselben
in den beabsichtigten Kompositionsverband Schritt für Schritt verfolgen
zu können (134).
Zwischen Beginn und Abschluß der Arbeiten an den Kaisertafeln spannt
sich ein Zeitraum von mehr als zwei Jahren. Der Anfang, nicht gesi-
chert, wird durch das Datum 1510 auf W. 504 für dieses Jahr wahrschein-
lich gemacht. Für die Vollendung der Gemälde ist ein möglicher termi-
nus ante quem durch die im Februar/März 1513 erfolgte Eintragung ei-
ner für die Kaiserbildnisse bestimmten Summe von über 85 Gulden in
das "Jar Register" der Nürnberger Stadtrechnungen gegeben (135).
 
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