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Ausblick
"Heimsuchungs"-Holzschnitt (B.84), Landauer-Altar und Nürnberger
Heiltumstafeln - an Hand dieser Dürerwerke unterschiedlicher Themen-
stellung, Entstehungszeit und teilweise auch verschiedener Technik wur-
de im Vorangegangenen der Versuch unternommen, durch Vergleiche
zwischen den Vorzeichnungen und den Ausführungen unter Heranziehung
von Vorlagen und vermutlichen Vorstufen Einblicke in die Wege und Zie-
le Dürerscher Bildgestaltung zu erhalten. Obwohl diese Untersuchung
möglichst viele Aspekte des Gestaltungsprozesses zu erfassen trachte-
te, war ihr Interesse mehr auf die singuläre Erscheinungsform, weni-
ger auf die Allgemeingültigkeit von Änderungsvorgängen gerichtet. Denn
in allen drei Vergleichsbeispielen wurde nach der Sinngebung jeder ein-
zelnen Änderungsmaßnahme gefragt. Auf diese Weise konnte Dürers
sorgsames Bemühen um sinnfällige Gestaltung des jeweiligen Bildstoffes
bis in alle Einzelheiten eindrucksvoll sichtbar gemacht und einige neue,
vielleicht nicht unwesentliche Erkenntnisse zum richtigen Verständnis
der einzelnen ausgeführten Kompositionen gewonnen werden.
Doch schärft die Beobachtung der Sondererscheinung ja auch den Blick
für das Allgemeine und lenkt ihn auf dieses hin. Viele Änderungen wei-
sen über den Einzelfall hinaus, kehren mehrfach im Dürerschen Ge-
staltungsprozeß wieder. Parallelen zwischen den behandelten Werken
sind unverkennbar. Wegen ihrer Verschiedenartigkeit bieten diese drei
Werke aber nur beschränkte Vergleichsmöglichkeiten untereinander.
Deshalb sollen im Folgenden nochmals einige Züge Dürerscher Bildge-
staltung, wie sie in drei Einzelvergleichen zutage traten, mit einem
kurzen Ausblick auf ihre Wirksamkeit in anderen Fällen namhaft gemacht
werden. Vollständige Ausbreitung des zur Verfügung stehenden Materials
ist dabei nicht im geringsten angestrebt.
Bei dem Holzschnitt B. 84 und den Nürnberger Kaiserbildnissen ließ sich
gegenüber den Entwurfsskizzen eine Streckung des Bildformates erken-
nen, die besonders bei dem Holzschnitt mit einer Vertikalisierung des
Bildgefüges verbunden war. Man begegnet diesem Zug des öfteren im
Dürerschen Schaffensprozeß. Hingewiesen sei nur auf den "Verlorenen
Sohn" (W. 145 - B.28) (197), den "Besuch des hl. Antonius beim hl. Pau-
lus" (W. 182, W. 183 - B. 107) (198), die "Marter der Zehntausend"
(W.438 - Wien) und die Entwürfe zu einem vielfigurigen Marienbild
(W. 838/39 - W. 855/56). Doch hat nicht jede Formaterhöhung unbedingt
eine Vertikalisierung des Bildgefüges zur Folge. Dies wird etwa an den
Porträtstichen Albrecht von Brandenburgs (Winkler, Dürer-Zeichnun-
gen, Bd. IH, Taf. V - B. 102; W. 896 - B.103) und Friedrichs des Wei-
sen (W. 897 - B.104) deutlich. Es kommen auch schlankere Bildungen
einzelner Kompositionsteile vor, ohne daß man einen Zusammenhang
zwischen diesen Proportionsänderungen und dem Wechsel des Bildfor-
mates zu erkennen vermag. Verwiesen sei z. B. auf das Fenster in
"Christus vor Kaiphas" (W. 301 - W. 302) oder auf die Säule in "Christus
vor Pilatus" (W. 303 - W. 304). Dann stößt man mitunter auf Änderungen,
die den sonst zutage tretenden Vertikalisierungstendenzen sogar entge-
genwirken, wie dies bei "Christus vor Pilatus" (W. 303 - W. 304) der
Ausblick
"Heimsuchungs"-Holzschnitt (B.84), Landauer-Altar und Nürnberger
Heiltumstafeln - an Hand dieser Dürerwerke unterschiedlicher Themen-
stellung, Entstehungszeit und teilweise auch verschiedener Technik wur-
de im Vorangegangenen der Versuch unternommen, durch Vergleiche
zwischen den Vorzeichnungen und den Ausführungen unter Heranziehung
von Vorlagen und vermutlichen Vorstufen Einblicke in die Wege und Zie-
le Dürerscher Bildgestaltung zu erhalten. Obwohl diese Untersuchung
möglichst viele Aspekte des Gestaltungsprozesses zu erfassen trachte-
te, war ihr Interesse mehr auf die singuläre Erscheinungsform, weni-
ger auf die Allgemeingültigkeit von Änderungsvorgängen gerichtet. Denn
in allen drei Vergleichsbeispielen wurde nach der Sinngebung jeder ein-
zelnen Änderungsmaßnahme gefragt. Auf diese Weise konnte Dürers
sorgsames Bemühen um sinnfällige Gestaltung des jeweiligen Bildstoffes
bis in alle Einzelheiten eindrucksvoll sichtbar gemacht und einige neue,
vielleicht nicht unwesentliche Erkenntnisse zum richtigen Verständnis
der einzelnen ausgeführten Kompositionen gewonnen werden.
Doch schärft die Beobachtung der Sondererscheinung ja auch den Blick
für das Allgemeine und lenkt ihn auf dieses hin. Viele Änderungen wei-
sen über den Einzelfall hinaus, kehren mehrfach im Dürerschen Ge-
staltungsprozeß wieder. Parallelen zwischen den behandelten Werken
sind unverkennbar. Wegen ihrer Verschiedenartigkeit bieten diese drei
Werke aber nur beschränkte Vergleichsmöglichkeiten untereinander.
Deshalb sollen im Folgenden nochmals einige Züge Dürerscher Bildge-
staltung, wie sie in drei Einzelvergleichen zutage traten, mit einem
kurzen Ausblick auf ihre Wirksamkeit in anderen Fällen namhaft gemacht
werden. Vollständige Ausbreitung des zur Verfügung stehenden Materials
ist dabei nicht im geringsten angestrebt.
Bei dem Holzschnitt B. 84 und den Nürnberger Kaiserbildnissen ließ sich
gegenüber den Entwurfsskizzen eine Streckung des Bildformates erken-
nen, die besonders bei dem Holzschnitt mit einer Vertikalisierung des
Bildgefüges verbunden war. Man begegnet diesem Zug des öfteren im
Dürerschen Schaffensprozeß. Hingewiesen sei nur auf den "Verlorenen
Sohn" (W. 145 - B.28) (197), den "Besuch des hl. Antonius beim hl. Pau-
lus" (W. 182, W. 183 - B. 107) (198), die "Marter der Zehntausend"
(W.438 - Wien) und die Entwürfe zu einem vielfigurigen Marienbild
(W. 838/39 - W. 855/56). Doch hat nicht jede Formaterhöhung unbedingt
eine Vertikalisierung des Bildgefüges zur Folge. Dies wird etwa an den
Porträtstichen Albrecht von Brandenburgs (Winkler, Dürer-Zeichnun-
gen, Bd. IH, Taf. V - B. 102; W. 896 - B.103) und Friedrichs des Wei-
sen (W. 897 - B.104) deutlich. Es kommen auch schlankere Bildungen
einzelner Kompositionsteile vor, ohne daß man einen Zusammenhang
zwischen diesen Proportionsänderungen und dem Wechsel des Bildfor-
mates zu erkennen vermag. Verwiesen sei z. B. auf das Fenster in
"Christus vor Kaiphas" (W. 301 - W. 302) oder auf die Säule in "Christus
vor Pilatus" (W. 303 - W. 304). Dann stößt man mitunter auf Änderungen,
die den sonst zutage tretenden Vertikalisierungstendenzen sogar entge-
genwirken, wie dies bei "Christus vor Pilatus" (W. 303 - W. 304) der



