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Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — 3.1909

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Heft XI (November 1909)
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Pudor, Heinrich: Textilornamentik
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https://doi.org/10.11588/diglit.33469#0165

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Heft XI

III, Jahrgang

November 1909

Schriftleiter: Gustav Kolb, Oberreallehrer in Göppingen.

Inhalt:

Ernst Jdler f. — Textilornamentik. — Für einfache Schulverhältnisse. — Ein Studienkurs in Besig-
heim. — Ortszulagen. — Verein für Zeichen- und Kunstunterricht in Elsass-Lothringen. — Verein
für Kunst- und Zeichenunterricht in Württemberg. — Verein württ. Zeichenlehrer. — Besprechungen

Verein badischer Zeichenlehrer
Ernst Idler f
Am 15. Oktober starb Kollege Ernst Idler, Zeichenlehrer am Gymna-
sium und am archäologischen Institut der Universität Heidelberg. Was
er als Lehrer war, das hat an seinem Grabe Herr Geheimrat von Deehn
mit trefflichen Worten gesagt: „Die Persönlichkeit des Verstorbenen war
charakterisiert durch eine edle Begeisterung für die Kunst, Ihr diente er
als unermüdlicher Lehrer am Gymnasium und an der Universität; ihr diente
er in rastlosem Streben nach eigener künstlerischer Vervollkommnung. Was
sein innerstes Sein erfüllte und die Triebkraft seines Lebens und Wirkens
war, das wusste er auf seine Schüler zu übertragen; ich hatte oft Gelegen-
heit zu sehen, mit welch seltener Begeisterung seine Schüler an ihm hingen.“
Diese rastlose Arbeit im Dienst der Schule, dieses unermüdliche Streben
nach Vervollkommnung in eigener künstlerischer Tätigkeit hat seine Kraft
vor der Zeit gebrochen — die Schatten der Schwermut senkten sich auf
seinen Geist — er starb in der Heilanstalt Illenau. Der Verein badischer
Zeichenlehrer verliert an ihm ein treues Mitglied; Kollege Idler fehlte nie,
wenn es galt, Interessen der Zeichenlehrer zu vertreten. E. B.


Textilornamentik.
Von Dr. Heinr. Pudor.
Es ist von uns schon an anderen Orten als recht bezeichnend hingestellt worden,
dass das moderne Kunstgewerbe im allgemeinen die abstrakte Linie auf den Schild
erhebt, dass es aber dort, wo die abstrakte Linie tatsächlich am Platze ist, also
im Textilgewerbe, Naturalismus pflegt. Im Wiener Kunstgewerbe, das sich sonst
durch Geradlinigkeit, Rechtwinkeligkeit gegenüber dem Linienwirrnis des Sezessionis-
mus ausgezeichnet, ist beispielsweise das Schachbrettmuster zu einer wahren Manie
geworden. Besonders Kolo Moser, ein im übrigen sehr talentvoller Künstler, ist
dafür verantwortlich zu machen. Er wendet es sogar an Möbeln, in der Keramik,
kurz im rein plastischen Kunstgewerbe an, während das Schachbrettmuster selbst
ein reines Flächenmuster ist und der Textilornamentik entstammt. Es ist also
nicht etwa ein Linienmuster, der Moment der Linie ist vielmehr nebensächlich und
tritt zurück gegenüber der Fläche. Die Linie ist hier nur das die Flächen be-
grenzende Element. Vermöge der Linie ist die ganze Fläche in kleinere Flächen
geteilt und letztere sind mittels Schattierung oder Farbe noch mehr zur Geltung
gebracht. Man muss also zwischen Linien- und Flächenmuster sehr wohl zu unter-
scheiden wissen. Unsere Tapeten leiden beispielsweise sehr darunter, dass sie zu
viel Linienornamentik und zu wenig Flächenornamentik zeigen, während es doch
bei der Gliederung der Wand offenbar auf Flächengliederung ankommt. Gerade
die Eckmannschen Tapeten leiden unter diesem Uebelstande. Flächengliederung
bewirkt wohl die Teilung der Wand vermöge Täfelung oder Stoffbespannung mittels
Rahmenleisten. Unsere Tapeten aber bedeuten ein regelloses Durcheinander; die
Fläche ist absichtlich nicht gegliedert und das Auge irrt hilflos von Fleck zu Fleck,
ohne Ruhe zu finden. In solchen Fällen, wo man die Tapeten noch nicht entbehren
kann, müsste erstens einmal oben an der Decke ein Tapetenfries laufen — dieser
 
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