vielfachcn Reichtums dcr Farben bictet und die wichtigsten
Wirkungsbczieyungcn aufzcigt. wir sind uns klar, daß
sie nicmals die Aufgabe habcn kann, kanonischc Vorschrif.
tcn zu bieten. Sic hat anzurcgcn. Dic Schüler sollcn ler.
nen, anstatt mit dcn Farben ausschlicßlich gefühlsmäßig
und vorwiegcnd willkürlich umzugehen, über Farben und
jn Farbcn ;u denken. Die Farbcnlehre soll nicht crschöpfen,
sic soll öfsnen. Sie soll Anstößc gcben, dcn Farbcn und
ihrer Anwendung Aufmcrksamkeit und Nachdenken zu
widmcn. Sie soll helfcn, diescs Dcnkcn in geordnctc Bah-
men zu leitcn. Damit erschöpft sich ihr Anteil an der Auf.
gabe der Schulc, den wcrdendcn Menschcn reif und sehend
;u machen für die Gestalt und Schönhcit der wclt, in
der er sein Lcbcn zu gcstaltcn hat. An seiner vortrcfs.
lichcn „psychologischcn Farbenlehrc" sagt walter Roch:
„Dic Farben sind kcin „Luxus", ohne sie wären wir ein
Schiff ohne Steuer, haltlos allcn Schwankungen des Ge-
müts preisgcgebcn. Sie gehören ;u den „unnötigen"
Dingen, die uns bewciscn, daß wir Mcnschen sind."
Erich Parnitzke
kunstkunöllch uuö pMallsch
Es gibt zwei Möglichkeiten, ;u gültigen Befundcn übcr
dic welt der Farben ;u kommcn:
1- -
Durch Besinnung auf das wesen der Farbigkeit an
Bildwerken. wenn ich Bildwcrke verschicdcnster Zeiten
nach der Art der Farbigkcit ;u ordnen suchc, ergeben sich
Anhäufungen zunächst an zwei Stellen von solchcn wer-
ken, die entweder ausgesprochen schönfarbig (sozusagen
heraldisch klar) licgcn, oder aber ausgcsprochen fcinfarbig
(malerisch verunklärt).
Dazwischen liegt in mannigfachen Übergängen einc
Schönfarbigkeit, die in Schattierungen spielt. Die
Arten der Farbigkcit zeigen weitgehend Übereinstim-
mung mit dcm Formcharakter, der Zeichnung. „Farbe" ist
hicrbei also immer Bindung an einen bestimmten Gestal-
tungszustand, d. h. Art und Grad einer „Farbigkeit". Die
Auswertung von Bildwerken liefert keine systematische
Anordnung von Farbcn, sondern eine Einsicht in die ge-
staltcrisch bedingten Bindungen, die sich konzcntrieren um
die Hauptzustände einer Schönfarbigkeit, eines schattier-
ten Rolorits und eines chromatischen Rolorismus.
Durch Anwendung eines physikalischen Grdnungsprin-
zips. Schon im wortgebrauch ;. B. Gelbgrün und Blau-
grün, von Hellgrün und Dunkelgrün, von Grüngrau und
Graugrün liegt die Einordnung eben des Grün in ein
Roordinatensystem.
Iede Farbe hat Nachbarn, sie kann aufgehellt und ver-
dunkelt werden und sic kann schließlich vergraut werden.
Andes ist, was gemeinhin als System gilt, keineswegs
dcrart umfassend, sondcrn liegt primitiver. Dahin gehören
zuerst die Behauptungen: Rot, Gelb, Blau seien Grund-
farben, Grün, Violett, Grange solche zweiter Grdnung, ;u
denen drittens deren Mischungen treten können usw. Und
im Gefolge die Farbenkreise ;u o, s, ir usw. Farben.
Es ist schon ein erheblicher Ruck, wenn zu den Vollfar-
ben die weiß- und Schwarzbeziehung hinzugenommen
wird und damit der Rreis sich ;um Rörper auswächst. Die
meisten Laien machen diesen Schritt nicht mchr mit, bei
ihnen beruht die ganzc Vorstellung auf dem einzigen
Schema, das ihnen in der Schule vorgekommen ^i sejn
pflegt: Rot-Gelb-Blau als Grundfarben, alles weitere als
Mischfarben; weiß und Schwar; als überhaupt nicht zu-
^ gehörig. — ^ >
- Die Farbenkugel von Runge, die am besten dir Grte
jeder Färbe veranschaulicht, ist abcr nur schcinbar das
' , letztc wort derHystematik. , si
>..E° 'st Pörzug und chr Mangel zugleich, daß sie g
,st. Mangtl de«wrgen, wril^ts dm abssluten we!ß.
Hier liegt das Verdienst Gstwalds, daß er die physika-
lische Nlcssung eingesctzt hat, um dcn 'Grenzbereich der
herstcllbaren Farbcntöne und Schattierungen sinnvoll ;u
bcstimmen.
Das Bemühcn, Farben an sich in eine Grdnung zu
bringen, hat somit drci phascn durchlaufen: von größten
Unterscheidungcn dcr „buntcn" Farben und groben Rich-
tungsbeziehungcn (Rrciscn) ;u übergängen in mehreren
Dimensionen (Rugel) und schlicßlich ;u einem Farbkörper,
der nach innen und außen vcrändcrlich bleibt.
wie die Befundc hier gegenübergestellt sind, erscheinen
sic wenig vereinbar.
Der grundsätzlichc Untcrschied soll nochmals be-
tont werden: Von der Farbcnphysik her werden wohl
auch Gelb-Rot-Blau als „primäre", Grange, Violett,
Grün als „sekundär", dic wcitcrcn Mischungen als „ter.
tiäre" Farbcn bezeichnet. -
Das ist typisches „EIcmenten"-denken.
wic andcrs dcr Sinn von primären, sekundären usw.
Gestaltungszuständcn, in denen die Farbigkeit ihr eigene»
Gesicht hat, d. h. eincr ganzhcitlichen Grunddispositio» in
ihren Entsaltungsphasrn entspricht! -
An der klar „richtungsuntcrschiedenen" Schön.Fardig.
keit können ebenso wie beim schattierten Rolorit usw. sp.
zusagen alle Farbcn teilhaben. Von da aus ist e»
vcrhängnisvollcr Irrtum, wenn schon aus dem ersten De.
reich etwa weiß und Schwar; und Braun ünd Grau usw.
ausgeschlossen werden. Der Versuch ist gemacht wsrdrn:
Rinder hatten Farbkästen mit ir, 24 und schließlich mehr
verschiedenen Farbstückcn ;ur Verfügung. Sie benutzten
allmählich alle, aber klar abgesetzt, grenHaft. Es wwd
deutlich, welch ein Unsinn es ist, wenn immer wieder Rin«
dern beigebracht wird, ;. B. Braun als eine Mischfarbe
soundsovielen Grades ;u betrachten, während es eine ei».
fache, grenzhaft faßbare und unterscheidbare Farbe ist.
Sicher ist, daß erst bei den Halbwiichsigen ein näheres
Eingehen aus unterschiedliche Dimensionen der Farben, der
Abstufungen und Brechungen sinnvoll sein kann. Der
grundsätzliche Unterschied läßt sich auch dahin ausdrücken:
Aus all dem noch so eingchenden „Hilfswiffen" Ubee
Farben lassen sich keine „Gan;heiten" aufbauen, läßt sich
kein Bildwerk zustandebringen. Das gilt schon von den
immer wieder auftauchenden sogenannten „harmonrschen"
Farbakkorden aus Gegenfarben, Dreier. oder Vierrrgrup.
pen usw. Es tzcht allemal um Zuördnungsschemata, die
VerstandessachtMnd und nutzlos bleiben, sobald r» sich
um „ganze" WMllchkeiten" handelt, wobei stets Farbrn
^rößen Mengen vorkommeN (daran dtnkt
'kcr!) und in verschiedenen Lagen (daran
aß eine Farbe an dec wand etwa» völlig
an dcr Decke oder am Boden) und in ver.
xturen und Fakturen (rauh-glatt, stumpf,
usw.).
die «eutralr sthjstkällsche Vrdnung der Far.
auf Btldwerke
Ganzheiten gcht,
in
kein Sy
ebenfalls
anderes
Wirkungsbczieyungcn aufzcigt. wir sind uns klar, daß
sie nicmals die Aufgabe habcn kann, kanonischc Vorschrif.
tcn zu bieten. Sic hat anzurcgcn. Dic Schüler sollcn ler.
nen, anstatt mit dcn Farben ausschlicßlich gefühlsmäßig
und vorwiegcnd willkürlich umzugehen, über Farben und
jn Farbcn ;u denken. Die Farbcnlehre soll nicht crschöpfen,
sic soll öfsnen. Sie soll Anstößc gcben, dcn Farbcn und
ihrer Anwendung Aufmcrksamkeit und Nachdenken zu
widmcn. Sie soll helfcn, diescs Dcnkcn in geordnctc Bah-
men zu leitcn. Damit erschöpft sich ihr Anteil an der Auf.
gabe der Schulc, den wcrdendcn Menschcn reif und sehend
;u machen für die Gestalt und Schönhcit der wclt, in
der er sein Lcbcn zu gcstaltcn hat. An seiner vortrcfs.
lichcn „psychologischcn Farbenlehrc" sagt walter Roch:
„Dic Farben sind kcin „Luxus", ohne sie wären wir ein
Schiff ohne Steuer, haltlos allcn Schwankungen des Ge-
müts preisgcgebcn. Sie gehören ;u den „unnötigen"
Dingen, die uns bewciscn, daß wir Mcnschen sind."
Erich Parnitzke
kunstkunöllch uuö pMallsch
Es gibt zwei Möglichkeiten, ;u gültigen Befundcn übcr
dic welt der Farben ;u kommcn:
1- -
Durch Besinnung auf das wesen der Farbigkeit an
Bildwerken. wenn ich Bildwcrke verschicdcnster Zeiten
nach der Art der Farbigkcit ;u ordnen suchc, ergeben sich
Anhäufungen zunächst an zwei Stellen von solchcn wer-
ken, die entweder ausgesprochen schönfarbig (sozusagen
heraldisch klar) licgcn, oder aber ausgcsprochen fcinfarbig
(malerisch verunklärt).
Dazwischen liegt in mannigfachen Übergängen einc
Schönfarbigkeit, die in Schattierungen spielt. Die
Arten der Farbigkcit zeigen weitgehend Übereinstim-
mung mit dcm Formcharakter, der Zeichnung. „Farbe" ist
hicrbei also immer Bindung an einen bestimmten Gestal-
tungszustand, d. h. Art und Grad einer „Farbigkeit". Die
Auswertung von Bildwerken liefert keine systematische
Anordnung von Farbcn, sondern eine Einsicht in die ge-
staltcrisch bedingten Bindungen, die sich konzcntrieren um
die Hauptzustände einer Schönfarbigkeit, eines schattier-
ten Rolorits und eines chromatischen Rolorismus.
Durch Anwendung eines physikalischen Grdnungsprin-
zips. Schon im wortgebrauch ;. B. Gelbgrün und Blau-
grün, von Hellgrün und Dunkelgrün, von Grüngrau und
Graugrün liegt die Einordnung eben des Grün in ein
Roordinatensystem.
Iede Farbe hat Nachbarn, sie kann aufgehellt und ver-
dunkelt werden und sic kann schließlich vergraut werden.
Andes ist, was gemeinhin als System gilt, keineswegs
dcrart umfassend, sondcrn liegt primitiver. Dahin gehören
zuerst die Behauptungen: Rot, Gelb, Blau seien Grund-
farben, Grün, Violett, Grange solche zweiter Grdnung, ;u
denen drittens deren Mischungen treten können usw. Und
im Gefolge die Farbenkreise ;u o, s, ir usw. Farben.
Es ist schon ein erheblicher Ruck, wenn zu den Vollfar-
ben die weiß- und Schwarzbeziehung hinzugenommen
wird und damit der Rreis sich ;um Rörper auswächst. Die
meisten Laien machen diesen Schritt nicht mchr mit, bei
ihnen beruht die ganzc Vorstellung auf dem einzigen
Schema, das ihnen in der Schule vorgekommen ^i sejn
pflegt: Rot-Gelb-Blau als Grundfarben, alles weitere als
Mischfarben; weiß und Schwar; als überhaupt nicht zu-
^ gehörig. — ^ >
- Die Farbenkugel von Runge, die am besten dir Grte
jeder Färbe veranschaulicht, ist abcr nur schcinbar das
' , letztc wort derHystematik. , si
>..E° 'st Pörzug und chr Mangel zugleich, daß sie g
,st. Mangtl de«wrgen, wril^ts dm abssluten we!ß.
Hier liegt das Verdienst Gstwalds, daß er die physika-
lische Nlcssung eingesctzt hat, um dcn 'Grenzbereich der
herstcllbaren Farbcntöne und Schattierungen sinnvoll ;u
bcstimmen.
Das Bemühcn, Farben an sich in eine Grdnung zu
bringen, hat somit drci phascn durchlaufen: von größten
Unterscheidungcn dcr „buntcn" Farben und groben Rich-
tungsbeziehungcn (Rrciscn) ;u übergängen in mehreren
Dimensionen (Rugel) und schlicßlich ;u einem Farbkörper,
der nach innen und außen vcrändcrlich bleibt.
wie die Befundc hier gegenübergestellt sind, erscheinen
sic wenig vereinbar.
Der grundsätzlichc Untcrschied soll nochmals be-
tont werden: Von der Farbcnphysik her werden wohl
auch Gelb-Rot-Blau als „primäre", Grange, Violett,
Grün als „sekundär", dic wcitcrcn Mischungen als „ter.
tiäre" Farbcn bezeichnet. -
Das ist typisches „EIcmenten"-denken.
wic andcrs dcr Sinn von primären, sekundären usw.
Gestaltungszuständcn, in denen die Farbigkeit ihr eigene»
Gesicht hat, d. h. eincr ganzhcitlichen Grunddispositio» in
ihren Entsaltungsphasrn entspricht! -
An der klar „richtungsuntcrschiedenen" Schön.Fardig.
keit können ebenso wie beim schattierten Rolorit usw. sp.
zusagen alle Farbcn teilhaben. Von da aus ist e»
vcrhängnisvollcr Irrtum, wenn schon aus dem ersten De.
reich etwa weiß und Schwar; und Braun ünd Grau usw.
ausgeschlossen werden. Der Versuch ist gemacht wsrdrn:
Rinder hatten Farbkästen mit ir, 24 und schließlich mehr
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allmählich alle, aber klar abgesetzt, grenHaft. Es wwd
deutlich, welch ein Unsinn es ist, wenn immer wieder Rin«
dern beigebracht wird, ;. B. Braun als eine Mischfarbe
soundsovielen Grades ;u betrachten, während es eine ei».
fache, grenzhaft faßbare und unterscheidbare Farbe ist.
Sicher ist, daß erst bei den Halbwiichsigen ein näheres
Eingehen aus unterschiedliche Dimensionen der Farben, der
Abstufungen und Brechungen sinnvoll sein kann. Der
grundsätzliche Unterschied läßt sich auch dahin ausdrücken:
Aus all dem noch so eingchenden „Hilfswiffen" Ubee
Farben lassen sich keine „Gan;heiten" aufbauen, läßt sich
kein Bildwerk zustandebringen. Das gilt schon von den
immer wieder auftauchenden sogenannten „harmonrschen"
Farbakkorden aus Gegenfarben, Dreier. oder Vierrrgrup.
pen usw. Es tzcht allemal um Zuördnungsschemata, die
VerstandessachtMnd und nutzlos bleiben, sobald r» sich
um „ganze" WMllchkeiten" handelt, wobei stets Farbrn
^rößen Mengen vorkommeN (daran dtnkt
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aß eine Farbe an dec wand etwa» völlig
an dcr Decke oder am Boden) und in ver.
xturen und Fakturen (rauh-glatt, stumpf,
usw.).
die «eutralr sthjstkällsche Vrdnung der Far.
auf Btldwerke
Ganzheiten gcht,
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kein Sy
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