Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 22
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stunden den Entwurf fur die Bemalung des Mittelfeldes
und des Lellerrandes gründlich durchgearbeitet.

Die Schwierigkeiten, die Amtsgenoffe Liestelski in seiner
Arbeitsgruppe hinsichtlich der Formgebung ;u über«
winden hatte, stellten sich in verftärktem Maße bei meinen
1 : — 1 4 - jährigen Schülern ein. Die zuerst entstehenden
cdelkitschigen Schmuckformen mußten in zäher Arbeit aus-
gerottet werden, und zwar unter ständigem Hinweis auf
das eigenwüchsige Schaffen unserer Vorfahren, die mit
sicherem Gefühl für Raum, Fläche, Linie und Farbe und
in echter Naturverbundenheit an derartige Aufgaben heran«
gingen.

Eine gute Vorübung zum Lellerschmuck ist übrigens der
Scheren- und Faltschnitt, der seine erzieherische wirkung
ja bei so vielen Aufgaben beweist.

llmständliche und streng symmetrische Entwürfe ließ ich
nunmehr mit Graphit-Papier auf die gut getrockneten
wandteller pausen. Einfache Formen wurden freihändig

übertragen. Fehlerhafte Striche cntfernten wir mit Rnet«
gummi.

Nun war der weg frei für die Bemalung mit Deck-
sarbe aus dem Schulmalkasten. Drei kräftige Farben außer
der Grundfarhe des Tellers waren höchstens zugelaffen.
Viele Schüler begnügten sich nrit zwei Farben und schnit-
ten zumeist beffer ab.

Ein Malen mit brennbaren Glasurfarben kam wegen
dec damit verbundenen technischen Schwierigkeiten, Trans.
port und Rosten für die Farben und das Brennen nicht
in Frage.

wir begnügten uns deshalb mit einem hochglänzenden
Ueberzug mit farblosem Iapan- oder Ahornlack (Liesielski
empfiehlt Glasurit). Nach dem Lackieren erschienen die
Farben satter und wesentlich dunkler. Iedenfalls machten
die Teller einen durchaus werktüchtigen Eindruck und er-
füllen vollauf ihren Sinn an der wand.

Gedenket der hungemden Vögel / Ein plastifches werbebild

Von ^einrich Rraft - Friedrichsstadt a. d. Eider

Der frühe winter hatte unsre gefiederten Freunde recht
in Not gebracht. Es galt, alle Rinder zur Hilfe aufzu-
rufen zum Bauen von Futterhäuschen und zum Futter-
streuen. Ein bloßes werbe-bild konnte nicht genügen,
um das Interesse unserer ;oo Volksschulkinder für län-
gere Zeit wachzuhalten. Da hatte einer der Gungen den
befferen Einfall: ein Futterhaus mit Zweigen und „wirk-
lichen" Vögeln im Flur aufzustellen, also ein werbebild
werkmäßig herzustellen.

Gedacht, getan. Leisten von etwa ;qcm Duerschnitt hat-
ten wir stehen. In der Schneidlade wurden davon mit der
Feinsäge Stücke von 4 bis d cm Länge abgeschnitten: die
Rümpfe 'der Vögel. Rleinere Reste aus der Abfallkiste er-
gaben die Röpfe. Mit Taschenmeffern wurden die Rlötze
nun gerundet. Die Vogelschwänze, mit der Laubsäge aus
Brettrestchen ausgeschnitten, wurden in einen Schlitz hin-
ten im Rumpf eingelassen. Die Röpfchen erhielten einen
Holzspan als Schnabel eingeleimt und wurden den Rümp.
sen aufgepaßt (Leim und ein abgeknipster Nagel als Dübel).
Ein Iunge entdeckte, daß man auch ausgebreitete Flügel
aussägen (aus ; mm-Sperrhol;resten) und in den Rumpf
cinlaffen konnte. — Bald hatten wir in der Rlaffe genug
Holzvögelchen zusammengesetzt. Große Freude machte nun
das Bemalen unserer Piepmätze als Meisen, Stieglitze,
Buchfinken, Zaunkönige usw. Die Pelikan-Deckfarbenkästen
crfüllten dabei ihren Zweck.

Dann kam das Futterhäuschen heran. Dazu Zweige, auf
dcnen dic Vogelschar Platz finden konnte, und das plastische

werbebild konnte im Flur angebracht werden. Zwei Vers-
Schilder:

Rinder, heutc ist es draußen kalt —
denkt an uns in Feld und wald und

Rinder, seht jetzt unsre Not
gebt uns heute Mittag Brot

warcn die Ergänzung zum Verständnis. — Die wirkung
war gut; Die Rleinen waren besonders gefeffelt und frag-
ten, ob's „natürliche" Vögel wären. Abcr auch die Größe-
rcn gucktcn immer wieder hin, wenn sie vorbeikamen. Das
hätte ein bloßes „Bild" nicht vermocht.

Das derart „plastisch" angeregte Mitgefühl zeitigte man-
ches Vogelhäuschen, das nun zuhaus gezimmert wurdc.
Möchte das Beispiel solcher werbe-werkarbeit Nach-
ahmung sinden, zumal es zugleich eine lehrreiche Schnitz-
Aufgabe bedeutet.

Nem Altpapier darf verkommen!

Dcutschland stcht in der Papier- und Pappeerzeugung
der welt an zweiter Stelle (hinter Amerika): mit ;,: Mil-
lionen Tonnen.

Unter den Rohstoffen: Zellulose, Holzschlisf, Lumpen,
Altpapier ist cs der Anteil des Altpapiers, der jeden
Volksgenoffen sehr angeht!

Leider ist dcr Anteil dcs zurückfließenden Altpapiers
dauernd gcsunken, währcnd dcr Anteil des „neucn" Holzes
»ngeheuer gestiegen ist — seit 1SS0 aufs Achtfache!

Das rciche Amerika hat eine Rückgewinnung von
Altpapier bis ;u 60 prozent! warumr Weil dort nicht
Papier sinnlos verbrannt, sondcrn gesammelt und rück-
gcführt wird.

wir aber müffen 2lltpapier cinführen. io;o waren cs
noch 40000 Tonnen im wcrte von 1,0 Millionen RM.!

Das Vielfache dieser Menge könnte bei uns
crfaßt und also erspart werden, wenn jedcr Haushalt,
jeder Betrieb Und auch jede Schule mithelfen würde und
keine Papier- und Pappeabfälle verkommen laffen würde?
Viele Risten und Rörbe von Altpapier machen im Gfen
erst dcn Heizwert eines Braunkohlenbriketts aus. Aber
nicht nur in Haushaltcn, sondern auch in Schulen kann
man beobachtcn, wie Haufen von Papier in die Feuerüng
fliegen: bloß, um damit auszuräumcn. Das ist sinnlose
Vergcudung cincs wertvollen Rohstoffes!
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