Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

Page: 52
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Erzicher allein Mtig ist und dec zugleich cinigend für die
gcsamte Runst« und werkerziehung wirkt.

r. Dcr bildnerische Gestaltungsvorgang vollzicht und
entfaltet sich in jedem Menschen; cr erreicht Grenzen, die
nicht überschritten werden können ohne schwerste Störun-
gen und Hemmungen ;u verursachen. —

Diese Erkenntnisse haben zur Entwirrung in der Runst.
crziehung viel beigetragen und zu solchen Leistungen ge-
sührt, wie sie aus den verschiedensten Gauen während der
Dagung gezcigt wurden. wie eine Anzahl ausgestellter
werkarbciten zeigte, hat diese Betrachtungsweise nicht nur
Gültigkeit für das Bildschasfen im cngercn Sinne, sie um-
saßt gleichwohl das gestaltete werkstück. werken und
Zeichnen lasscn sich nicht trennen, sie umspannen bcide alle
anschauliche und werkhafte Arbeit. Es mag an der Aus-
bildung dcr werklehrer liegen, daß sic ihrc Aufgabe oft
allzusehr begrenzt im Vermitteln technischer Fertigkeiten
schen. So, wie der Zeichenlchrcr nach scincm Studium auf
dcr Runsthochschule früher oft gcneigt war, seine „hohe
Runst" für die Schule zurechtzuschneidcn, so übertrug der
wcrklehrcr allzulcicht seinen Arbeitsgang aus den verschic-
denen „Matcrialkursen" auf die Datigkeit in seincr Schul-
wcrkstatt.

Beide habcn sehr umlernen und der stufenmäßigen,
ganzheitlichen Umwicklung des Iugcndlichen Rechnung tra-
gcn müssen, der allein dic selbständig erarbeitetc echte
Leistung entspringt. Und so, wie ncbcn dcr Erfüllung sei-
ner künstlerischen Aufgaben dcr Zeichenlehrer nic die sach-
liche Darstellung, die Gegenstandsschilderung und die werk-
zcichnung außcr 2lcht laffen wird, so darf sich die werk-
arbeit nicht im Apparatebau, in dcr Anfertigung sach-
gebundener Modelle und in Arbeiten für Flug- odcr Segel-
sport erschöpfen oder gar in Holz- odcr Pappkursen die
Erfüllung des werkens sehen. Sie wird auch jenem
volkstümlichen Schaffen Rechnung tragen, bei dem Echt-
hcit und Einheitlichkcit in Form und Farbe wesentliche
Forderungen sind. Die 2lufgabenstellung zeigt zugleich, daß
es sich iin bildnerischcn Schaffen nicht um ein Sondcrfach
handelt.

Gcgen diese Einstcllung zum wcrkuntcrricht wird nun
oft der Einwand erhoben, daß er den „Fordcrungen dcs
Lcbens" nicht gcrecht würde, womit man mcint, dic Ver-
mittlung technischer Fertigkciten käme dabei zu kurz. An
cinem kleinen Bcispiel sei das Gegenteil bewiescn:

Zum Schulfcst werdcn Stäbe (Lcistcn), über die Ringc
gcworfcn wcrden sollcn, mit dem Mcffer beschnitzt.

Dabei werdcn folgende Erfahrungen gesammelt:

1. Die Learbeitung macht in viclen Fällen großc Schwie-
rigkeiten. Grund: Das Meffcr ist stumpf! Lehrc: „Vlur
init scharfen werkzeugen kann man erfolgrcich arbeiten."

r. Drotz dcs gcschärften Mcffcrs müffen cjnige Rindcr
große Rraftanstrengungen machen, andcren brechen gc-
schnitzte Stege hcraus. Grund: Das ,Aol; ist ;u hart oder
zu spröde. Lchre: „Es gibt viele Holzarten mit jeweils
vcrschiedencn Eigenschaftcn, die bci der Auswahl und bci
dcr Bcarbcitung bcrücksichtigt werden müffen".

;. Ein Rind hat sich mit dem Meffer die Hand verletzt.
Grund: Bcim Einschneiden cinesMonogrammes in den Stab
glitt die Messcrspitzc ab und verletzte den Handballen.
Lehre: „Aedes werkzcug ist nur begrcnzt verwcndungs-
fähig".

So werden am ganzheitlichcn Arbeitsgang zugleich tcch-
nische Fertigkeiten gcwonnen und wichtigc Lehren heraus-
gcstellt. 2luch dabei wird dic Schulc die Grenzen dcs
kindlichen Rönnens berücksichtigcn, von falschen Fordcrun.
gen nach handwcrklichcr 2lusbildug absehen und dennoch
wie bei dcr gestalterischen Leistung nach einwandfrciec
Lösung strcbcn. Das Ziel dcs wcrkunterrichts in dcr
Schule kann nur sein, dcn im Rindc vorhandcncn Drang
zum wcrkcn zu crhaltcn und die 2lnlagen zur Entfaltung
zu bringcn und ziclbewußt ;u fördcrn, um sie dem völki-
sch> n Leben »utzbar zu niachen.

Diese Einstellung zum werkunterricht hat uns in
Schleswig.Holstein bei der gemeinsamen 2lrbeit geleitet
und zugleich geholfen, ^ vermeintlichc Schwierigkcien im
organisatorischen 2lusbau zu beheben.

So wird oft das Fehlen von Geldmitteln als Ent-
schuldigung für das Nichtbetreiben des werkens in der
Schule angeführt. Heute wiffen wir, daß große werk-
stätten mit Serien von Hobelbänken nicht nur unnötig,
sondcrn für den Anfang sogar höchst verfänglich sind. <vft
hat die Arbeit in solchen werkstätten ;u Mißcrfolgcn
gcführt, so daß nachher schöne und geräumige werkstätten
unbenutzt bliebcn, während in anderen Schulen unter
primitivstcn 2lrbeitsverhältniffen bei richtiger Einstellung
;u jugendgemäßer Arbeit hervorragendes geleistet wurde.
Selbst Mittel für Material fehlten in solchen Schulen oft.
Tüchtige werklchrer haben seit T>ahren im Sinne des
Dicrjahrcsplanes gearbeitet und jedes Abfallstück noch wie-
der in die Matcrialfächer eingeordnet.

Auch die Zeitfrage hat in solchen Fällen eine Lösung
gefundcn und wenn es unter großen Gpfern des Lehrers
sein mußte. wec sich des wertes der werkschaffcnden Ar-
bcit für die volkstümliche Bildung bewußt ist und weiß,
daß die wahre Revolutionierung der Schule mit dem
Grade der Verwirklichung der nationalsozialistischen
Arbeitsgesinnung steht und fällt, der wird auch außerhalb
der Schulstunden Zeit für diese Arbeit finden. — Da aber
außerdem die werkarbeit nicht ein festeingezäuntes Unter-
richtsfach ist, wird besonders in wenig gegliederten Schu-
lcn oft Gelegenheit sein, diese Arbeit im Sinnc des ganz-
hcitlichen Unterrichts ;u verrichten.

wer im übrigen Forderungen an seine Schule stcllt, muß
vorerst mit Leistungen aufwarten. Das ist im Leben im-
mer so gewesen. wo Arbeitserfolge ;u verzeichnen waren,
hat sich in den meisten Fällen bald größtes Intereffe bci
Schullcitern und vorgesetzter Behörde eingestellt.

In diesem Zusammenhang muß auch die Propaganda
für unsere Arbeit erwähnt werden, auf die keinesfalls
verzichtet werdcn dars. wir sind es nicht nur unserer eige-
nen Arbeit, sondern dem Dienst am Volke schuldig, daß
wic auf die Ergebniffe der werkarbeit in der Schule durch
2lusstellungen hinweisen. Es regen sich in verschiedenen
2iugendorganisationen die Rräfte zum werken. Das
würde von jedem werklehrcr mit Freuden bcgrüßt werden,
wenn nicht immer wiedcr in gestalterischcr und technischcr
Hinsicht mangelhafte Leistungen in allzureichcm Maße vor-
gcfundcn wUrden. Dort macht man das noch, was die Runst-
und werkerzieher nun seit Iahren überwunden habcn.
wir können es uns nicht leistcn, daß die in der Schule in
jahrzehntclangcr Arbeit gesammelten Erfahrungen unbe-
rücksichtigt bleiben. Darum müssen wir vor der Geffcntlich-
kcit im Intercffe dcr Sachc den cdlen wcttstrcit aufnch-
mcn. Auch auf diesem Gcbiet tut Propaganda not.

Für die Ausrichtung in diesem Sinne und den organi-
satorischcn Ausbau der werkarbeit in den Gauen ist dcr
Gausachbearbcitcr vcrantwortlich. Der Erfolg scincr
Arbeit hängt von dcm Einsatz und de»r Rönnen seinci
Mitarbeiter in den Rrciscn ab. Für dcn Vorschlag dcs
Rrciswaltcrs bci dcr wahl des Rreissachbearbcitcrs für
wcrkerziehung muß dcffcn bisher gelcistcte Arbeit sehr
maßgebend scin. wichtig ist dann, daß die Gesamtarbcit
aller Mitschaffendcn im Gau durch dcn Gausackbearbeiter
auf eine alle vcrpflichtende Grundlagc gestellt wird. Das
geschieht auf wochenendtagungen und in Lagern, an dcncn
aus jedem Rreis cin werkerzieher teilnimmt, der sich vcr-
pflichtet, in gleichcr wcisc mit iiitcressiertcii und tatkräf-
tigcn Ramcradcn in seinem Rreise zu arbcitcn. Zur Zcit
wird ein Lager vorbcrcitet, in dem in achttägiger Arbcit
5 Gruppen von je S Mann folgcndc Gemcinschaftsarbci-
ten machen:

1.„Hansckogge".

:. „Modell eincs niedersächsischen Baucrnhauscs".

z. „Modcll einer Sicdlungsanlage".
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