Bund Deutscher Kunsterzieher [Editor]
Kunst und Jugend — N.F. 18.1938

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gen und aus ssgenannter Rameradschaft ;u übergehen.
Solche Machwerke tragen einerseits da;u bei, die gut
ausgerichtete, kunster;ieherische Arbeit des stillen Amts-
genoffen ;u vernichten. Sie geben andererseits dem freien
Rünstler ein Recht, schärfste Rritik an solchem Tun ;u
üben. Ein Recht, das wir uns selber nehmen, wenn wir
cine fragwürdige „Heimatkunst", die als Runst nicht über
cine Rleinstadt hinausreicht, in ihren Schwächen auf;eigen.
wenn in Rollegien „Rünstler" mit Runstpächtermienen
umhergehen, in jeder Tasche ein gutes Foto nach eincm
schlechten Bild haben, und nur darauf bedacht sind, die
nächsten Verkäufe ein;ufädeln, dann soll man sie ruhig wis-
sen lassen, daß es beffer wäre, wcnn sie in der Reifeprü-
fungs-Ausstellung ihre Reife als Er;ieher bekundeten. wir
haben als schaffende Er;ieher heute mehr denn je die Ver-
pflichtung auf unbedingte Gualität in unseren eignen Ar-
beiten ;u sehen, eine Gualität, die sich nicht mit dem
Urteil einiger kunstfreundlichen Laien begnügt, sondcrn
auch überall außerhalb standhält im Vergleich mit besten
Arbeiten. Pkur durch diese Leistung können wir ;um Rame-
raden der freien Rünstler werden und unseren Beitrag aus
eigenem Schaffen ;ur Förderung der bildenden Runst brin-
gen. wer aber im <vrt neben sich keinen anderen Naler
gelten läßt und da;u noch jedem befferen freien Rünstler
die offi;iellen Aufträge wcgschnappt, ist nicht nur ein
Egoist bei gutem Einkommen, sondern auch noch ein sehr
schlechter Runster;ieher. wir Iungen wiffen doch alle
schon, daß wir niemals die Rraft aufbringen können, die
;u einer gan; großen künstlerischen Leistung gehört; denn
da;u gehört Stille und Spannung einer lehrbetriebfreien
Zeit. Die Vergleiche mit bekannten Akadcmielehrcrn sind
doch nur Ausflüchte und Tünche. Umhegen wir nicht oft
rührend unsere wenigen Ergebniffe cines spärlichen Som-
iners, die wir als wirklichen Zuwachs ;ur bildenden Runst
unserer Tage betrachten dürfen, weil sie nicht gerade über-
ragend sind, wohl aber anständiger guter Durchschnitt,
der ja bei uns in Deutschland immer sehr rar war!

weist ein Zeichenlehrer im eignen Schaffen die saubere
Anständigkeit seiner werkbemühung auf und stehen des-
halb die Guten unter den freien Rünstlern kameradschaft-
lich ;u ihm, so darf er und soll er daran gehen, eine Aus-
stellung ;u organisieren. Der Zeichenlehrer, wie ich ihn
mir denke und wie er in nicht geringer Zahl bereits da ist,
bringt als Ausstellungsleiter mehr Substan; mit als man-
cher schaffender Rünstler. Der gute Zeichenlehrer hat die
Gabe der Sicht für die Sprache der Ausdrucksmittel und
für die Art der Aufnahmebereitschaft seitens der Be-
trachter. Er weiß von dem Geheimnis der Entwicklung
und Förderung der Dildkräfte, wo;u ihm ein sechsjähriges
Studium das Rüst;eug lieferte. Er kann durch die Ausrich-
tung einer Runstausstellung dieser ein er;ieherisches Ge-
sicht geben.

Rur; einige durch praktische Erfahrungen erprobte Hin-
weise:

Der Veranstalter einer solchen Ausstellung sei stets eine
umfassende Gliederung der partei. Nach meinen Erfah-
rungen ist eine Amtsstelle in einem Grtsgruppcnstab das
Leste; damit ist die Gewähr gegebcn, daß eine solche,
durch einen Hohcitsträger veranstaltete Ausstcllung sich
an jedermann wendet. In einer Führerbesprechung werden
in Mitarbeit mit den Gbmännern des NSLB, der DAF,
der SA, des VlDAB usw. die Richtlinien der 2lusstellung
umriffen. Zu sorgen ist immcr dafür, daß die 2lusstellun-
gen ein einhcitliches Motto tragen, das verständlich und
propagandistisch wirksam ist. Jch hatte bisher mit dem
Motto: „Echte Runst in jcdes Hcim" dcn größten Erfolg.
Durch Zusammcnarbeit mit der Gbcrstufe dcr Schule kann
ein wirksames wcrbeplakat gcstaltet wcrden. Für bc-
schränkte Mittcl ist die 2lnwcndung des llinolschiiitts im-
mcr das Destc. wenn die 2lemter vertcilt sind, dic sich
mit Presscpropaganda, Einladungskarten ;ur Eröffnung,

Rundschreiben an Behörden befaffen, kann vier wochen
vor Beginn der Ausstellung in der Lages;eitung mit hin-
weisenden und kunster;ieherisch wertvollen Artikeln auf
Sinn und Ziel der Ausstellung hingewiesen werden.
Ach habe ausge;eichnete Erfahrungen mit einer sorgfältig
durchorganisierten Graphikausstellung gemacht. Hier wurde
;unächst der Vorwand aus dem wege geräumt: gute
Runst der Gegenwart sei ;u teuer. Es gab kein Blatt in
der Ausstellung, das über ro Mark kostete. Aus der Fülle
der tüchtigen Graphiker wurden diejenigen herausge-
sucht, deren Anhalt und Form nicht nur dem Renner ein-
gingen. Beachten wir dabci doch Themen wie: „Arbeitec
und Bauern in unserem Gau", „Die Landschaften um
unscre großen Städte", „Das Gesicht der Arbeit". Immer
habe ich solche Reihen durch politische Graphik ergän;t,
die als Stirnwand in einer solchen Schau die Be;iehung
;uc Rampf;eit herstellt und dabei die große Bedeutung
der guten Graphik als Litho und Hol;schnitt im poli-
tischen Tageskampf der letzten Zeit ;eigt. Ich habe stets
die Räume nur mit sehr wenigen Stücken gehängt, erlesenc
Stücke sinngemäß angebracht. weiter halte ich es bei
Ausstellungen, die von allen Volksgenoffen besucht wer-
den, für sehr wichtig, daß vom Ausstellungsleiter eine Be-
schriftung der Arbeit gewählt wird, die über das Thema
hinaus Auskunft über den Gestaltungsvorgang gibt.
Machen wir etwa darauf aufmerksam, wie Dtto Loe-
ster in seinen ausge;eichneten Stücken besonvers die
geheimnisvolle welt der Erdkruste ;u einem Bilde formt
und dabei handwerklich so vorgeht, daß er sehr lange
an einer platte ätzt, ;eigen wir die herbe Hol;schnitt-
sprache bei Dombrowski in worten so an, daß
Thema und wort und Rraft des Striches ;u einer wun-
derbaren Einheit ;usammengehen, dann tun wir etwas,
was uns als Er;iehern obliegt und was uns niemand ab-
nehmen kann. Bei so einer unter einem einheitlichen Ge-
sichtspunkt aufgebauten Graphikausstellung halte ich es
für äußerst wertvoll, wenn eine recht beißend aufgemachte
Schundecke ;eigt, mit wie lächerlichen Mitteln die Gra-
phik versucht, Diebstahl bei der Fotografie ;u begehen,
oder, was für eine abscheuliche Graphik eine herrliche
deutsche Stadt wie Rothenburg hervorgebracht hat. wenn
nach Schluß der Ausstellung Beschwerden der örtlichen
Runsthändler einlaufen, dann ist der beschrittene weg
richtig gewesen. wir haben dann aber die Pflicht, dem
Händler Graphiker ;u nennen, die eben so wirkungs-
volle, aber geformte Stadtansichten, Bauernsprüche
usw. liefern und ;war ;u ertragbaren preisen. Das ist
möglich und weist gleich;eitig eine neue Seite der Be-
rufung des Zeichenlehrers als Förderer der Bildenden
Runst auf. Er berät das Gewerbe der Stadt nach werk-
stätten und Be;ugsquellen hin. Ach glaube, daß es auf
diesen Seiten unnötig ist, einen solcher wcrbeartikel
der Grtspreffe ab;udrucken, denn warum geradc Gra-
phik auf deutschen Runstausstellungen ;u pflcgcn ist,
das ist uns Fachleuten selbstverständlich. Eine wesentliche
Bereicherung erfährt eine solche Ausstellung dadurch,
wenn es gelingt, einige sehr tüchtige Maler oder Graphi-
ker da;u ;u bewegen, daß sie einigc bckannte Motive aus
der Umgebung des Grtes, an dcm die Ausstellung stattfin-
det, malen oder stechen.

Ergän;t man solche Graphikausstellung durch farbige
werke, so tue man das auch nur durch cinige erlesene
Stückc, die cben in schönster weise ;eigen, wie d:e male-
rische Form ;ustandckommt. Eine solche Ausstcllung muß
regelmäßig Führungen haben und ;war Führungen nicht
all;ugroßer Gruppcn. Ach habe damals Gbcrprimaner
dafür geschult. So führten wir durch die Schau den
NSLB, dic S2l, die PlS-Frauenschaft, dic Auristen,
die Fabrikanten. Dic Folge war auch ein recht großcr
finansieller Erfolg, der mit ;ooo Mark für einc klcinc
Stadt eher ;u nicdrig gegriffen ist. Allcrdings habc ich
durch gut aufgcsetzte Rundschrcibcn dic Bctricbsführcr
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