Strahlenaugc sinnend auf die Blumen gerichtet,
die sie mit der weichen Hand zerstörte, als ob in
der Vergänglichkeit der schönsten Gaben der Natur
Trost für die Vergänglichkeit ihrer eigenen Liebes-
freuden zu fiuden sei, den mochte wohl eine Ahuung
beschleichen von der Nymphe dieser Quelle, hätte
nicht das prosaische Wassergesäß daneben so scho-
nungslos dieß poetische Gefühl zerstört. —
Eben erhob sie sich, aus ihren Träumereien
erwachend, um das längst gefüllte Gefäß auszu-
nehmen, als eiligen Fußes Monsieur Longjean
den Hügel herausgeschritten kam, schon von Weitem
mit allerlei seltsamen Gestikulationen ihr zuwinkend.
Verwundert ob des sonderbaren Benehmens des
Sergeant-Majors, erwartete sie beinahe mit einiger
Beklommenheit sein Näherkommen.
„Erschrecken Sie nicht, Signora," ries der Fran-
zose, noch ehe er zu ihr trat, „aber freuen Sie sich
nach Herzenslust; denn ich bringe gute Nachricht.
Ihr Mann — "
„G nglielmo!" unterbrach ihn mit einem durch-
dringcnden Frcndcnruse die holde Frau und stürzte an
dem verblüfften Franzosen vorüber den Berg hinab.
Des Wiedersehens Sehnen ist stärker, als die
Berechnung des Monsieur Longjean war, der
Teresa die freudige Nachricht bringcu wollte,
daß Guglielmo wicdcrgcfunden, gerettet sei und
in der Hütte ihrer warte. Dieser war aber dem
Franzosen aus dem Fuße gefolgt, Teresa sah mit
dem scharfen Auge der Liebe und — der conster-
nirte Sergeant-Major blickte noch staunend aus
den Fleck, wo diese gestanden, als sie schon hinter
ihm in Guglielmo's Armen lag.
Wer beschreibt die Wonne und das Glück des
Ehepaares, wie sie sich so umschlungen hielten, als
sollte eine Ewigkeit sie nicht mehr aus dieser Um-
armung reißen. Monsieur Longjean hat uns
Nichts davon erzählt, als daß znschauend ihm
fast das Herz im Leibe zersprang und er sich ein
um das andere Mal die Hellen Thräncn aus dem
Schnurrbart wischen mußte. —
Unter der schützenden Veranda aus der Ter-
rasse der Hütte finden wir später die ganze Familie
beisammen, den Sergeant-Major dazu gcrechuct.
Horen wir, was Guglielmo erzählt:
„Als die Franzosen," begann er, „nachdem
ich in glühender Begeisterung für die geprie-
senen Rechte meines Vaterlandes gekämpft, in
Rom cinzogen, war ich gezwungen mich mit an-
deren Leuten aus dem Volke in den Trümmern
der Paläste des ehemaligen Roms verborgen zu
halten. Hier ward mir bald klar, in welche Ge-
sellschaft ich gekommen, doch konnte ich mich nicht
flüchten, da mir bei einem Fluchtversuche der Tod
sowohl von meinen Genossen, die Verrath dahinter
gesucht hätten, als von den Franzosen drohte, wenn
sie mich erwischten; so trieb ich mich mit Eckel und
Abscheu im Hcrzeu mit den Banditen herum, je-
doch ohne ihre Verbrechen zuthcilen, bis heute—"
„Ja," begann jetzt der Sergeant-Major,
„bis ich heute ihn zusammt dem anderen Gelichter
auf Ordre des Generals anfhob. Als ich beim
Verhör seinen Namen nennen horte, da lief mir's
eiskalt über den Rücken; doch faßte ich mir ein
Herz, trat vor den General, der mich wohl leiden
mag, und schilderte diesem Alles, was ich von den
Verhältnissen weiß; ich schilderte ihm Euch, holde
Siguora, Euren Schmerz, Eure Lage, vor Allem
aber Eure Schönheit und Liebenswürdigkeit, und
da, im Vertrauen gesagt, der General ein Freund
der schönen Frauen ist — er wird nächstens hier in
die Gegend kommen, dann könnt Ihr Euch selbst bei
ihm bedanken Signora; — ferner da Guglielmo
wenig gravirt war und zu Denen gerechnet wird, bei
welchen der Verstand mit dem Patriotismus davon
gelaufen war; nun, da alle diese Umstände Zu-
sammentreffen, so — habt Ihr Euren Liebsten
wieder, dem wohl zu Hause bei der lieben Frau
jetzt behaglicher sein wird, als in der Lokanda des
Giro lamo, dem heute Mittags um 1 Uhr — das
Kriegsgcsetz ist schuell — die Ehre zu Theil wurde,
mit seinen drei Genossen durch französische Kugeln
in's Jenseits befördert zu werden, obwohl die Kerls
noch nicht einmal einen Strick Werth waren."
„Die Armen!" flüsterte Teresa.
„Wir Glücklichen!" jubelte Guglielmo.
Die Mutter aber faltete die Hände zum Ge-
bet und pries Madonna, die so viel Unbeil von
ihrer Familie gnädig abgewendet.
die sie mit der weichen Hand zerstörte, als ob in
der Vergänglichkeit der schönsten Gaben der Natur
Trost für die Vergänglichkeit ihrer eigenen Liebes-
freuden zu fiuden sei, den mochte wohl eine Ahuung
beschleichen von der Nymphe dieser Quelle, hätte
nicht das prosaische Wassergesäß daneben so scho-
nungslos dieß poetische Gefühl zerstört. —
Eben erhob sie sich, aus ihren Träumereien
erwachend, um das längst gefüllte Gefäß auszu-
nehmen, als eiligen Fußes Monsieur Longjean
den Hügel herausgeschritten kam, schon von Weitem
mit allerlei seltsamen Gestikulationen ihr zuwinkend.
Verwundert ob des sonderbaren Benehmens des
Sergeant-Majors, erwartete sie beinahe mit einiger
Beklommenheit sein Näherkommen.
„Erschrecken Sie nicht, Signora," ries der Fran-
zose, noch ehe er zu ihr trat, „aber freuen Sie sich
nach Herzenslust; denn ich bringe gute Nachricht.
Ihr Mann — "
„G nglielmo!" unterbrach ihn mit einem durch-
dringcnden Frcndcnruse die holde Frau und stürzte an
dem verblüfften Franzosen vorüber den Berg hinab.
Des Wiedersehens Sehnen ist stärker, als die
Berechnung des Monsieur Longjean war, der
Teresa die freudige Nachricht bringcu wollte,
daß Guglielmo wicdcrgcfunden, gerettet sei und
in der Hütte ihrer warte. Dieser war aber dem
Franzosen aus dem Fuße gefolgt, Teresa sah mit
dem scharfen Auge der Liebe und — der conster-
nirte Sergeant-Major blickte noch staunend aus
den Fleck, wo diese gestanden, als sie schon hinter
ihm in Guglielmo's Armen lag.
Wer beschreibt die Wonne und das Glück des
Ehepaares, wie sie sich so umschlungen hielten, als
sollte eine Ewigkeit sie nicht mehr aus dieser Um-
armung reißen. Monsieur Longjean hat uns
Nichts davon erzählt, als daß znschauend ihm
fast das Herz im Leibe zersprang und er sich ein
um das andere Mal die Hellen Thräncn aus dem
Schnurrbart wischen mußte. —
Unter der schützenden Veranda aus der Ter-
rasse der Hütte finden wir später die ganze Familie
beisammen, den Sergeant-Major dazu gcrechuct.
Horen wir, was Guglielmo erzählt:
„Als die Franzosen," begann er, „nachdem
ich in glühender Begeisterung für die geprie-
senen Rechte meines Vaterlandes gekämpft, in
Rom cinzogen, war ich gezwungen mich mit an-
deren Leuten aus dem Volke in den Trümmern
der Paläste des ehemaligen Roms verborgen zu
halten. Hier ward mir bald klar, in welche Ge-
sellschaft ich gekommen, doch konnte ich mich nicht
flüchten, da mir bei einem Fluchtversuche der Tod
sowohl von meinen Genossen, die Verrath dahinter
gesucht hätten, als von den Franzosen drohte, wenn
sie mich erwischten; so trieb ich mich mit Eckel und
Abscheu im Hcrzeu mit den Banditen herum, je-
doch ohne ihre Verbrechen zuthcilen, bis heute—"
„Ja," begann jetzt der Sergeant-Major,
„bis ich heute ihn zusammt dem anderen Gelichter
auf Ordre des Generals anfhob. Als ich beim
Verhör seinen Namen nennen horte, da lief mir's
eiskalt über den Rücken; doch faßte ich mir ein
Herz, trat vor den General, der mich wohl leiden
mag, und schilderte diesem Alles, was ich von den
Verhältnissen weiß; ich schilderte ihm Euch, holde
Siguora, Euren Schmerz, Eure Lage, vor Allem
aber Eure Schönheit und Liebenswürdigkeit, und
da, im Vertrauen gesagt, der General ein Freund
der schönen Frauen ist — er wird nächstens hier in
die Gegend kommen, dann könnt Ihr Euch selbst bei
ihm bedanken Signora; — ferner da Guglielmo
wenig gravirt war und zu Denen gerechnet wird, bei
welchen der Verstand mit dem Patriotismus davon
gelaufen war; nun, da alle diese Umstände Zu-
sammentreffen, so — habt Ihr Euren Liebsten
wieder, dem wohl zu Hause bei der lieben Frau
jetzt behaglicher sein wird, als in der Lokanda des
Giro lamo, dem heute Mittags um 1 Uhr — das
Kriegsgcsetz ist schuell — die Ehre zu Theil wurde,
mit seinen drei Genossen durch französische Kugeln
in's Jenseits befördert zu werden, obwohl die Kerls
noch nicht einmal einen Strick Werth waren."
„Die Armen!" flüsterte Teresa.
„Wir Glücklichen!" jubelte Guglielmo.
Die Mutter aber faltete die Hände zum Ge-
bet und pries Madonna, die so viel Unbeil von
ihrer Familie gnädig abgewendet.



