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„Die Kunstauktion“

Jalirg. III, Nr. 48 vom

1. Dezember

heimer Faszination attrahiert, zurückkehrt,
wenn man sich die vielen, vielen anderen Bild-
nisse dieser Schau zu Gemüte geführt hat.
Einheimischer als van Dongen und mehr
mit der ganz allgemeinen Tradition des Herbst-
Salons verwachsen als er sind andere Maler.
Da haben wir z. B. Jules F 1 a n d r i n mit
einem großen Gemälde voll heroischer Atti-
tüden und mit einer nach seinen Anweisungen
ausgeführten Tapisserie, die Kavaliere und
junge Mädchen in sommerlichem Grün zeigt, —
beides Arbeiten, in denen der volle Atem fran-
zösischer Pathetik weht, der doch der attrak-
tive Charme niemals fremd ist. — Pierre
B o n n a r d hat eine Reihe von Arbeiten ge-


G. B. Moroni, Männliches Bildnis
118 : 88 cm
Versteigerung durch H. Bukowskis Konst-
handel, Stockholm,
am 13. u. 14. Dezember 1929
G. B. Moroni, Portrait d'komme
118: 88 cm
Vente chez H. Bukowskis Konsthandel, Stockholm
les 13 et 14 D ecembre 1929

schickt, die seine bekannte, auf das Harmo-
nische abzielende Art in schönster Weise do-
kumentieren. — Hier kann man auch auf
Maurice A s s e 1 i n hinweisen, der mit dem
Bild einer „Lesenden“ vertreten ist, auf die
Figurenbilder von Briauchon, H. Cheval, H.
Marre (A b b. in nächster Nr.), — auf die
Landschaften von A. Barbier, A. Frayer, — auf
die Stilleben von d’Espagnat, Laponde, Seys-
saud usw.

GRAPHISCHES KABINETT MÜNCHEN
Leitung Günther Franke
Europäische Kunst seit Goya

Eine Abteilung, die der religiösen
Kunst vorbehalten ist, enthält Bilder von
Beraud, Bournet, Desvallieres, Parvillie, Roux
usw. Von einer besonderen Ausdruckskraft
dieser Gemälde mit religiösen Motiven, wie
der Hl. Therese, Verkündigung usw., ist leider
keine Rede. —
Die Plastik ist diesmal überraschend
zahlreich vertreten. Büsten und Figuren von
Brule, Cornet, Kassler usw. machen einen
recht guten Eindruck hinsichtlich der Beherr-
schung des technischen Handwerks. —
Die Hauptleistung dieser Herbstausstellung
liegt aber wohl auf dem Gebiete des Kunst-
gewerbes. Ganz im Unterschiede zu den
Arbeiten der reinen Kunst hat sich hier die
modernste Richtung durchgeseßt. Das Lo-
sungswort ist Materialwahrheit ohne Orna-
mentation. Stahl und Glas ist das am meisten
verwandte Material. Daneben bleibt natürlich
der Einfluß der älteren Tradition in großer
Stärke bestehen. Immerhin liegt in jenen mo-
dernsten Arbeiten ein Antrieb, von dem man
gern glaubt, daß er die Zukunft beherrschen
wird. S.

Inhalt

Seite
Salon d’Automne. 1
Auktions-Vorberichte.2, 4—6
Auktions-Kalender.3
Auktions-Nachberichte. . 6—7

Smlg. v. Lanna, Heraldische Smlg.
v. König-Warthausen, Herbstauktionen

bei Fr. Muller
P. Batoni: Bildnis Marchesa Brignole . . 7
Preisberichte .8—9
Kunst im Rundfunk.9
Ausstellungs-Kalender. . . 10
Literatur.11
Ausstellungen: Arno Nadel, „Berlin vorm
Krieg“, „Gruppe 1929“.11, 12
Museum für moderne Kunst in New York 11
Nachrichten von überall.12
Unter Kollegen.12

Glas und Keramik
Berlin, Vorb. 5. und 6. Dez.
Cassirer-Helbing in Berlin verstei-
gern am 5. und 6. Dezember, anschließend an
die Sammlungen Fritsch, Held und Passavant-
Gontard, die umfangreiche, im lebten Viertel
des lebten Jahrhunderts entstandene Samm-
lung J. E. sowie Werke aus Berliner Privat-
besiß. Den Hauptbestandteil dieser einwand-
freien und künstlerisch hochstehenden Samm-
lung bilden Porzellanfiguren aus deutschen
Manufakturen, vorwiegend Meißen, sowie
deutsche und böhmische Gläser des 18. Jahr-
hunderts. — Unter den Gläsern des 16. und
18. Jahrhunderts ragen der rauchtopasartig
gefärbte zylindrische Humpen mit der Jahres-
zahl 1592 und einem Nürnberger Wappen und
ein tiefblauer, konischer Becher mit farbiger
Schmelzmalerei hervor. Den Hauptteil bilden
geschnittene Kristallgläser aus schlesischen
und bömischen Hütten, zu denen sich eine
Reihe interessanter facettierter Gläser mit
graviertem Zwischengolddekor gesellt. —
Unter dem europäischen Porzellan
steht Meißen an erster Stelle. Wir nennen
hier als Hauptwerke die zwei bemalten
Leuchter, als deren Modelleur Kirchner in den
Jahren 1727/28 in Frage kommt, von dem auch
das Modell zu dem hockenden Pagoden stam-
men dürfte. Kändlers gesamte Entwicklung
wird in wichtigen Werken wie dem „Dudel-
sackpfeifer“, der „Dame mit Laute“ und spä-
teren Arbeiten glänzend repräsentiert. Von
Eberlein findet man neben vielem anderen die
drei Gruppen aus der Folge der Jahreszeiten
und die Figuren des Gärtners und der Gärt-
nerin. Weitere Arbeiten gehen auf Reinicke
und Meyer zurück. Was dieser Abteilung ihre
besondere Bedeutung verleiht, ist die Menge
der frühen Arbeiten der Manufaktur, die be-
kanntlich heute zu den begehrtesten Werken auf
diesem Gebiete gehören. — Stärker vertreten
sind weiterhin die Manufakturen von Wien
und Berlin mit Figuren- und Gebrauchspor-
zellan, ferner ostasiatische und p e r -
sische Keramik und zum Schlüsse euro-
päische Fayencen und Steinzeug des
17. und 18. Jahrhunderts.
Der mit 16 Lichtdruckfafeln ausgestatiete
Katalog ist von Professor Schnorr von Ca-
rolsfeld und C. F. Foerster kritisch bearbeitet.
Antike Kleinkunst
Smlg. R. von Passavanf-Gontard
Berlin, Vorher. 5. Dez.
Aus der bekannten Frankfurter Sammlung
R. v. Passavant-Gontard, deren Entstehung
weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht und die
vielleicht die bedeutendste und qualitätvollste
deutsche Sammlung von Kleinkunst und Kunst-
gewerbe vom Altertum bis zur Renaissance
darstellt, gelangen am 5. Dezember durch
Cassirer-Helbing in Berlin die antiken
Kleinkunstgegenstände, die auch auf der Aus-
stellung dieser geschlossenen Sammlung im
Frankfurter Städelinstitut im Frühjahr 1929 all-
gemeines Interesse erweckt haften, zur Ver-
steigerung. Der Katalog ist unter Benußung
der von Swarzenski herausgegebenen 3. Ver-
öffentlichung des Städelschen Kunstinstitutes

der eindrucksvollen heiligen Kaße der Göttin
Bast oder dem wundervollen Königskopf. Im
zweiten Teil finden wir die griechischen und
römischen Arbeiten. Voran einige Amphoren
und einen Lekythos, unter denen vor allem
die große schwarzfigurige Amphora mit tan-
zenden Männern und einem Viergespann her-
vorgehoben werden muß. Unter den Klein-
bildwerken der Römerzeit ist zuerst der
wundervoll ebenmäßige Torso einer nackten
Kriegergestalt in weißem Marmor zu nennen.
Im übrigen handelt es sich vorwiegend um
Bronze-Arbeiten, beginnend mit dem etruski-
schen Vasenhenkel in Form einer vierflügeligen
Sirene aus dem sechsten vorchristlichen Jahr-
hundert, endend mit kleinen Statuetten von
Göttern und Helden aus der spätrömischen
Epoche. —
Die gleichmäßige Qualität und das hervor-
ragende künstlerische Niveau machen diese
zahlenmäßig nicht umfangreiche Sammlung zu
einer Seltenheit ersten Ranges auf dem
modernen Kunstmarkt.

Autographen
Berlin, Vorb. 6. Dez.
Am 6. Dezember wird das bekannte Ber-
liner Antiquariat I. A. Stargardt Auto-
graphen aus allen Gebieten versteigern, dar-


Abraham van Beyeren, Stilleben
128 : 108 em — Sign., dat. 1655
Versteigerung durch H. Bukowskis K onst-
handel, Stockholm,
am 13. u. 14. Dezember 1929
Abraham van Beyeren, Nature mor<.e
128 : 108 cm — Signee, dat. 1655
Vente chez H.Bu-kowskis Konsthandel, Stockholm
les 13 et 14 Ddcembre 1929

unter als Hauptstück 200 unveröffentlichte
Briefe und Gedichte von Fontane aus dem
Nachlaß von B. von Lepel. Der Briefnach-
laß Lepels, der Fontane und seinen Kreis be-
trifft, enthält zunächst 181 eigenhändige Briefe
Fontanes an Lepel, die sich über einen Zeit-
raum von 40 Jahren erstrecken, in einem Um-
fang von ca. 600 Seiten. Diese unter Nr. 33
des Kataloges genannte Sammlung ist nicht
mit Unrecht als eine der interessantesten lite-
rarischen Entdeckungen der leßten Jahre be-
zeichnet, und zwar deswegen, weil Fontane


Salomon van Ruisdael, Flußlandischaft
G0 : 84 cm — Sign., dat. 1645
Versteigerung durch H. Bukowskis Konsthandel, Stockholm
am 13. u. 14. De z e m b e r 1929
Salomon van Ruisdael, Riviere
6o : 84 cm — Signee, dat. 1645
Vente chez H. Bukowskis Konsthandel, Stockholm
les 13 et 14 Decembre 1929

bearbeitet und bringt auf 12 Tafeln eine Aus-
wahl des Besten aus den nur 69 zum Verkauf
gelangenden Nummern.
Der erste Teil enthält ägyptische Klein-
kunst, und zwar ausschließlich Statuetten in
Bronze, gebranntem Ton und Fayence der
Spätzeit in absolut einwandfreien und künst-
lerisch außerordentlich reizvollen Stücken wie
den beiden sißenden Isisfigürchen mit Horus,

dem „gütigen und nachsichtigen Freunde“
Dinge anvertraute, die er seiner Familie nie-
mals mitgeteilt hat. Diese Dinge sind zum
Teil so intimer Natur, daß die Auktionsfirma
es nicht einmal gewagt hat, sie im Katalog
anzudeuten. Sehr kritisch wurde das Verhält-
nis der Freunde übrigens im Revolutionsjahr
1848, als Fontane mit einer außerordentlichen
Vehemenz seine revolutionäre Ansicht vertrat,


Pi

Chii

Stadtansichten

Monte
Diens

Gem
(Samr
We

um in späteren Jahren seine immer wachsen0^
Liebe zu Preußen und den Hohenzoliern e*ns
zugestehen. Die Briefe bringen auch reio|vj
Material zu Fontanes Arbeiten. Gesond(’^
aufgenommen sind in dem Katalog
skripie von Fontane, von denen eine erhclJ
liehe Zahl ungedruckt ist. I
Der Nachlaß Lepels enthält auch Briefe
anderen Persönlichkeiten an Lepel, so J k ■■ ■
Schreiben von Hosemann, der sich über d* * E I
Hinrichtung von Robert Blum entrüstet (Nr.6 '
Briefe von Menzel (Nr. 67 — 72). Die Aukn0^ ez-
nennt im übrigen ein schönes Schreiben v° bez. i
Alexander von Humboldt an den Märchen' .(jez ,
dichter Andfcrsen (Nr. 3), ein interessant’ *
Schreiben von Beaumarchais (Nr. 6), em lanflN ez- £
eigenhändiges Gedicht der Droste-Hülsh0 t>ez. f
(Nr. 23) und als besondere Seltenheit ein1 |jez_ (
Brief des Sozialisten Fr. Engels (Nr.
Unter den Goethe-Briefen ist der interessa|1 ez- ‘
teste der unter Nr. 90 genannte über sein^'Öez.
Aufenthalt in Schlesien. Heine spricht -_öez- f
einem Brief (Nr. 100) über den damals lOjähJ1^
gen Lassalle. Die lebte Nummer nennt einen
die Geschichte der Luftschiffahrt besondeIJ|^
interessanten Brief des Grafen Zeppelin,
dem Zeppelin sich ganz eingehend mit ;
Lotterie beschäftigt, deren Erträge das GC'N
für den Bau seines Luftschiffes im Jahre ez. 1
aufbringen sollten. öez. 5
Öez. <
Gemälde, Möbel, Teppich6^.?
Berlin, Vorb. 9. u. 10. Dc'jbez. 1
Das Internationale Kunst- u n t)ez> •
Auktionshaus in Berlin bereitet für flt)ez
9. und 10. Dezember die Versteigerung
Gemälden, antiken Möbeln, Perser-Teppich^ ez- 1
und Kunstgewerbe vor. Die Gemälc^Qez. •
stammen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. P,
Grundstock der alten Meister bildet die San1111
lung Hauptmann Geyer in Neu-U 1<
die 1876 bei der Auktion des Nachlasses —
dreß-Fürstenberg begonnen wurde. Sie enth®jibez> 2
u. a. ein großes Bild der Geißelung Chr’; &
aus dem Kloster Ellwangen, biblische Szenc“ z‘
Bilder aus dem Anfang des 16. Jahrhunde1’^ez. 2
von einem Bieberacher Maler. Aus dem 18. Ja*1' <jez. 2
hundert finden wir drei Supraporten von ^4öez 2
rotier usw. Die niederländische Kunst 1 z’
durch van Schlichtens Bild des Zwerg Perk'N'^ez, ;
eine Landschaft von Heremans usw. vertrete1 hez, 2
Zwei Hauptstücke der Auktion haben wir sd1?«»
in NT. 47 abgebildet: Lessings Podr‘',|.
von dem Nürnberger Maler J. Eb. Ihle (U® 5°ez- 3
und die Bekehrung Pauli von D. Calvaert, dll’t)ez. 3
der Künstler 1614 für seinen Gönner Praun L
Bologna gemalt hatte. — Interessante Arbeite
repräsentieren das 19. Jahrhundert. So clT
Bild des Wiener Malers Anton Petter.
ein kleiner Blechen mit der Ansicht einer malj
löschen Landschaft. Ferner ein Bild von Mlin'
kaczy, das drei Männerköpfe darstellt (A . ,
b i 1 d u n g Seite 12), sowie Arbeiten der Mu11
chener und Düsseldorfer Schuten.
Das Kunstgewerbe ist europäisch _
und ostasiatischen Ursprungs. Die ostas1^
tische Sammlung stammt aus einer Hand lll\
enthält Keramik, Bronzen, Holz- und Ste|[1j
Plastiken. Von den chinesischen Porzellane
reproduzieren wir Teller der famille verte
der Kang-Hsi-Epoche (Abbildung S-
Wir weisen noch besonders auf die prächtig
Holzfiguren hin, die Lohan-Buddhas darsteh
(Abbildung Seite 4).

N

SI

en ivieisier aer zwen'-“ .■ eiV‘>
wie Boecklin, Thoma, tI1e,
am Übergang zur Mod

Kur
Bei

Ai
Sonna
S

I!
Be

Gemälde
des 19. Jahrhundert
Köln, Vorb. H-
.. r q

Frankfurt a. M., Vorb. 9.—10.
Die Buchhandlung J. St. Goar in Fran^f
furt a. M. versteigert am 9. und 10. Dezernh
eine rund 750 Nummern umfassende San^
lung alter Ansichten, Pläne, Porträts, h’yf
rischer Begebenheiten, Bücher usw., die
Stadt Frankfurt oder ihrer Umgebung 'N,
Bergstraße, Hanau, Hessen, Höchst, La
Main, Rhein und Taunus in Beziehung steh^
Es findet sich darunter eine größere Zahl 5 >
tener und wichtiger alter Stiche, früher L
graphien und kunstgeschichtlich aufsd’N^
reicher Abbildungen von Kirchen und Bau’1 „
keiten Alt-Frankfurts. Unter den Bildnis® s
fällt eine schöne Originalsilhouette Qoe’
aus dem Jahre 1820 auf.

Die Galerie der verstorbenen Frau La
Oelbermann-Köln wird am H-
zember durch Math. Lempertz in K ö 1 8 fJ
gunsten einer wohltätigen Stiftung versteh
werden. Sie ist im wesentlichen in den
Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entsfaO p,
und zeigt den Typus einer „repräsenta'1
mit beträchtlicher Ambition und großen M1
zusammengebrachten Privatsammlung üfid
Gründerzeit“. Die deutsche Genremalerei
die Barbizon-Schule bilden die umfangra y'
sien Gruppen der außerordentlich geschn1 yc
vollen Sammlung; dazwischen finden v'llia|ii^
besten deutschen Meister der zweiten Njhli
hunderthälfte, 1
Triibner und, < __ „ _
Liebermann.
(Fortseßung auf Seite 4)

Objets de Colletion
Taoisseries - Peintures

BRIMO de LAROUSSILHE
34, Rue Lafayette — 58, Rue Jouffroy (Bd. Malesherbes) Paris

0 An1
Du Haut-Moyen M ^un£
ä la Renaissa'lC0 Q
 
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