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N®. 4.

K u n ft - Bl a t t.

Donnerstag, 14. Z a n u a r 1 8 3 0.

Neue Sale der Glyptothek in München.

(Beschluß.)

Die drei Sarkophage an den Wänden sind nicht so-
wohl durch ihre Ausführung, welche die gewöhnliche rö-
mische ist, als durch den Inhalt ihrer Reliefs höchst merk-
würdig. Der erste stellt auf seiner Vorderseite die neun
Musen dar, mit den Sirenenfedern geschmückt, in ihrer
Mitte.Minerva mit Schwerdt und Schild und der Eule
zu ihren Füßen, am rechten Ende Apollo, nur halb be-
kleidet, auf die Leyer gestüzt, den rechten Arm über das
Haupt gelegt und in der Rechten das Plektrum haltend *).
Auf der Seitenwand zur Rechten sieht man skizzenhaft
gearbeitet einen Dichter, mit dem Pallium bekleidet vor
einem hohen Pulte fitzend und, wie es scheint, im Reciti-
ren begriffen. Auf der zur linken ist ein Dreifuß und
ein bärtiger Älter, der vor ihm steht, bloß entworfen.

Der zweite Sarkophag ist der im I. 1824 auf den
Gütern des Duca Tvrlonia, zwischen Rom und Frascati
(Koma vecchi») entdeckte N i v b i d en sa r k op h ag, von
welchem das Kunstblatt damals (1824 Nr. 56.) eine aus-
führliche Beschreibung geliefert hat. Man sieht auf der
Vorderseite die Sohne und Töchter der Niobe durch Apoll
und Diana getvdtet, in derselben Art, wie auf dem be-
kannten vatikanischen Sarkophag, nur mit Veränderung
einzelner Gruppen und Figuren, auf der linken Seiten-
wand zwei verwundete Töchter und auf der rechten zwei
Söhne mit einem sich bäumenden Pferd. Auf der Vorder-
seite des Deckels sind sieben Söhne und sieben Töchter tobt
nebeneinander geworfen dargestellt; in - der Giebelfläche
zur Linken, die trauernde Niobe mit über das Haupt ge-
zogenem Mantel sitzend, und in der zur Rechten, ein dem
Apollo geheiligter Lorbeerkranz. Obgleich dieser Sarko-
phag an Verdienst der Ausführung dem vatikanischen
nachsteht, so bietet er doch einige, für die Behandlung des
Niobidenmpthus höchst- wichtige Züge dar.

Der dritte Sarkophag ist der berühmte, schon durch

Winckelmann bekannt gemachte Sarkophag aus dem Pallast
Accoramboni *). Die Vorderseite stellt Orestes vor, wie
er, von den Furien gepeinigt, daniedersinkt, dann mit Py-
lades gebunden vor Iphigenia geführt wird, um der Diana
Taurica geopfert zu werden, deren Altar mit den Köpfen
der früher Geopferten umhangen ist; wie beide endlich
mit Iphigenia dem nacheilenden Thoas entfliehen und das
Schiff besteigen, welches sie der Heimath zuführt. Auf
der Nebenseite rechts sind vier Figuren, von denen zwei
jedoch nur entworfen sind; sie scheinen zwei Fremdlinge,
gebunden vor Iphigenia geführt, zu bedeuten, hinter wel-
cher ein Scythe.Schwerdt und Schild hält. Auf der lin-
ken Nebenseite sieht man zwei nackte Jünglinge gegen den
Baum am Opferaltar zueilen.

Die Lektisternien, welche diesen Sarkophagen gegen-
über stehen, sind alle von verschiedenen und sehr zierlichen
Formen; unter zweien stehen Körbe mit Blumen gefüllt.

An der Wand über dem Musensarkophag ist ein Sar-
kophagrelief eingelassen, welches zu den häufigen Darstel-
lungen des Mythus von Diana und Endymion gehört,
und wie jede derselben den Gegenstand mit Variationen
im Einzelnen'behandelt. An der Mittlern Wand über
dem Niobidensarkophag sieht man das zo Fuß lange, 3
Fuß 8 Zoll hohe Relief aus dem Pallast della Balle: Vik.
torien, welche Stiere opfern und Candelaber bekränzen;
ein Werk, das sowohl wegen seiner kunstreichen und archi-
tektonisch schönen Anordnung, als wegen seiner höchst zier-
lichen Ausführung die größten Lobfprüche verdient. In
die dritte Wand, über dem Sarkophag des Orestes, ist ein
bacchisches Relief befestiget, auf welchem man den jugend-
lichen Bacchus und Ariadne auf einem Wagen von zwei
Centauren gezogen sieht, voran Bacchanten und Mänaden
tanzend, Eilen, am untern Theile des Körpers bekleidet,
trägt einen Korb auf dem Kopf und zuvorderst sizt ein
affenköpfiger Panisk auf dem Rücken eines trunkenen
Satyrs.

Aus dem Römersaal tritt man über sechs Stufen
hinauf in den nach der Vorderseite des Gebäudes gelege-

*) Viel Aebnlichkeit mit der Anordnung dieses Reliefs hat
her Musensarkophag der Gail. Giustiniaiu II. 140.

®) Monutu. ined. 14g.
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