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U N st
Blatt.
Dienstag, 5. Februar 1833.
Nachrichten über die alte Kölner Malerschule.
Stephan, der Meister des Dombildes.
(Fortsetzung.)
Eigen ist es, daß man in Köln selbst bis jetzt noch
keine Nachricht über ibn gefunden hat. Die Stelle aus
Albrecht Dürer's Tagebuch: „Item Hab 2 Weiß. pf. von
der Taffel aufzusperren geben, die Meister Steffan zu
Cöln gemacht hat" ist, wie bekannt, auf den Maler des
Dombildes bezogen worden, *) da dieses ehedem den
Altar der Rathskapelle zierte und außer dem Got-
tesdienst verschlossen war. Dieser Ansicht beipflichtend,
glaube ich folgende Stelle in Verbindung mit obiger
bringen zu dürfen. Mathias Quaden von Kinkelbach in
seiner: deutschen Nation Herrlichkeit. Cölln 1609. S.
429 berichtet nämlich: „Ich Hab vor io Jahren bei ei-
nem Goldschmit gearbeitet, welcher ein alter Kunstrei-
cher und wol bewanderter Mann gewesen, der erzalt uff
ein Zeit wie er von kundtbaren Leuthen verstanden hette,
Albrecht Dürer ist im Hinabziehen durch ein gewaltige
und nahmhafte Statt kommen, welche dismal nicht zu
nennen stehet, also ward ihm (vielleicht mehr aus Hofi-
rung gegen Marimiliano, dann aus Liebe der Kunst) ein
herliche und ausbundige schone Tafel gezeigt, und ge-
fragt, was ihm davon daeuchte: kundte Albrecht Dürer
kaum vor großer Verwundrung sein Gedunken davon
aussprechen. Da sagten die Herren zu ihm: dieser Man
ist allhie im Spital gestorben (heimlich dem Dürer ein
Stich gebende, als was sie arme Fantasten sich mit Ih-
rer Kunst doch dünken ließen die so ein ärmliches Leben
furen müssen) Ei, sprach Dürer, daß mögt ihr euch
wohl beruhmen, wird Euch ein feine Ehr sein nachzu-
reden einen solchen Man, durch den Ihr einen rühmli-
chen Nahmen hattet erwerben kunnen, also verächtlich
und elendig hin zu weisen."
*) S. Kunstblatt vom 27. Januar 1825, worin Dr. I.
F. Böhmer d. A. so viel mir bekannt, zuerst darauf
aufmerksam gemacht hat.
Daß hier unter der gewaltigen, nahmhaften Stadt,
welche Albrecht Dürer bei seinem Hinabziehen (nach den
Niederlanden) besucht habe, wie ihm sein Meister, der
Goldschmid in Köln berichtet, nur gerade diese Stadt
Köln sepn könne, wird bei dem Umstande, daß Mathias
Quaden von Kinkelbach sich dort aufhielt, höchst einleuch-
tend. Eben so, daß hier von der Tafel in der Raths-
kapelle die Rede ist, indem sie ihm durch die Herren
gezeigt wurde. Dürfen wir nun als begründet anneh-
men, daß die dabei erzählte Nachricht sich auf unfern
Meister Stephan bezieht, so gäbe uns diese einen Grund,
warum er, in beschränkten Vermögensumständen lebend,
nicht in den Rechnungsbüchern der Stadt erwähnt wird.
Folgende sind die mir bekannten Gemälde von dem
Meister des Dombildes, oder wie wir annehmen, Mei-
ster Stephan.
i) Altar aus der Venedictiner-Abtei zu Heisterbach
bei Bonn.
Von diesem Werke sind nur noch Fragmente be-
kannt, wozu nach einer Conjektur des Professors Mos-
ler folgende Bilder gehören: die einzelnen in gemalten
Tabernakeln stehenden Apostel mit dem heiligen Benedict
und dem heiligen Bernhard, ehedem in der Boisseroe-
schen Sammlung, nun dem König von Bayern gehörig.
Sodann aus dem Leben Christi: die Verkündigung und
Christus auf dem Oelberge an demselben Orte, ferner
zwei in dem Kölnischen Museum und zwei, welche ver-
dorben wurden.
Nach der Combination desselben Forschers war es
ein Altar mit Doppelflügeln. War er geschlossen, so
zeigte sich auf dem einen Flügel die heilige Ursula mit
ihren Jungfrauen und der heilige Gereon mit seinen
Gefährten. Bei der ersten Eröffnung fah man auf vier
großen Tafeln, jede in vier Abtheilungen, 16 Darstel-
lungen aus dem Leben Christi, welche mit der Verkün-
digung anfingen und mit dem Tod der Maria endigten.
Bei der zweiten Oeffnung zeigte sich erst das In-
nere mit einem großen Mittelbilde, das nun verloren
gegangen ist und wohl Christus und Maria darstellte.
Auf den innern Flügelbildern befanden sich dann die
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Blatt.
Dienstag, 5. Februar 1833.
Nachrichten über die alte Kölner Malerschule.
Stephan, der Meister des Dombildes.
(Fortsetzung.)
Eigen ist es, daß man in Köln selbst bis jetzt noch
keine Nachricht über ibn gefunden hat. Die Stelle aus
Albrecht Dürer's Tagebuch: „Item Hab 2 Weiß. pf. von
der Taffel aufzusperren geben, die Meister Steffan zu
Cöln gemacht hat" ist, wie bekannt, auf den Maler des
Dombildes bezogen worden, *) da dieses ehedem den
Altar der Rathskapelle zierte und außer dem Got-
tesdienst verschlossen war. Dieser Ansicht beipflichtend,
glaube ich folgende Stelle in Verbindung mit obiger
bringen zu dürfen. Mathias Quaden von Kinkelbach in
seiner: deutschen Nation Herrlichkeit. Cölln 1609. S.
429 berichtet nämlich: „Ich Hab vor io Jahren bei ei-
nem Goldschmit gearbeitet, welcher ein alter Kunstrei-
cher und wol bewanderter Mann gewesen, der erzalt uff
ein Zeit wie er von kundtbaren Leuthen verstanden hette,
Albrecht Dürer ist im Hinabziehen durch ein gewaltige
und nahmhafte Statt kommen, welche dismal nicht zu
nennen stehet, also ward ihm (vielleicht mehr aus Hofi-
rung gegen Marimiliano, dann aus Liebe der Kunst) ein
herliche und ausbundige schone Tafel gezeigt, und ge-
fragt, was ihm davon daeuchte: kundte Albrecht Dürer
kaum vor großer Verwundrung sein Gedunken davon
aussprechen. Da sagten die Herren zu ihm: dieser Man
ist allhie im Spital gestorben (heimlich dem Dürer ein
Stich gebende, als was sie arme Fantasten sich mit Ih-
rer Kunst doch dünken ließen die so ein ärmliches Leben
furen müssen) Ei, sprach Dürer, daß mögt ihr euch
wohl beruhmen, wird Euch ein feine Ehr sein nachzu-
reden einen solchen Man, durch den Ihr einen rühmli-
chen Nahmen hattet erwerben kunnen, also verächtlich
und elendig hin zu weisen."
*) S. Kunstblatt vom 27. Januar 1825, worin Dr. I.
F. Böhmer d. A. so viel mir bekannt, zuerst darauf
aufmerksam gemacht hat.
Daß hier unter der gewaltigen, nahmhaften Stadt,
welche Albrecht Dürer bei seinem Hinabziehen (nach den
Niederlanden) besucht habe, wie ihm sein Meister, der
Goldschmid in Köln berichtet, nur gerade diese Stadt
Köln sepn könne, wird bei dem Umstande, daß Mathias
Quaden von Kinkelbach sich dort aufhielt, höchst einleuch-
tend. Eben so, daß hier von der Tafel in der Raths-
kapelle die Rede ist, indem sie ihm durch die Herren
gezeigt wurde. Dürfen wir nun als begründet anneh-
men, daß die dabei erzählte Nachricht sich auf unfern
Meister Stephan bezieht, so gäbe uns diese einen Grund,
warum er, in beschränkten Vermögensumständen lebend,
nicht in den Rechnungsbüchern der Stadt erwähnt wird.
Folgende sind die mir bekannten Gemälde von dem
Meister des Dombildes, oder wie wir annehmen, Mei-
ster Stephan.
i) Altar aus der Venedictiner-Abtei zu Heisterbach
bei Bonn.
Von diesem Werke sind nur noch Fragmente be-
kannt, wozu nach einer Conjektur des Professors Mos-
ler folgende Bilder gehören: die einzelnen in gemalten
Tabernakeln stehenden Apostel mit dem heiligen Benedict
und dem heiligen Bernhard, ehedem in der Boisseroe-
schen Sammlung, nun dem König von Bayern gehörig.
Sodann aus dem Leben Christi: die Verkündigung und
Christus auf dem Oelberge an demselben Orte, ferner
zwei in dem Kölnischen Museum und zwei, welche ver-
dorben wurden.
Nach der Combination desselben Forschers war es
ein Altar mit Doppelflügeln. War er geschlossen, so
zeigte sich auf dem einen Flügel die heilige Ursula mit
ihren Jungfrauen und der heilige Gereon mit seinen
Gefährten. Bei der ersten Eröffnung fah man auf vier
großen Tafeln, jede in vier Abtheilungen, 16 Darstel-
lungen aus dem Leben Christi, welche mit der Verkün-
digung anfingen und mit dem Tod der Maria endigten.
Bei der zweiten Oeffnung zeigte sich erst das In-
nere mit einem großen Mittelbilde, das nun verloren
gegangen ist und wohl Christus und Maria darstellte.
Auf den innern Flügelbildern befanden sich dann die



