Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
u n s

Dienstag, 21. Mai 18 3 3.

Casa di Goethe, Pompeji.

Nach Bccchl's BeIa?.ione deg-li Scavi di Pompei
da maggio 1831 a maggio i832 im Mus.
Borbon. fase. 32.)

(Mit einem lithographirten Grundriß.)

Das glückliche Campanien, sogenannt von den Alten
wegen der Fruchtbarkeit seines Bodens, erzeugte Wein
in Menge und von großer Süßigkeit; besonders waren
die Gipfel des Vesuvs, ehe die Verwüstungen seines
Ausbruchs eintraten, mit Weinbergen bekränzt, die aus
dem vulkanischen Boden hervorgewachsen, eben so aus-
gesuchte als ergiebige Jahrgänge lieferten. Bei dem
Dichter Martial kommt eine Anspielung auf jenen
Segen vor.

Die Stadt Pompeji, am Fuße des Berges gelegen,
vom Meere umflossen, welchem sie, erwerbfleißig auf alle
Weise, ihren Reichthum verdankte, war sicherlich einer
der Häfen, aus denen die campanischen Weine, und zumal
jene von der Höhe des Vesuvs, versendet wurden, und
dieser Handel mußte unter dem Einflüsse natürlicher
Begünstigungen sehr erheblich sepn.

Diese vorausgeschickten Winke mögen den Leser auf
eine jetzt darzulegende Vermuthung vorbereiten, die ihm
anfänglich etwas seltsam und unwahrscheinlich Vorkommen
mag, daß nämlich ihr zufolge das sogenannte Haus des
Faunus *), welches an Pracht alle bisher ausgegrabe-
nen übertrifft, einem reichen Weinhändler könne zugehört

*) Dieses neu entdeckte Haus ist nicht blos durch das
darin aufgefuudenc Musaik der Alexandersschlacht merk-
würdig. sondern weil es überhaupt eines der reichsten
und geschmackvollst verzierten unter allen bis jetzt auf-
gegrabenen ist. Es wird daher unfern Lesern nicht un-
interessant seyn, hier eine dataillirte Beschreibung seiner
Einrichtung zu finden, die als Typus der Einrichtung
griechisch-römischer Hauser überhaupt dienen kann.

haben, dessen glückliche Geschäfte nach allen Seiten hin
aus vielfältigen Anzeichen zu sprechen scheinen. Denn
anders läßt sich kaum die Unzahl von Amphoren aller
Art und Größe erklären, welche in den bedeutendsten
Räumen dieser Wohnung sind gefunden worden. Will
nun jemand darauf weiter die Annahme stützen, daß jenes
schöne Haus als wohnliches Prachtwerk einst von einem
vornehmen Bürger erbaut, im Wechsel der Geschicke und
Zeiten das Eigenthum eines Weinhändlers geworden
sep, und daß der Ausbruch des Vesuvs späterhin das-
selbe bedeckte; so könnten wir uns diese Vorstellung
gefallen lassen; allein in Erwägung, daß sich sowohl an
den Mnsaiken als Ornamenten vielfache Anspielungen
auf Bacchus vorgefunden haben, geben wir lieber der
Meinung Raum, daß Ursprung und Pracht des Hauses
sich vom Weinhandel herschreiben. Man ist auch wohl
auf den Gedanken gerathen, das Haus sey eine Fabrik-
stätte von Amphoren gewesen, ohne zu bedenken, daß
keine Spur eines Brennofens entdeckt worden ist, und
die Bestimmung eines so ansehnlichen Hauses für ein so
geringes Fabrikat, wie das von rohen, irdenen Geschirren,
völlig unstatthaft scheint. Wenn hingegen ein reicher
Weinhändler seinen Sitz in Pompeji hatte, aus der
Umgegend die edelsten Gaben des Bacchus in den Vor-
räthen seines Hauses zusammenbrachte und, vom Meere
begünstigt, damit in die Ferne Geschäfte trieb: so konnte
er daraus zuverlässig so reichltchen Gewinn ziehen, daß
er sich füglich als Besitzer und Bewohner jenes Hauses
denken läßt. Dabei kommt noch der Umstand in Betrach-
tung, daß alle in den Atrien und Peristylen aufgefun-
denen Amphoren durch gelegentliche Veranlassung der
Jahreszeit aufgehäuft sepn konnten (denn im Ausgange
des Herbstes wurde Pompeji verschüttet); daß ferner,
war die Weinlese beendigt und ihr Ertrag eingesammelt,
derselbe entweder zurückgelegt oder nach Bedarf verschickt
werden konnte, in welchen Beziehungen die aufgestellte
Hypothese immer mehr an Wahrscheinlichkeit gewinnt.
Was endlich die Pracht des Hauses betrifft, so läßt sich
Index
There is no information available here for this page.

Temporarily hide column
 
Annotationen