190
namentlich zwei Viehstücke nach Wagenbauer, und das
interessante Bild von Gran et: ein Maler im Ge-
fängnisse, der ein Madonnenbild an der Mauer entwirft,
vor welchem einer der Mitgefangenen anbetend nieder-
knieet. An der kranken Frau im Lehnstuhle nach Gabr.
Metzu dürften Kopf und Hände etwas zarter behandelt
fepn. — Ein schönes männliches Vildniß nach Velas-
quez ist von F. A. Mayr in sehr passender Weise mit
vieler Kraft und Rundung lithographirt. Nicht eben so
wohl gelungen ist die Madonna mit dem Kinde nach
Saffoferrato von H. An schütz. — Das Gemälde der
Mdlle. G«rard: „Wie Napoleon der Fürstin von Hatz-
feld die Papiere übergibt, welche ihren Gemahl verdäch-
tig machen, und sie ersucht, dieselben iu's Feuer zu wer-
fen," ist interessanter um seines Inhaltes als um seiner
Ausführung willen, und bot dem Lithographen große
Schwierigkeiten dar, die Hr. S- Tröndlin doch größ-
tentheils gelöst hat. Die HH. A. Bor um und I.
Bergmann haben die beiden Ansichten von dem
Aeußern und Innern des Mailänder Doms nach
Migliara copirt; aber beiden übrigens fleißig gear-
beiteten Blattern müssen wir den Vorwurf einer zu
düstern Behandlung machen. Besonders auf dem des
Hrn. Vorum erscheint der blendendweise carrarische
Marmor der Fa?ade nicht viel anders als grünlicher
Sandstein. Hr. Bergmann hat mehr Schärfe in den
Formen erreicht, doch wäre auch seiner Arbeit eine noch
zartere Ausführung zu wünschen, damit die lichten Töne,
worin Migliara so ausgezeichnet ist, völlig hätten sicht-
bar werden können.
Von R. Leiter finden wir einen Christus nach
C. Dolce und das Gemälde von Hersent: wie
Fenelon einer armen Bauernfamilie ihre vom Feinde
gestohlene Kuh zurückbringt; beide kräftig und zart zu-
gleich, jedoch nicht überall mir hinreichender Modellirung
behandelt. Endlich ist noch-ein Wasserfall nach I. Dor-
ner anzuführen, recht kräftig und klar nachgebildet von
Z. Wölffle. Der Druck aller dieser Blätter ist früher
von dem verst. Selb, und in der letzten Zeit von Hrn.
Hohe geleitet worden, und empfiehlt sich fast durchgängig
durch Klarheit der Schatten, Reinheit der Töne und
ebenso kräftige als harmonische Wirkung.
5. D e r K u n st v e r e i n i n München seinen
Mitgliedern 1822. Lithographien nach Mon-
te», Kaufmann, Rottmann und Dom. Quaglio,
aus den zur Verloosung am 16. Febr. 1825 an-
gekauften Gegenständen. 1s Heft mir 4 Bl. Fol.
Obgleich dieß Heft nicht für den Kunsthandel bestimmt
ist, dürfen wir es doch als eine sehr erfreuliche und viel-
fach verbreitete Gabe hier nicht unerwähnt lassen. Der
Münchner Kunstverein vertheilte sonst jedes Jahr ein
großes litbographirtes Blatt unter seine Mitglidere,
dessen Gegenstand abwechselnd ein historisches, Landschafts-
oder Genrebild, und nicht gerade eines von den auf
dem Verein ausgestellten war. So geschah es, daß nicht
immer der Geschmack aller Theilnehmer getroffen und
befriedigt, noch weniger die Erinnerung an die das Jahr
hindurch ausgestellten Bilder lebendig erhalten wurde.
Daher wurde beschlossen, jedes Jahr vier der für den
Verein angekauften Bilder zwar in kleinerem Format,
jedoch völlig mit der Kreide ausgeführt, lithographiren
zu lassen. In dem vorliegenden Hefte, dem ersten Ge-
schenk dieser Art, finden wir nun vier der ausgezeich-
netsten Gemälde der Verloosung auf eine treue und im
Ganzen sehr befriedigende Deist für die Portefeuille's der
Mitglieder aufbewahrt. Das Artillerie-Manövre, von
Monte«., ist sehr glücklich von Hrn. Hohe wiedergegeben,
sowohl was die geistreiche Zeichnung und die Lebendigkeit
der Bewegungen, als was die Gesammtwirkung und
Harmonie des Bildes betrifft. Dem Blatte nach .Dom.
Quaglio, eine Ansicht von Neu-Oetting ln Bayern
darstellend, lithographirt von Bo rum, fehlt es etwas
an Gleichheit der Behandlung, auch dürfte das Gänze
kräftiger seyn. Eine höchst schwierige Aufgabe hatte
Hr. C. Leb scher in der Nachbildung eines Gemäldes
von Nottmann, den Golf von Bajä vorstellend, des-
sen Hauptverdienst imseiner ausnehmenden Klarheit und
Frische des Lichts, der Luft und des Wassers besteht.
Wo die Formen sich so sehr unterordnen, ist es dem
Lithographen nicht möglich, etwas mehr als ein Schatten-
bild wiederzugeben. Weit günstiger in dieser HinsickD
obgleich ebenfalls wegen des Halbdunkels, welches über
das Ganze herrscht, von nicht unbedeutender Schwierig-
keit, war das schöne Bild Ave Maria, von Kaufmann,
und der Lithograph, Hr. Heinz man n, hat es reckt glück-
lich nachzubilden gewußt. Das Dämmerlicht, nur an
den fernen Gebirgen und an den in stillem Geber sitzen-
den Landleuten durch den Schimmer des letzten Sonnen-
strahls unterbrochen, ist auch in der Kreidezeichnung
erkennbar, und mit großer Treue hat Hr. H. den from-
men Ausdruck in den Gesichtern der Landleute fo wie die
sorgfältige, fleißige und klare Behandlung beibehalten, wo-
durch das Original sich so vielen Beifall erworben hatte.
Auch diese Blätter sind unter der Leitung des Hrn.
Hohe gedruckt.
4. Apoll unter den Hirten. Nach dem Ge-
mälde von Schick gezeichnet und lithographirt
von C. Chr. Schmidt. Sr. Majestät (dem)
König von Würtemberg in tiefster Ehrfurcht ge-
widmet von C. Chr. Schmidt. Stuttgart, Ver-
lag der Ebner'schen Kunsthandlung. Gr. Fol.
Mit großem Vergnügen zeigen wir dieß Blatt nach
einem Gemälde an, welches ohne Ungerechtigkeit als das
schönste historische Bild betrachtet werden darf, das die
namentlich zwei Viehstücke nach Wagenbauer, und das
interessante Bild von Gran et: ein Maler im Ge-
fängnisse, der ein Madonnenbild an der Mauer entwirft,
vor welchem einer der Mitgefangenen anbetend nieder-
knieet. An der kranken Frau im Lehnstuhle nach Gabr.
Metzu dürften Kopf und Hände etwas zarter behandelt
fepn. — Ein schönes männliches Vildniß nach Velas-
quez ist von F. A. Mayr in sehr passender Weise mit
vieler Kraft und Rundung lithographirt. Nicht eben so
wohl gelungen ist die Madonna mit dem Kinde nach
Saffoferrato von H. An schütz. — Das Gemälde der
Mdlle. G«rard: „Wie Napoleon der Fürstin von Hatz-
feld die Papiere übergibt, welche ihren Gemahl verdäch-
tig machen, und sie ersucht, dieselben iu's Feuer zu wer-
fen," ist interessanter um seines Inhaltes als um seiner
Ausführung willen, und bot dem Lithographen große
Schwierigkeiten dar, die Hr. S- Tröndlin doch größ-
tentheils gelöst hat. Die HH. A. Bor um und I.
Bergmann haben die beiden Ansichten von dem
Aeußern und Innern des Mailänder Doms nach
Migliara copirt; aber beiden übrigens fleißig gear-
beiteten Blattern müssen wir den Vorwurf einer zu
düstern Behandlung machen. Besonders auf dem des
Hrn. Vorum erscheint der blendendweise carrarische
Marmor der Fa?ade nicht viel anders als grünlicher
Sandstein. Hr. Bergmann hat mehr Schärfe in den
Formen erreicht, doch wäre auch seiner Arbeit eine noch
zartere Ausführung zu wünschen, damit die lichten Töne,
worin Migliara so ausgezeichnet ist, völlig hätten sicht-
bar werden können.
Von R. Leiter finden wir einen Christus nach
C. Dolce und das Gemälde von Hersent: wie
Fenelon einer armen Bauernfamilie ihre vom Feinde
gestohlene Kuh zurückbringt; beide kräftig und zart zu-
gleich, jedoch nicht überall mir hinreichender Modellirung
behandelt. Endlich ist noch-ein Wasserfall nach I. Dor-
ner anzuführen, recht kräftig und klar nachgebildet von
Z. Wölffle. Der Druck aller dieser Blätter ist früher
von dem verst. Selb, und in der letzten Zeit von Hrn.
Hohe geleitet worden, und empfiehlt sich fast durchgängig
durch Klarheit der Schatten, Reinheit der Töne und
ebenso kräftige als harmonische Wirkung.
5. D e r K u n st v e r e i n i n München seinen
Mitgliedern 1822. Lithographien nach Mon-
te», Kaufmann, Rottmann und Dom. Quaglio,
aus den zur Verloosung am 16. Febr. 1825 an-
gekauften Gegenständen. 1s Heft mir 4 Bl. Fol.
Obgleich dieß Heft nicht für den Kunsthandel bestimmt
ist, dürfen wir es doch als eine sehr erfreuliche und viel-
fach verbreitete Gabe hier nicht unerwähnt lassen. Der
Münchner Kunstverein vertheilte sonst jedes Jahr ein
großes litbographirtes Blatt unter seine Mitglidere,
dessen Gegenstand abwechselnd ein historisches, Landschafts-
oder Genrebild, und nicht gerade eines von den auf
dem Verein ausgestellten war. So geschah es, daß nicht
immer der Geschmack aller Theilnehmer getroffen und
befriedigt, noch weniger die Erinnerung an die das Jahr
hindurch ausgestellten Bilder lebendig erhalten wurde.
Daher wurde beschlossen, jedes Jahr vier der für den
Verein angekauften Bilder zwar in kleinerem Format,
jedoch völlig mit der Kreide ausgeführt, lithographiren
zu lassen. In dem vorliegenden Hefte, dem ersten Ge-
schenk dieser Art, finden wir nun vier der ausgezeich-
netsten Gemälde der Verloosung auf eine treue und im
Ganzen sehr befriedigende Deist für die Portefeuille's der
Mitglieder aufbewahrt. Das Artillerie-Manövre, von
Monte«., ist sehr glücklich von Hrn. Hohe wiedergegeben,
sowohl was die geistreiche Zeichnung und die Lebendigkeit
der Bewegungen, als was die Gesammtwirkung und
Harmonie des Bildes betrifft. Dem Blatte nach .Dom.
Quaglio, eine Ansicht von Neu-Oetting ln Bayern
darstellend, lithographirt von Bo rum, fehlt es etwas
an Gleichheit der Behandlung, auch dürfte das Gänze
kräftiger seyn. Eine höchst schwierige Aufgabe hatte
Hr. C. Leb scher in der Nachbildung eines Gemäldes
von Nottmann, den Golf von Bajä vorstellend, des-
sen Hauptverdienst imseiner ausnehmenden Klarheit und
Frische des Lichts, der Luft und des Wassers besteht.
Wo die Formen sich so sehr unterordnen, ist es dem
Lithographen nicht möglich, etwas mehr als ein Schatten-
bild wiederzugeben. Weit günstiger in dieser HinsickD
obgleich ebenfalls wegen des Halbdunkels, welches über
das Ganze herrscht, von nicht unbedeutender Schwierig-
keit, war das schöne Bild Ave Maria, von Kaufmann,
und der Lithograph, Hr. Heinz man n, hat es reckt glück-
lich nachzubilden gewußt. Das Dämmerlicht, nur an
den fernen Gebirgen und an den in stillem Geber sitzen-
den Landleuten durch den Schimmer des letzten Sonnen-
strahls unterbrochen, ist auch in der Kreidezeichnung
erkennbar, und mit großer Treue hat Hr. H. den from-
men Ausdruck in den Gesichtern der Landleute fo wie die
sorgfältige, fleißige und klare Behandlung beibehalten, wo-
durch das Original sich so vielen Beifall erworben hatte.
Auch diese Blätter sind unter der Leitung des Hrn.
Hohe gedruckt.
4. Apoll unter den Hirten. Nach dem Ge-
mälde von Schick gezeichnet und lithographirt
von C. Chr. Schmidt. Sr. Majestät (dem)
König von Würtemberg in tiefster Ehrfurcht ge-
widmet von C. Chr. Schmidt. Stuttgart, Ver-
lag der Ebner'schen Kunsthandlung. Gr. Fol.
Mit großem Vergnügen zeigen wir dieß Blatt nach
einem Gemälde an, welches ohne Ungerechtigkeit als das
schönste historische Bild betrachtet werden darf, das die



