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Perino bei Vaga eine Vermahlung Catharina's mit
dem Christuskinde; sie naht sich, Schüchternheit mit
Liebe gemischt im Gesichte. — Eine h. Familie von
Andrea del Sarto, die beste, die ich von diesem
Meister sah; Maria mit dem tiefsten Ausdruck von
Demuth und Mutterliebe, aus dem Kinde blitzt durch
die Kindlichkeit der Ausdruck des Göttlichen, durch jene
gemildert, so schön, daß Raphael es in dem, was ich
von ihm sah, nie so schön malte. In dem nämlichen
Zimmer steht noch eine flache Schüssel, etwa 2 Schuh
im Durchmesser, am Rande mit elfenbeinernen Basreliefs
aus Roms ältester Geschichte verziert, so vortrefflich, daß
ich für sie den ganzen in der kaiserlichen Schatzkammer
befindlichen Schrank voll Elfenbeinschnitzereien, Kaiser in
Allongeperücken u. s. w. hingeben wurde. — In dem
nächsten Zimmer ist eine Citherspielerin von Michel
AngeloCaravaggio,der Triumph des Technischen. 2»
einem gelben Gewände von Halbseide sitzt sie in behaglich
nachlässiger Stellung, drei Viertheile des Rückens gegen
den Zuschauer gekehrt, das Gewand unter dem linken
Arm mit dem Schnürriemen nachlaßig zusammengezogen,
alles so bestimmt, bis zum Anfühlen, hervortretend,
und doch so weich; auf dem Tisch eine verkürzte Violine,
die Lange wenig über Handbreit gemalt, und doch sieht
man sie Ellenlang natürlich daliegen. — Eine Menge
der schönsten Vandyk's, das Studium und die Lust
aller die Gallerie besuchenden Porträtmaler, unter ihnen
zwei, welche selbst von allen reisenden Engländern, deren
Vaterland bekanntlich so viel Treffliches von diesem Mei-
ster besitzt, für die schönsten erklärt werden, die man
sehen könne, und die ich auch unbedenklich den zwei ge-
rühnftesten und wirklich sehr schönen im Belvedere vorziehe.
Es ist Wallensteins Porträt im Alter von 24 Jahren, ein
Gesicht, dem man lieber ausweicht, als mit ihm ver-
kehrt; durch einen leichten Anflug jugendlichen Humors
blickt doch schon das Dämonische des Auges. Das andere
ist eine Prinzessin Este in das Haus Tassis verheirathet.
Ich lasse der tauschenden Wahrheit in den Vandykischen
Porträts, wo einem aus der so vielfach und doch so
unmerklich nüancirten Carnation und den sprechenden
Augen das Leben immer zauberischer entgegenquillt, je
länger man sie betrachtet, alle Gerechtigkeit widerfahren,
und beschaue deßwegen eines oder etliche mit recht viel
Genuß' gestehe aber doch, daß ich nicht weilen mag, wo
ganze Reihen solcher eintönigen schwarzen Figuren para-
diren; es müßten denn die sämmtlichen Originale histo-
risches Interesse haben. — Viele Franceschini, mit-
unter von beträchtlicher Größe; sie gehören zu dem
Minderwerthen dieser Sammlung. — Ein Saal enthält
in 7 großen Gemälden die Geschichte des Decius, von
Rubens, das erste den Moment, wo ihm der Opfer-
Priester die Böses weissagenden Eingeweide zeigt, das
letzte die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Unter
den in den übrigen Zimmern noch zerstreuten Stücken von
Rubens befinden sich auch die Porträts seiner beiden
Söhne, sichtbar mit Liebe gemalt; der kleine ist beson-
ders ein anziehender Junge. Auf den Tischen dieses
Saales stehen auch bronzene Nachbildungen der berühm-
testen Antiken in % Lebensgröße, so wie noch andere
Bronzen, alle ohne sonderlichen Kunstwerth. - In den
folgenden Zimmern sieht man viele scköne Luini's
und Bronzino's, aber auch etliche geringe darunter.
— Einer der schönsten Pietro Perugino, von dem
Fürsten erst vor etlichen Jahren in Bologna von einem
verarmten Marchese gekauft, rund, etwa vier Schuhe hoch
und breit, eine Madonna mit dem Kinde, voll der be-
kannten Gemüthlichkeit und Tiefe der alten Meister.
Die Mutter, im blauen Mantel, kniet anbetend mit ge-
falteten Händen vor dem Kinde, dieses sitzt auf einem
weifen Wollfack, und schaut, ein Fingerchen an das Kinn
gelegt, die Mutter an, ein Engel hält es auf dem
Sitze aufrecht, und sieht voll Andacht zur Mutter empor;
rechts steht auf einem Felsen, mit goldner Schrift:
P«tms Perusinus P. die Leinwand ist grob, die Farbe
dünn aufgetragen. Man sieht wohl, daß das Bild
Generationen hindurch geschätztes Familienkleinod eines
angesehenen Hauses war; es ist vortrefflich erhalten. —
Hinter der Flügelthüre eines Saales Venus mit Amor,
Kniestück in Lebensgröße von Oraciv Marinari
dem besten Schüler des Carlo Dolci; die Formen äußerst
rund und wie plastisch hervortretend, schade, daß der
dunkle Grund zu sehr durchgewachsen. — Ein Manns-
kopf von Mantegna, blaß, ausdrucksvoll, scheint etwas
verwaschen; ihm ähnelt im Style das obenerwähnte
Porträt eines Herzogs von Urbino weit mehrmals dem
Porträt Raphaels in der Gallerie zu München.
(Der Beschluß folgt.)
In der literarisch-artistischen Anstalt in
München sind erschienen und durch alle solide Buch-
handlungen zu beziehen:
Auswahl einer Zahl der vorzüglichsten Gemälde der Pina-
kothek in München, als Folge der königl. bayerischen
Gemäldesammlung zu München und Schleißheim, litho-
graphirt von Borum, Hohe, Leiter , Piloty u. A., in
Heften von 3 — 4 Blättern, iste bis 4te Lieferung,
gr. Folio. Jedes Heft auf chinessisch Papier 11 fl.
auf weiß Papier 8 fl.
Einzelne Blätter auf chinesisch Papier 5 fl. 30 kr.
, weiß Papier 4 fl.
Herzoglich Leuchtenbeögische Gallerie, Auswahl einer Zahl
" der vorzüglichste» Bilder, lithograplsirt von Borum,
Hohe, Leiter, Piloty in üb Iü Heften von 3 — 4
Blättern, i-ste bis 4-te.Lieferung.
Jedes Heft auf .chinesisch Papier 11 fl.
weiß Papier 8 fl.
Einzelne Blatter auf chinesisch Papier 5 fl 30 kr.
weiß Papier 4 fl.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Schorn.
Perino bei Vaga eine Vermahlung Catharina's mit
dem Christuskinde; sie naht sich, Schüchternheit mit
Liebe gemischt im Gesichte. — Eine h. Familie von
Andrea del Sarto, die beste, die ich von diesem
Meister sah; Maria mit dem tiefsten Ausdruck von
Demuth und Mutterliebe, aus dem Kinde blitzt durch
die Kindlichkeit der Ausdruck des Göttlichen, durch jene
gemildert, so schön, daß Raphael es in dem, was ich
von ihm sah, nie so schön malte. In dem nämlichen
Zimmer steht noch eine flache Schüssel, etwa 2 Schuh
im Durchmesser, am Rande mit elfenbeinernen Basreliefs
aus Roms ältester Geschichte verziert, so vortrefflich, daß
ich für sie den ganzen in der kaiserlichen Schatzkammer
befindlichen Schrank voll Elfenbeinschnitzereien, Kaiser in
Allongeperücken u. s. w. hingeben wurde. — In dem
nächsten Zimmer ist eine Citherspielerin von Michel
AngeloCaravaggio,der Triumph des Technischen. 2»
einem gelben Gewände von Halbseide sitzt sie in behaglich
nachlässiger Stellung, drei Viertheile des Rückens gegen
den Zuschauer gekehrt, das Gewand unter dem linken
Arm mit dem Schnürriemen nachlaßig zusammengezogen,
alles so bestimmt, bis zum Anfühlen, hervortretend,
und doch so weich; auf dem Tisch eine verkürzte Violine,
die Lange wenig über Handbreit gemalt, und doch sieht
man sie Ellenlang natürlich daliegen. — Eine Menge
der schönsten Vandyk's, das Studium und die Lust
aller die Gallerie besuchenden Porträtmaler, unter ihnen
zwei, welche selbst von allen reisenden Engländern, deren
Vaterland bekanntlich so viel Treffliches von diesem Mei-
ster besitzt, für die schönsten erklärt werden, die man
sehen könne, und die ich auch unbedenklich den zwei ge-
rühnftesten und wirklich sehr schönen im Belvedere vorziehe.
Es ist Wallensteins Porträt im Alter von 24 Jahren, ein
Gesicht, dem man lieber ausweicht, als mit ihm ver-
kehrt; durch einen leichten Anflug jugendlichen Humors
blickt doch schon das Dämonische des Auges. Das andere
ist eine Prinzessin Este in das Haus Tassis verheirathet.
Ich lasse der tauschenden Wahrheit in den Vandykischen
Porträts, wo einem aus der so vielfach und doch so
unmerklich nüancirten Carnation und den sprechenden
Augen das Leben immer zauberischer entgegenquillt, je
länger man sie betrachtet, alle Gerechtigkeit widerfahren,
und beschaue deßwegen eines oder etliche mit recht viel
Genuß' gestehe aber doch, daß ich nicht weilen mag, wo
ganze Reihen solcher eintönigen schwarzen Figuren para-
diren; es müßten denn die sämmtlichen Originale histo-
risches Interesse haben. — Viele Franceschini, mit-
unter von beträchtlicher Größe; sie gehören zu dem
Minderwerthen dieser Sammlung. — Ein Saal enthält
in 7 großen Gemälden die Geschichte des Decius, von
Rubens, das erste den Moment, wo ihm der Opfer-
Priester die Böses weissagenden Eingeweide zeigt, das
letzte die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Unter
den in den übrigen Zimmern noch zerstreuten Stücken von
Rubens befinden sich auch die Porträts seiner beiden
Söhne, sichtbar mit Liebe gemalt; der kleine ist beson-
ders ein anziehender Junge. Auf den Tischen dieses
Saales stehen auch bronzene Nachbildungen der berühm-
testen Antiken in % Lebensgröße, so wie noch andere
Bronzen, alle ohne sonderlichen Kunstwerth. - In den
folgenden Zimmern sieht man viele scköne Luini's
und Bronzino's, aber auch etliche geringe darunter.
— Einer der schönsten Pietro Perugino, von dem
Fürsten erst vor etlichen Jahren in Bologna von einem
verarmten Marchese gekauft, rund, etwa vier Schuhe hoch
und breit, eine Madonna mit dem Kinde, voll der be-
kannten Gemüthlichkeit und Tiefe der alten Meister.
Die Mutter, im blauen Mantel, kniet anbetend mit ge-
falteten Händen vor dem Kinde, dieses sitzt auf einem
weifen Wollfack, und schaut, ein Fingerchen an das Kinn
gelegt, die Mutter an, ein Engel hält es auf dem
Sitze aufrecht, und sieht voll Andacht zur Mutter empor;
rechts steht auf einem Felsen, mit goldner Schrift:
P«tms Perusinus P. die Leinwand ist grob, die Farbe
dünn aufgetragen. Man sieht wohl, daß das Bild
Generationen hindurch geschätztes Familienkleinod eines
angesehenen Hauses war; es ist vortrefflich erhalten. —
Hinter der Flügelthüre eines Saales Venus mit Amor,
Kniestück in Lebensgröße von Oraciv Marinari
dem besten Schüler des Carlo Dolci; die Formen äußerst
rund und wie plastisch hervortretend, schade, daß der
dunkle Grund zu sehr durchgewachsen. — Ein Manns-
kopf von Mantegna, blaß, ausdrucksvoll, scheint etwas
verwaschen; ihm ähnelt im Style das obenerwähnte
Porträt eines Herzogs von Urbino weit mehrmals dem
Porträt Raphaels in der Gallerie zu München.
(Der Beschluß folgt.)
In der literarisch-artistischen Anstalt in
München sind erschienen und durch alle solide Buch-
handlungen zu beziehen:
Auswahl einer Zahl der vorzüglichsten Gemälde der Pina-
kothek in München, als Folge der königl. bayerischen
Gemäldesammlung zu München und Schleißheim, litho-
graphirt von Borum, Hohe, Leiter , Piloty u. A., in
Heften von 3 — 4 Blättern, iste bis 4te Lieferung,
gr. Folio. Jedes Heft auf chinessisch Papier 11 fl.
auf weiß Papier 8 fl.
Einzelne Blätter auf chinesisch Papier 5 fl. 30 kr.
, weiß Papier 4 fl.
Herzoglich Leuchtenbeögische Gallerie, Auswahl einer Zahl
" der vorzüglichste» Bilder, lithograplsirt von Borum,
Hohe, Leiter, Piloty in üb Iü Heften von 3 — 4
Blättern, i-ste bis 4-te.Lieferung.
Jedes Heft auf .chinesisch Papier 11 fl.
weiß Papier 8 fl.
Einzelne Blatter auf chinesisch Papier 5 fl 30 kr.
weiß Papier 4 fl.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Schorn.



