Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 15.1834

Seite: 404
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A, p h o r i s m e n.

Drei Worte nenn' ich dir inhaltsschwer: Kraft!
Mannichfaltigkeit! Harmonie! —

Wie oft denke ich bei neuerer Musik an Malerei!
Sind denn Reihen von Tönen, Accorden, Wohllauten
schon Musik? 2si den» nicht in all dieser Leyer doch
eine Monotonie, so daß uns nichts im Gedächtnis! bleiben
will? Ja, wenn nns eine melodische Bewegung erfreuen
will, bringt uns nicht der unerwartet cintretende aus-
weichende Accord einer heterogenen Modulation um das
eben erweckte Gefühl und in Verzweiflung?

So mit Gemälden. Ganze Farben sind keine Kraft;
Buntheit ist keine Mannichfaltigkeit, und ein ohne rich-
tigen Sinn hingesehter Ton schreit aus dem Bild heraus
und bringt uns um den Genuß.

[745] Anzeige.

Tchorwal-scn's Aleranderzug.

In der Unterzeichneten wirb nächstens erscheinen:

Alexanders des Großen Einzug in Baby-
lon, Marmorfrics im kbnigl. dänischen Schlosse,
Christianöburg, von Bertel Thorwaldsen.
Nach Zeichnungen von Fr. Overbeck u. A. gc-
fiochcn von Samuel Amsler. Mit Erläuterun-
gen von Ludwig Schorn. XXII Kupfcr-

tafcln mit Text in groß O.ucr-Folro.

Bekanntlich war baS Relief des Alcpanderznges, wel-
ches Thorwaldsen im Jahr isu für den päbsilichen Palast
auf dem Qnirinal verfertigte, das erste Werk dieser Art,
welches den reinen Styl der Antike, in Hinsicht auf Anord-
nung und geschmackvolle Behandlung der Figuren in die
neuere Plastik einführte. Man war so allgemein über die
hohe Schönheit des in der kurzen Zeit von drei Monaten
entstandene» Werkes erstaunt, dag ein schon damals anSge-
zeichtletcr deutscher Künstler, Fr. Overbeck, sich kurz nach
Vollendung desselben entschloß, ansgeführte Zeichnungen da-
von zu machen, und es erschien nach denselben ein Werk,
gestochen von zwei Italienern, Bcttclini und March etti,
welche diese Gruppen i» lcichtschattirten Nachbildungen vor
Augen stellen. Jedoch wünschte Thorwaldsen später selbst,
daß ein deutscher Künstler, welcher sich durch vortreffliche
Kupferstiche nach mehreren seiner Statuen einen großen
Ruhm erworben hatte, Hr. Samuel Amsler, eine nach-
malige Ausgabe des Alcrandcrzuges unternehmen möchte,
in welcher das plastische Verdienst seines Werks mit größter
Treue wiedergegcbcn würde, Hr. Amsler unterzog sich,
im Einvcrständnisi mit der Unterzeichneten Verlagshandlung,
dieser Arbeit um so lieber, da indessen von Kopenhagen
aus an Thorwaldsen der Auftrag ergangen war, dieses Relief
in Marmor für das Schloß Christiansburg anSzuführc»,
und die Größe des zur Aufnahme desselben bestimmten Saa-
les eine bedentendc Erweiterung des Ganzen durch Einschal-
tung mehrerer ganz neuen Gruppen rind Figuren ndthig

Plastik.

Odessa. Hr. Krukoff, unter dessen Leitung in der
Krim»: die Vorarbeiten zur Bohrung artesischer Brunnen
ausgeführt werden, entdeckte im vorigen Jahre in den Ge-
birgen dieser Halbinsel unter anderen Steinarte» auch grau-
grünen Porphyr, aus welchem auf Befehl des Gcucralgon-
verneurs von Ncurußland und Bcssarabicn zwei Basen ver-
fertigt wurden, die man nach St. Petersburg schickte. Der
Kaiser befahl, sic in der Eremitage aufzubewahren.

persönliches.

Der Architekt Stier zu Berlin ist zum Professor bei
der kdnigl. allgemeinen Bauschule daselbst ernannt worden.

Verantwortlicher Redakteur: Dr. Schorn.

m. i .i ... "

gemacht hatte. Zwar dienten auch Hrn. Amsler die vor-
trefflichen Ovcrbccl'schcn Zeichnungen als Vorbilder für
die älteren Theilc, und nur nach den neuen wurden einige
Zeichnungen von italienischen Künstlern gefertigt; er wußte
aber, nach vertrauter Bekanntschaft mit dem plastischen Ori-
ginale, den Charakter desselben aus den zartesten Andeu-
tungen anfzusiudcn und durch den Grabstichel vor Angeu
zu bringen. Wie bekannt, ist scineBehandlung einfach, aber
höchst sorgfältig und kräftig, streng auf Form und Charak-
ter des Gegenstandes und die ausgcführtcstc Modcllirung des
Einzelnen gerichtet; lauter Eigenschaften, welche an diesen
Blätter» auf eine so ausgezeichnete Weise hcrvvrtrctcn,
baß der erste Blick des Kenners für die Vortrefflichkeit der
Leistung entscheiden wird. Wir dürfen daher wohl sagen,
daß wir hier dein Kunstfreund ein Werk darbiete», welches
eine ehrenvolle Stelle unter den besten cinnehmen und gleich
sehr dem Meister der dazu Veranlassung gab, wie dem, der
cs gefertigt, zur Ehre gereichen wird, als Erscheinung im
Gebiete der heutigen Kunstleistungcn aber von dem glück-
lichen Fortschreitcn einer in Deutschland verhältnißmäßig
nur wenig unterstützten Kunst gewiß ein höchst erfreuliches
Zcuguiß gibt. Für genügende Erläuterungen in verschiede-
nen Sprachen, sowie für angemessene typographische Aus-
stattung ist ebenfalls Sorge getragen worden.

München/im December. t85i.

' Literarisch-artistische Anstalt
der I. G. Cotta'sche'n Buchhandlung.

[729] Im Verlage der Anton Weber'fchcn Buchhand-
lung (I. Ba.yer) in München ist erschienen und durch
alle Buch- und Kunsthandlungen zu beziehen:

Bildniß Scincr Königlichen Hoheit

Maximilian,

Kronprinz von Bacycrn.

Nach der Natur l i t h o. g r ap h i r t

von

iraitj Hansist,ingel.

Pendant zu den bisher erschienenen Familien-Porträten.
Subscriptionsprcis: chiir. Pap. l Rthlr. z Gr, od. ist.-8 kr.

weiß Pap. i Rthlr. — ob. l ff, 21 kr.
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