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Nro. 17.

Kunst-Blatt.

Auf Müllers Grab.

Klagt um die Herrlichen nicht, auf kühnlich eroberter

Fahne

Unter dem Jubel des Siegs öffnend die Wunde des

Tods!

Weinet dem Schwane nicht nach, wenn süßen Gesang er

gefunden.

Und zur Heimath nun strebt — Also vollbracht hat auch

Er!

Mit der verklärten Madonna entschwebte der Geist zu den

Sternen,

Was in uns athmet, blieb weilend auf Tage zurück.

Bis auch sie, die Seele, geläutert in Flamme des Lei-
dens

Sehnend dem Führer sich nach auch zu der Herrlichkeit

schwang.

Fr. K.

W. Tischbein's Gemühlde für's Hambur-
ger Stadthau S-

Es macht dem patriotischen, in neuester Zeit sich stets
gleich bleibenden, ächten deutschen Bürgersinn der Bewoh-
ner und Oberbehvrden Hamburgs Ehre, daß sie den großen
Begebenheiten dieser verhängnißvvllen aus Schmach und Er-
niedrigung rettenden Zeit auch ein Denkmal der Kunst zu
weihen beschlossen. Der Veteran Wilhelm Tischbein,
erst den Revolutionsstürmen Italiens entronnen, Lava-
tersundHamilton's Freund, dem Europa durch sein Va-
senwerk und seinen Homer in Bildern so manche kräftige Er-
tveckung zur Zurückkehr — ins alte klassische Land, verdankt,
erhielt von Hamburg den ehrenvollen Auftrag, den großen
Augenblick, da am zi. May 1814 durch Bennigsen's
Einzug in Hamburg die Wiederherstellung der Frepheit und
alten Verfassung dieser großherzigen Hansestadt auf immer
gesichert wurde, in einem Prozefsionsstück mit Figuren in Le-
bensgröße zu verherrlichen. Die Aufgabe ist gelöst und das
Bild wird eben jetzt den hochgespannten Erwartungen der
Bewohner Hamburgs ein Gegenstand mannigfaltiger Beur-
theilungen, Kritiken, Erörterungen, wie es die Natur ei-
nes solchen Denkmals mit sich bringt, *) und, wenn nur
die Herren Gelbschnabel und Haberecht sich nicht davor
stellen, der Kunst stets zum Besten gereicht.

Ti sch b e i n ging bey der Bearbeitung dieses Gegenstan-
des, den manhöchstens nur zu den artistischgleichgültigen rech-
nen kann, aus seinem Lieblingskreis heraus. Seine Hele-

Eine vorläufige Anzeige gibt Tischbeins jetziger Mit-
bürger zu Eutin, der edle G. A. v 0 u Hule m im H a m-
burger Morgenblatte iZiü vom 8. Juny Nr. 6g.

j tut, seine Cassandra, sein Hector und Andromache, umfassen
immer nur eine einzige Gruppe aus dem Alterthum, das
gleichsam mit stehenden Typen uns anspricht, und selbst sein
Jesus, der die Kinder um sich versammelt, ergriff mehr durch
einfache Zusammenstellung und durch Ausdruck, als durch
die Menge der Kinder und Mütter, die doch reichlich genug
herum gestellt waren. Indeß war das Charakteristische der
Thiere, besonders in der von ihm so geistreich und oft in
ganzen Cyclen behandelten Thiersabel, stets sein Lieblings-
studium gewesen. **) Auch Nationalphpsiognomien und der
Contrast unverbildeter Naturmenschen mit europäischer Ver-
feinerung war stets von ihm mit besonderer Aufmerksamkeit
aufgegriffen und dargestellt worden, Nun sitzt auf diesem
Bilde alles zu Pferde und Tischbein fand demnach hier
die erwünschteste Gelegenheit, die kräftigsten Contouren-
naturen ins moderne Leben überzutragen. Baschkiren, Ko-
saken, Kalmücken und die fernsten Nationen Asiens konn-
ten hier als dienende Figuren und Umgebungen in reichster
Mannigfaltigkeit angebracht werden. Der Mahler hat beyde
Vortheile als Meister zu benutzen verstanden.

Der Sieger chey Eylau, den Befreper Hamburgs,
Bennigsen, sollte durch das Gemählde besonders geehrt
werden. Es ist der Moment gewählt worden, wo der kom*
mandirende Feldherr reitend auf seinem Circassier, der durch
nervigen Körperbau und eine sanft röthelnde Perlenfarbe her.
vorgehoben gleichsam den Mittelpunkt bildet, sich mit sei-
nem'Chef des Generalstabs, dem General Oppermann,
und dem Gencralquartiermeister von Berg unterredet und
von der ganzen Generalität zu Pferde in den mahlerischsten
Stellungen umgeben, den Einzug in die Stadt, die im Glanze
der ihre Thürme vergvldenen Morgensonne im Hintergrün-
de hervorblickt, ordnet und anbefichlt. Zwischen den Gene-
ralen, die als Portraitfiguren Jeder sogleich wieder erkennt,
blicken überall in wählerischer Wildheit asiatische Rational-
physivgnomieen hervor. Damit einKalmuck nicht fehle, hatte
Bennigsen einen besonders dazu nach Hamburg beschicden.
Ein alter donischer Kosak mit großem, braunem Bart, der
die vorderste Hauptgruppe schließet, zieht unter allen Neben-
figuren am meisten die Aufmerksamkeit auf sich.

Und wenn einst die Zeit den hier abgebildeten Helden-
gruppen auch alles Juteresse abgestreift hätte, so wird das
Bild doch auch wegen seiner großen weltgeschichtlichen Ver-
anlassung und wegen der herrlichen Pferde, in welchen T i sch-

*) Lange warten schon alle Unterrichtete mit Ungeduld auf
seine geistreiche Thierfabel: Geburt, Leben und Tod der

EselS.
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