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dein sich hier ein unvergängliches Denkmal gestiftet hat,
ein wahres Galleriebild bleiben. Hiebe» kam es dem Mei-
ster wohl zu Statten, daß der Grvßherzog von Oldenburg in
Eutin dem rastlosen Künstler mit seinem Marstall voll Pferde
der schönsten persianischen Race aufs bereitwilligste zu Hülfe
kam, und so die regste Phantasie mit der lebendigsten Wirk-
lichkeit vermahlte.
Der denkende Künstler zeigt sich selbst in dem kleinsten
Beywerke. So wenig es sich hervordrängt, so gewiß liegt
doch deutungsvolle Beziehung aufs Ganze dann. Aus dem
baumlosen Vordergrund, den Davousts Pesthauch ver-
sengte? so wie in Arabien der Samiel, blühen hier und da
ausländische Gartenblumen hervor, deren Wurzeln doch nicht
ganz ausgerottet wurden. Dort ragen die Zweige eines im
Winter abgehauenen Apfelbaums über einer angebrannten
Eiche hervor. Mit der ihm noch inwohnenden Lebenskraft
treibt er jetzt— eine Erscheinung, die sich damals öfter in Ham-
burgs verwüsteten Gartenanlagen zeigte —in der Blüthenzeit
frische Blüthen hervor, willkommene Verkündigerinnen eines
neu erblühenden Wohlstandes für diese Verödung.
Doch wir dürfen mit Gewißheit hoffen, daß über dieß
Gemälde, dessen Daseyn hier blos angekündigt werden soll,
aus Hamburg selbst auch für diese Kunstblätter ein ausführ-
licher Bericht eines unbefangenen Kenners eingesandt wer-
den wird, dem wir am wenigsten vorzugreifen Lust haben.
Nur zwey Anfragen dürfen hier noch unbedenklich her-
vortreten. Die erste betrifft die patriotische Absicht dieses
Bildes. Hamburg ehrt sich selbst, indem es die Morgen-
röthe seiner politischen Wiedergeburt, den Sonnenaufgang
seiner Befreyung so ehrt. Aber auch andere Gauen und Haupt-
städte Deutschlands deutscher Zunge erlebten dieß Heil, waren
Augenzeugen großer Begebenheiten. Wo wird jetzt der Pin-
sel, wo der Meisel, wo der Grabstichel mit ähnlichen, des
deutschen Volkes würdigen Gegenständen beschäftigt? Wel-
che Kunstakademien haben durch Preisausgaben, welche Aus-
stellungen durch Preisleistungen die schöne Zeit bewillkvmmt
und gefeyert? Bleiben vielleicht auch diese sprachlosen und
doch alle Beredsamkeit durch sinnlichere Anschauung weit
überbietenden Lobpreisungen und Hymnen aufs große Natio-
nalkonvent am Frankfurter Bundestag vertagt! Jetzt oder nie!
Später ist schon alle Porträtähnlichkeit unmöglich!
Zweitens: Der wackere Schöpfer jenes patriotischen
Gemahldes, Wilhelm Tischbein, ist im Besitz eines un-
schätzbaren Reichthums von Kupfertafeln, die einst in mehr
als einem Frachtwagen von Kassel nach Eutin wanderten und
nun in der Wohnung des Künstlers, der ihrer Hervorbringung
in Neapel Jahrelang seine ganze Kraft weidete, in Kisten
eingepackt eine lang ersehnte Entkerkerung, einen fröhli-
chen Tuba-Ruf: Stehet zum zweytenmale auf aus den Grä-
bern, erwarten. Wer nur irgend einige Kenntniß von dem
besitzt, was in den letzten 5o Jahren für Wiederbelebung
der Kunst aus dem klassischen Alterthum geschah, weiß zur
Genüge, daß wir dem wackern Direktor Tischbein die
genauen Umrisse der zweyten Hami ltonschen Vasensamm-
lung, die aus dem Meeresschlund gerettet sich jetzt größten-
theils in London in der Kunsthalle des reichen Hope befin-
det, in vier Großfolivbanden verdanken, und daß diese alle
zusammen 260 Kupfertafeln umfassen. Nur die ersten zwey
Bande dieses Kunstwerkes sind von Neapel aus in Kunst-
und Büchersammlungen übergegangen. Die zwey letzten sind
durch Zeitverhältnisse gehemmt und äußerst selten ausgeflo-
gen. Seit 8 Jahren ist nirgends ein neues Eremplar dieser
Sammlung zu haben gewesen. Das ganze Werk war auf
6 Bande berechnet. 118 von Tischbein noch gar nicht
edirte, aber von ihm und unter seinen Augen gestochene,
Kupfertafeln liegen fertig und können alle Tage abgedruckt
und verkheilt werden. Sein zweptes Hauptwerk ist seine
HomerischeGallerie in lauter Abbildungen nach der Antike. Mit
des ehrwürdigen Heyne Erklärung ausgestattet sind in 6 Hef-
ten 72 Kupfertafeln davon erschienen; 28, worunter die ganz neu
gezeichnete tabula iiiaca vom Kapitol, sind noch nicht her-
ausgegeben. Außerdem ist noch ein sehr bedeutender Vor-
rath von vollendeten Vasenzeichnnngen, die nur den Stich
erwarten , und von Antiken aus dem Trojanisch - hellenischen
Cpclus in den Händen des Künstlers, die natürlich auch die
Fülle dieses Kunstschatzes vermehren. Was soll nun werden
mit allen diesen Herrlichkeiten? Der Künstler, dem ledes
andere Organ eher zu Theil wurde, als das Erwerb-Organ,
mag damit nicht auf den Markt treten, noch mit einzelnen
Unternehmern und Herausgebern sich in Verbindung setzen.
Soll sie also ungenutzt, vergraben liegen bleiben? Das ver-
hüte der gute Genius der Kunst! Der Sammler und Er-
zeuger dieser Werke, der Resultate seines 30 jährigen Le-
bens in Italien, wo sich die günstigsten Gelegenheiten nur
einmal so zusammen fanden, ist glücklicher Vater einer zahl-
reiche und größtentheils noch unerzogenen Familie. Eine auf
diese auszudehnende, gar nicht unbillige Leibrente ist der
Preis, um welchen Tischbein am liebsten einem knnstlie-
benden deutschen Fürsten oder einer deutschen Kunstakademie
sie ablaffen möchte. Wie könnte sie fruchten und wuchern in
verständigen Händen!
Böttiger.
Ueber Guido von Fiesole, in Beziehung
auf Kunst im Allgemeinen.
Die Beschäftigung mit Kunstwerken lockt uns immer in's
Innere des Menschen, wie sollte es nicht auch anziehend
seyn, recht eigentlich in das Leben und zwar eines recht
innigen Menschen, wie es Guido von Fiesole war,
emzugehen; wäre es nur um zu versuchen, ob wir ein Kunst-
werk von der Quelle brs zum Ausfluß beobachten köunten.
dein sich hier ein unvergängliches Denkmal gestiftet hat,
ein wahres Galleriebild bleiben. Hiebe» kam es dem Mei-
ster wohl zu Statten, daß der Grvßherzog von Oldenburg in
Eutin dem rastlosen Künstler mit seinem Marstall voll Pferde
der schönsten persianischen Race aufs bereitwilligste zu Hülfe
kam, und so die regste Phantasie mit der lebendigsten Wirk-
lichkeit vermahlte.
Der denkende Künstler zeigt sich selbst in dem kleinsten
Beywerke. So wenig es sich hervordrängt, so gewiß liegt
doch deutungsvolle Beziehung aufs Ganze dann. Aus dem
baumlosen Vordergrund, den Davousts Pesthauch ver-
sengte? so wie in Arabien der Samiel, blühen hier und da
ausländische Gartenblumen hervor, deren Wurzeln doch nicht
ganz ausgerottet wurden. Dort ragen die Zweige eines im
Winter abgehauenen Apfelbaums über einer angebrannten
Eiche hervor. Mit der ihm noch inwohnenden Lebenskraft
treibt er jetzt— eine Erscheinung, die sich damals öfter in Ham-
burgs verwüsteten Gartenanlagen zeigte —in der Blüthenzeit
frische Blüthen hervor, willkommene Verkündigerinnen eines
neu erblühenden Wohlstandes für diese Verödung.
Doch wir dürfen mit Gewißheit hoffen, daß über dieß
Gemälde, dessen Daseyn hier blos angekündigt werden soll,
aus Hamburg selbst auch für diese Kunstblätter ein ausführ-
licher Bericht eines unbefangenen Kenners eingesandt wer-
den wird, dem wir am wenigsten vorzugreifen Lust haben.
Nur zwey Anfragen dürfen hier noch unbedenklich her-
vortreten. Die erste betrifft die patriotische Absicht dieses
Bildes. Hamburg ehrt sich selbst, indem es die Morgen-
röthe seiner politischen Wiedergeburt, den Sonnenaufgang
seiner Befreyung so ehrt. Aber auch andere Gauen und Haupt-
städte Deutschlands deutscher Zunge erlebten dieß Heil, waren
Augenzeugen großer Begebenheiten. Wo wird jetzt der Pin-
sel, wo der Meisel, wo der Grabstichel mit ähnlichen, des
deutschen Volkes würdigen Gegenständen beschäftigt? Wel-
che Kunstakademien haben durch Preisausgaben, welche Aus-
stellungen durch Preisleistungen die schöne Zeit bewillkvmmt
und gefeyert? Bleiben vielleicht auch diese sprachlosen und
doch alle Beredsamkeit durch sinnlichere Anschauung weit
überbietenden Lobpreisungen und Hymnen aufs große Natio-
nalkonvent am Frankfurter Bundestag vertagt! Jetzt oder nie!
Später ist schon alle Porträtähnlichkeit unmöglich!
Zweitens: Der wackere Schöpfer jenes patriotischen
Gemahldes, Wilhelm Tischbein, ist im Besitz eines un-
schätzbaren Reichthums von Kupfertafeln, die einst in mehr
als einem Frachtwagen von Kassel nach Eutin wanderten und
nun in der Wohnung des Künstlers, der ihrer Hervorbringung
in Neapel Jahrelang seine ganze Kraft weidete, in Kisten
eingepackt eine lang ersehnte Entkerkerung, einen fröhli-
chen Tuba-Ruf: Stehet zum zweytenmale auf aus den Grä-
bern, erwarten. Wer nur irgend einige Kenntniß von dem
besitzt, was in den letzten 5o Jahren für Wiederbelebung
der Kunst aus dem klassischen Alterthum geschah, weiß zur
Genüge, daß wir dem wackern Direktor Tischbein die
genauen Umrisse der zweyten Hami ltonschen Vasensamm-
lung, die aus dem Meeresschlund gerettet sich jetzt größten-
theils in London in der Kunsthalle des reichen Hope befin-
det, in vier Großfolivbanden verdanken, und daß diese alle
zusammen 260 Kupfertafeln umfassen. Nur die ersten zwey
Bande dieses Kunstwerkes sind von Neapel aus in Kunst-
und Büchersammlungen übergegangen. Die zwey letzten sind
durch Zeitverhältnisse gehemmt und äußerst selten ausgeflo-
gen. Seit 8 Jahren ist nirgends ein neues Eremplar dieser
Sammlung zu haben gewesen. Das ganze Werk war auf
6 Bande berechnet. 118 von Tischbein noch gar nicht
edirte, aber von ihm und unter seinen Augen gestochene,
Kupfertafeln liegen fertig und können alle Tage abgedruckt
und verkheilt werden. Sein zweptes Hauptwerk ist seine
HomerischeGallerie in lauter Abbildungen nach der Antike. Mit
des ehrwürdigen Heyne Erklärung ausgestattet sind in 6 Hef-
ten 72 Kupfertafeln davon erschienen; 28, worunter die ganz neu
gezeichnete tabula iiiaca vom Kapitol, sind noch nicht her-
ausgegeben. Außerdem ist noch ein sehr bedeutender Vor-
rath von vollendeten Vasenzeichnnngen, die nur den Stich
erwarten , und von Antiken aus dem Trojanisch - hellenischen
Cpclus in den Händen des Künstlers, die natürlich auch die
Fülle dieses Kunstschatzes vermehren. Was soll nun werden
mit allen diesen Herrlichkeiten? Der Künstler, dem ledes
andere Organ eher zu Theil wurde, als das Erwerb-Organ,
mag damit nicht auf den Markt treten, noch mit einzelnen
Unternehmern und Herausgebern sich in Verbindung setzen.
Soll sie also ungenutzt, vergraben liegen bleiben? Das ver-
hüte der gute Genius der Kunst! Der Sammler und Er-
zeuger dieser Werke, der Resultate seines 30 jährigen Le-
bens in Italien, wo sich die günstigsten Gelegenheiten nur
einmal so zusammen fanden, ist glücklicher Vater einer zahl-
reiche und größtentheils noch unerzogenen Familie. Eine auf
diese auszudehnende, gar nicht unbillige Leibrente ist der
Preis, um welchen Tischbein am liebsten einem knnstlie-
benden deutschen Fürsten oder einer deutschen Kunstakademie
sie ablaffen möchte. Wie könnte sie fruchten und wuchern in
verständigen Händen!
Böttiger.
Ueber Guido von Fiesole, in Beziehung
auf Kunst im Allgemeinen.
Die Beschäftigung mit Kunstwerken lockt uns immer in's
Innere des Menschen, wie sollte es nicht auch anziehend
seyn, recht eigentlich in das Leben und zwar eines recht
innigen Menschen, wie es Guido von Fiesole war,
emzugehen; wäre es nur um zu versuchen, ob wir ein Kunst-
werk von der Quelle brs zum Ausfluß beobachten köunten.



