Nro. 21
Kunst-Blatt.
Chronologisches Verzeichrstß sämtlicher von dem
verewigten Professor J oh. Fr. Wm. Müller
ln Kupfer gebrachten Werke, nebst Anhang von
einigen hinterlassenen Zeichnungen desselben.
Kunstliebhabern und Sammlern ist in diesen Blättern
ein Verzeichniß der Arbeiten des verewigten Professors
Müller versprochen worden, das verschiedene Umstande
aufgehalten haben, jetzt aber umso vollständiger, und zwar
wie wir glauben, ganz vollständig geliefert wird. Zugleich
wird der Preis der Abdrücke und der Ort, wo sie zu finden
sind, beygefügt. Was in des Künstlers eigenem Verlag er-
schien, ist mit den Buchstaben E. V. bezeichnet und kann
durch den Vater des Verstorbenen, den Herrn Professor-
Gotthard von Müller in Stuttgart, geliefert werden,
wo auch noch einzelne wenige Abdrücke von solchen Platten,
die nicht eigentlich für den Kunfthandel bestimmt waren, um
den ausgesetzten Preis vorräthig sind.
Bey neuern Nachforschungen hat es sich gezeigt, daß
unser Künstler in seiner früher» Jugend zwey kleine Copien
als Vorübung gestochen hat, die bisher gar nicht bekannt
waren und doch für jeden, der an der Bildungs-Geschichte
desselben theil nimmt, ein großes Interesse haben werden.
Diese sind:
Ein Genius, — nach Golzius, aus dem bekannten
Blatt: Galathea . . . E. D. — 24 kr.
und
Ein Genins, nach Edelink. . E. V. — 24 kr.
Hierauf folgten die zwey größer« Copien, die bisher für
seine ersten Versuche galten, und ferner dafür gelten mögen,
da sie wenigstens die ersten Platten von einigem Umfang wa-
ren, nämlich:
Das Bildniß von Desjardins nach Ede-
link .E. V. — 54 kr.
und
Oes qualre Saisons nach Macret, wo Müller
zum erstenmal die Nadir-Nadel bey der Anlage ver-
suchte. 2m Frauenh o lz'fchen Verlag in Nürn-
berg. . ... . . . i fl. i2 kr.
Ein Mehreres hat Müller nicht kopirt; denn jetzt
fühlte sich sein ausgezeichneter und schnellreifender Kunstgeist
schon stark genug, ein Gemählde aus sich selbst in Kupfer
überzutragen. Die erste Probe hievon war:
Das Bildniß von Hufeland; nach Tischbein;
im Frauen holz' schen Verl, zu Nürnberg 3 fl. 36 kr.
Hierauf unternahm er und führte mit vieler Mühe zu
Paris aus:
Das Bildniß des verstorbenen Herrn Hof-
Kammerraths Notter für die Familie desselben
und nicht für den Kunsthandel bestimmt; wenige Ab-
drücke davon sind noch vorahnden m E. V. ä 2 fl. 24 kr.
Müllers Grabstichel wurde nun in Paris bekannt,
und der Herausgeber des großen Kupferwerks: Musee de
Paris suchte ihn zum Mitarbeiter zu gewinnen, was um so
ehrenhafter ist, als bekanntlich nur die besten Kupferstecher
gewählt wurden. Für dieses Werk stach er:
Venus d’Arles, nach der antiken Marmor-Statue
im französischen Museum. Da aber keine einzelne Ab-
drücke aus diesem Kupferwerk verkauft werden, so wird
es schwer seyn, sich einen derselben zu verschaffen, wenn
die wenige, welche dem Stecher gehörten, vergriffen seyn
werden. Diese finden sich in E. V. . «3 fl.
Wie sehr aber der Verleger mit der Arbeit des jungen
Künstlers zufrieden war, beweist der Umstand, daß er,
R0billard, um seinen Freund Le Masson zu ehren,
Müllern den Auftrag gab, eine marmorne Statue dessel-
ben in Kupfer zu bringen. Diese erschien unabhängig von
jenem Werk unter dem Namen:
La Jeunesse; mit einem besonder« und sehr glänzend
gedruckten Programm unter dem Titel: La Jeunesse, sta-
tue e-n marbre de cinq pieds de propcrtion par Mr.
Francois Lemasson, membre de la Legion d’hon.-
neur. Dieses Bild muß an sich ein sehr gefälliges Bild
seyn, das dem Erfinder Ebre macht; die Arbeit deS
Kupferstechers ist aber nicht weniger vortrefflich und
verdient essehr, ausgesucht und bewahrt zu werden, da
sie als Muster für die Behandlung des Marmors durch
den Grabstichel angesehen werden kann.
Dieses Blatt wird verwuthlich noch in dem französischen
Kunsthandel zu finden seyn, da es einzeln ausgegeben
wurde. Wenige Abdrücke, die Eigenthum des Ste-
chers waren, sind zu haben in E. V. . ä 4 fl. 48 kr.
Nach dieser Arbeit beschäftigte unfern Künstler:
Das Bildniß des Kronprinzen (jetzigen Königs)
von Württemberg, das er in Paris selbst nach
dem Leben zeichnete und in einem glanzend - reinen
Stich ausgeführt hat. E. V. ° . «4 fl.
Hierauf folgte:
Der h. Johannes, nach Domenichino, mit der
Unterschrift: „Da gerieth ich am Tage des Herrn in
erne Entzückung und hörte hinter mir eine Stimme
t
Kunst-Blatt.
Chronologisches Verzeichrstß sämtlicher von dem
verewigten Professor J oh. Fr. Wm. Müller
ln Kupfer gebrachten Werke, nebst Anhang von
einigen hinterlassenen Zeichnungen desselben.
Kunstliebhabern und Sammlern ist in diesen Blättern
ein Verzeichniß der Arbeiten des verewigten Professors
Müller versprochen worden, das verschiedene Umstande
aufgehalten haben, jetzt aber umso vollständiger, und zwar
wie wir glauben, ganz vollständig geliefert wird. Zugleich
wird der Preis der Abdrücke und der Ort, wo sie zu finden
sind, beygefügt. Was in des Künstlers eigenem Verlag er-
schien, ist mit den Buchstaben E. V. bezeichnet und kann
durch den Vater des Verstorbenen, den Herrn Professor-
Gotthard von Müller in Stuttgart, geliefert werden,
wo auch noch einzelne wenige Abdrücke von solchen Platten,
die nicht eigentlich für den Kunfthandel bestimmt waren, um
den ausgesetzten Preis vorräthig sind.
Bey neuern Nachforschungen hat es sich gezeigt, daß
unser Künstler in seiner früher» Jugend zwey kleine Copien
als Vorübung gestochen hat, die bisher gar nicht bekannt
waren und doch für jeden, der an der Bildungs-Geschichte
desselben theil nimmt, ein großes Interesse haben werden.
Diese sind:
Ein Genius, — nach Golzius, aus dem bekannten
Blatt: Galathea . . . E. D. — 24 kr.
und
Ein Genins, nach Edelink. . E. V. — 24 kr.
Hierauf folgten die zwey größer« Copien, die bisher für
seine ersten Versuche galten, und ferner dafür gelten mögen,
da sie wenigstens die ersten Platten von einigem Umfang wa-
ren, nämlich:
Das Bildniß von Desjardins nach Ede-
link .E. V. — 54 kr.
und
Oes qualre Saisons nach Macret, wo Müller
zum erstenmal die Nadir-Nadel bey der Anlage ver-
suchte. 2m Frauenh o lz'fchen Verlag in Nürn-
berg. . ... . . . i fl. i2 kr.
Ein Mehreres hat Müller nicht kopirt; denn jetzt
fühlte sich sein ausgezeichneter und schnellreifender Kunstgeist
schon stark genug, ein Gemählde aus sich selbst in Kupfer
überzutragen. Die erste Probe hievon war:
Das Bildniß von Hufeland; nach Tischbein;
im Frauen holz' schen Verl, zu Nürnberg 3 fl. 36 kr.
Hierauf unternahm er und führte mit vieler Mühe zu
Paris aus:
Das Bildniß des verstorbenen Herrn Hof-
Kammerraths Notter für die Familie desselben
und nicht für den Kunsthandel bestimmt; wenige Ab-
drücke davon sind noch vorahnden m E. V. ä 2 fl. 24 kr.
Müllers Grabstichel wurde nun in Paris bekannt,
und der Herausgeber des großen Kupferwerks: Musee de
Paris suchte ihn zum Mitarbeiter zu gewinnen, was um so
ehrenhafter ist, als bekanntlich nur die besten Kupferstecher
gewählt wurden. Für dieses Werk stach er:
Venus d’Arles, nach der antiken Marmor-Statue
im französischen Museum. Da aber keine einzelne Ab-
drücke aus diesem Kupferwerk verkauft werden, so wird
es schwer seyn, sich einen derselben zu verschaffen, wenn
die wenige, welche dem Stecher gehörten, vergriffen seyn
werden. Diese finden sich in E. V. . «3 fl.
Wie sehr aber der Verleger mit der Arbeit des jungen
Künstlers zufrieden war, beweist der Umstand, daß er,
R0billard, um seinen Freund Le Masson zu ehren,
Müllern den Auftrag gab, eine marmorne Statue dessel-
ben in Kupfer zu bringen. Diese erschien unabhängig von
jenem Werk unter dem Namen:
La Jeunesse; mit einem besonder« und sehr glänzend
gedruckten Programm unter dem Titel: La Jeunesse, sta-
tue e-n marbre de cinq pieds de propcrtion par Mr.
Francois Lemasson, membre de la Legion d’hon.-
neur. Dieses Bild muß an sich ein sehr gefälliges Bild
seyn, das dem Erfinder Ebre macht; die Arbeit deS
Kupferstechers ist aber nicht weniger vortrefflich und
verdient essehr, ausgesucht und bewahrt zu werden, da
sie als Muster für die Behandlung des Marmors durch
den Grabstichel angesehen werden kann.
Dieses Blatt wird verwuthlich noch in dem französischen
Kunsthandel zu finden seyn, da es einzeln ausgegeben
wurde. Wenige Abdrücke, die Eigenthum des Ste-
chers waren, sind zu haben in E. V. . ä 4 fl. 48 kr.
Nach dieser Arbeit beschäftigte unfern Künstler:
Das Bildniß des Kronprinzen (jetzigen Königs)
von Württemberg, das er in Paris selbst nach
dem Leben zeichnete und in einem glanzend - reinen
Stich ausgeführt hat. E. V. ° . «4 fl.
Hierauf folgte:
Der h. Johannes, nach Domenichino, mit der
Unterschrift: „Da gerieth ich am Tage des Herrn in
erne Entzückung und hörte hinter mir eine Stimme
t



