Nro. r
Kunst -Blatt.
Danneckers Ariadne.
Mit 4 Kupfern: Umrisse nach dieser Gruppe
von
I. F. W. Müller.
Unser Kunstblatt bringt den verehrten Lesern zum freundlichen Angebinde für das neue Jahr, dem
Jahr der Hoffnung und Erwartung für Alle und Alles, was bisher noch unter der eisernen Hand des Ver-
hängnisses geseufzct hat, eine Gabe, die ihnen gewiß angenehm, und als Beweis, daß auch harte Zeiten
noch Schönes gebaren, besonders werth sepn wird: nämlich eine möglichst getreue Abbildung von Dan-
neckers Ariadne, wie sie noch Müller, der seltene Zeichner und Stecher (dessen frühen Tod
wir leider vor Kurzem beklagen mussten) gefasst und mittheilbar gemacht hat.
Dieses ächte Kunstwerk ist nicht nur dem Namen nach bereits dem gebildeten Europa bekannt; nein,
es ist schon von so vielen Kennern aus allen Nationen, von Kaisern und Königen, und von unzähligen
Neugierigen des Inn - und Auslandes in der Werkstätte des Künstlers besucht, geprüft und nach Würden
gerühmt worden: und in so fern bieten wir nichts Neues. Aber wem sollte nicht die Wicdcr-
Erinnerung angenehm, — und wem die nähere Ansicht nicht lieb sepn, wenn er weder Zeit noch Ge-
legenheit gehabt hat, das selbst zu sehen, was von Andern so oft und so laut gepriesen wurde? Ein sol-
ches Bild gibt nicht jeder Tag und nicht jedes Land, und deßwegen gehört es der Zeit und der Welt
überhaupt an; aber welches Jahr und welches Volk würde sich nicht freuen, aus seiner Mitte einen Bep-
trag zu stiften, der in der Kunst-Geschichte Epoche machen muß!
Wir sagen es mit bescheidenem Stolz: Es ist, — das rohe Material abgerechnet,^ durchaus ein
deutsches Werk, vor unfern Augen entstanden und ansgeführt. Aber unter welchen Umständen? Mit-
ten unter dem Wechsel von Kriegen und Frieden, und auf einem Boden, dem der weniger begabte Künst-
ler so gern die Unfruchtbarkeit zuschiebt. Allein, der große Kuust-Geist zeugt immer und überall. Der
erste Gedanke zu dieser so berühmt gewordenen Ariadne wurde um das Jahr 1804 in Stuttgart gefasst und
entworfen. Eilf Monate später war schon das große Modell fertig. Unbekümmert um die Stürme von
außen ging der Künstler seinen Gang ruhig und festen Schrittes vorwärts, und als er das Werk so weit
vollendet hatte, überließ er cs der Beurtheilung von Freunden und Feinden.
Wir dürfen cs um der Geschichte willen nicht übergehen, daß unter dem Drang der damaligen Ver-
hältnisse dieses Bild von Oben zwar Bcyfall, aber keine weitere Unterstützung fand; daß es von der
nächsten einheimischen Umgebung erkannt und bewundert, — aber auch, daß es von Fremdlingen ganz ge-
Kunst -Blatt.
Danneckers Ariadne.
Mit 4 Kupfern: Umrisse nach dieser Gruppe
von
I. F. W. Müller.
Unser Kunstblatt bringt den verehrten Lesern zum freundlichen Angebinde für das neue Jahr, dem
Jahr der Hoffnung und Erwartung für Alle und Alles, was bisher noch unter der eisernen Hand des Ver-
hängnisses geseufzct hat, eine Gabe, die ihnen gewiß angenehm, und als Beweis, daß auch harte Zeiten
noch Schönes gebaren, besonders werth sepn wird: nämlich eine möglichst getreue Abbildung von Dan-
neckers Ariadne, wie sie noch Müller, der seltene Zeichner und Stecher (dessen frühen Tod
wir leider vor Kurzem beklagen mussten) gefasst und mittheilbar gemacht hat.
Dieses ächte Kunstwerk ist nicht nur dem Namen nach bereits dem gebildeten Europa bekannt; nein,
es ist schon von so vielen Kennern aus allen Nationen, von Kaisern und Königen, und von unzähligen
Neugierigen des Inn - und Auslandes in der Werkstätte des Künstlers besucht, geprüft und nach Würden
gerühmt worden: und in so fern bieten wir nichts Neues. Aber wem sollte nicht die Wicdcr-
Erinnerung angenehm, — und wem die nähere Ansicht nicht lieb sepn, wenn er weder Zeit noch Ge-
legenheit gehabt hat, das selbst zu sehen, was von Andern so oft und so laut gepriesen wurde? Ein sol-
ches Bild gibt nicht jeder Tag und nicht jedes Land, und deßwegen gehört es der Zeit und der Welt
überhaupt an; aber welches Jahr und welches Volk würde sich nicht freuen, aus seiner Mitte einen Bep-
trag zu stiften, der in der Kunst-Geschichte Epoche machen muß!
Wir sagen es mit bescheidenem Stolz: Es ist, — das rohe Material abgerechnet,^ durchaus ein
deutsches Werk, vor unfern Augen entstanden und ansgeführt. Aber unter welchen Umständen? Mit-
ten unter dem Wechsel von Kriegen und Frieden, und auf einem Boden, dem der weniger begabte Künst-
ler so gern die Unfruchtbarkeit zuschiebt. Allein, der große Kuust-Geist zeugt immer und überall. Der
erste Gedanke zu dieser so berühmt gewordenen Ariadne wurde um das Jahr 1804 in Stuttgart gefasst und
entworfen. Eilf Monate später war schon das große Modell fertig. Unbekümmert um die Stürme von
außen ging der Künstler seinen Gang ruhig und festen Schrittes vorwärts, und als er das Werk so weit
vollendet hatte, überließ er cs der Beurtheilung von Freunden und Feinden.
Wir dürfen cs um der Geschichte willen nicht übergehen, daß unter dem Drang der damaligen Ver-
hältnisse dieses Bild von Oben zwar Bcyfall, aber keine weitere Unterstützung fand; daß es von der
nächsten einheimischen Umgebung erkannt und bewundert, — aber auch, daß es von Fremdlingen ganz ge-



