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K u n st -
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U^ber ein Relief vom Apollotempel zu
Phigalia.
Es ist wohl ans jeden Fall noch zu voreilig, über die viel-
besprochenen Das - Reliefs der Tempelfriesen von phigalia,
die einst, wenn günstige Zeiten und Parliamentsdewilligun-
gen die Ausstellung erlauben, die Zierde des brittischen
Museums machen werden, früher ein bestimmtes Urtheil
zu sällen oder über die einzelnen Particen der daraufabgebilde-
ten Centauren - und Amazonenkämpfe autiquariKl) - artistische
Ausdeutungen zu versuchen. Wir müssen uns durchaus ge-
dulden, bis die eigentlichen Entdecker und ursprünglichen Be-
sitzer di-leö herrlichen Fundes mit ihren eigenen Zeichnungen
in treuen Kupferstichen hervortrctcu werden. Da, den neue-
sten Nachrichten zufolge, die sämmtliche» Reisegefährten,
BaronOtto vvnStackelbergaus Lievland, Professor
Bronstedt aus Kopenhagen, Baron Haller von Hal-
lcrstein aus Nürnberg undHr. Cvckercll aus England
nun wirklich in Nom nach ajähriger Zerstreuung wieder zu-
sammen gekommen sind, um ihre sämmtliche Reiseausbeute
aus ihren Tagebüchern und Portefeuilles nach einem ganz
neuen Plan zu ordnen, und in Rom durch die geschicklcsten
Kupferstecher und mit aller Pracht der Fulgonischen Offizin
herauszugeben, so kann eine solche Gednltsprobe nicht mehr
lange dauern. Wie bedenklich es ist, jetzt schon nach dem,
was uns davon in Nachbildungen vor's Auge gebracht wor-
den ist, fick) ein erklärendes Kunsturtheil zu gestalten, mag
folgender Umstand beweisen. In der nachHr. Wagners
in Korfu eilfertig entworfenen Zeichnung von dem braven
Meklenburgischen Kupferstecher Rusch weih *) in Rom
gestochenen Abbildungen dieses Reliefs, die nicht nur in
*) Dieser nicht blos versprechende, sondern schon leistende
Künstler verdient gewiß auch in Deutschland noch mehr
gekannt und von da ans in Rom aufgemuntcrt zu wer-
den. Wir kennen ihn durch ein in kräftiger Linienma-
nicr sehr brav und i in Sinn des G e in ä h l d e s ans-
gefübrtcs großes Blatt von 181z, aus dem Leben des
heiligen Nilus inD o m in i ch i n v's berühmtem Bilderkreis
in Grotra Ferrata (S. Ranidohr HI- z?i.) Die Hei-
' lung eines besessenen Knaben durch den Anblick eines
Madonncnbildcs aufdas Gebot des Heiligen. ES gehört
in Absicht auf Verständlichkeit und Ausdruck in de» Ge-
sichtern zu den vorzüglichsten. — Neuerlich beschäftigte
5-
B
1 7-
einer eigenen Sammlung von Contorni mit einem kurzen
italienischen Tert in Querfolio jetzt'nach allen Gegenden
Deutjchlands ausgewaudert, soudernauch in einer verkleiner-
en auf 4 Blätter gebrachten Kopie im Weimarischen Industrie-
komtoir, imLaufe des letztenSommors ausgegeben worden sind,
finden wir auf der zwepten Tafel einen griechischen Heros,
der einen Meiberraubenden Centauren auf dem Hinterbug
knrecnd und ihn mit Heldenkraft niederbeugend, zugleich den
Unhold am Hals würgt, und sich mit der andern Hand aus
dessen Faust loswindet. Mit der andern Faust reißt der
Thiermensch einer niedergekmeten jungen Frau den PepluS
oder das Obergewand vom Leibe, und ist also in allen Vorbe-
reitungen zur Nothzucht begriffen, als ihn die Rache deS
Heldenjünglings ereilt. Die zur Verzweiflung getriebene
Frau hält eine fein drapirte Bildsäule einer Göttinn um-
schlungen. Der Frauenraub wird also dadurch noch höher
gesteigert, und zum Tempelraub. Etwas weiter vorwärts
erblickt man eine noch völlig bekleidete Frau in der Stellung
des Entsetzens, bepde Arme weit ausbreitend und um Hülfe
schreiend.
Es kann nach dem Obigen unsre Absicht nicht fern, auch
nur von Einem dieser Reliefs eine vollständige Erklärung mit
vorschneller Weisheit verm»en zu wollen. Daß z. B. der He-
ros, der auf den Centauren kniet, Theseus nicht feyn kan -,
geht schon ans der Nachricht boom Paufanias deutlich hervor.
Aber es wurde auch bevm größten exegetischen Scharfsinn
kaum möglich seyn, eine nur-etwas beglaubigte Muthmas-
fung über die Bildsäule, welche von der bedrohten Jungfrau
umklammert wird, vorzubringen. Denn sie erscheint in dieser
Zeichnung und Kupferstichen ganz mangelhaft gezeichnet und
dieser Umstand mag unsre Behauptung rechtfertigen, daß eS
mehr als gewagt sev, nach den vorliegenden unvollständigen
Angaben ein Urtheil zu bilden.
Es wurde uns hier in Dresden im Laufe des letzten
Sommers der Genuß zu Theil, alle Portefeuilles des Baron
Otto von Stackelberg, und darunter auch die von ihm
a» Orc und Stelle selbst mit eben so viel Genauigkeit als
Nettigkeit gezeichneten Reliefs des Tempels des Apollo Epi-
sich der wackere Künstler mit Kupfern zu Gocthe's Faust
nach § orn cliu s bekanntenZeichnungen.
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U^ber ein Relief vom Apollotempel zu
Phigalia.
Es ist wohl ans jeden Fall noch zu voreilig, über die viel-
besprochenen Das - Reliefs der Tempelfriesen von phigalia,
die einst, wenn günstige Zeiten und Parliamentsdewilligun-
gen die Ausstellung erlauben, die Zierde des brittischen
Museums machen werden, früher ein bestimmtes Urtheil
zu sällen oder über die einzelnen Particen der daraufabgebilde-
ten Centauren - und Amazonenkämpfe autiquariKl) - artistische
Ausdeutungen zu versuchen. Wir müssen uns durchaus ge-
dulden, bis die eigentlichen Entdecker und ursprünglichen Be-
sitzer di-leö herrlichen Fundes mit ihren eigenen Zeichnungen
in treuen Kupferstichen hervortrctcu werden. Da, den neue-
sten Nachrichten zufolge, die sämmtliche» Reisegefährten,
BaronOtto vvnStackelbergaus Lievland, Professor
Bronstedt aus Kopenhagen, Baron Haller von Hal-
lcrstein aus Nürnberg undHr. Cvckercll aus England
nun wirklich in Nom nach ajähriger Zerstreuung wieder zu-
sammen gekommen sind, um ihre sämmtliche Reiseausbeute
aus ihren Tagebüchern und Portefeuilles nach einem ganz
neuen Plan zu ordnen, und in Rom durch die geschicklcsten
Kupferstecher und mit aller Pracht der Fulgonischen Offizin
herauszugeben, so kann eine solche Gednltsprobe nicht mehr
lange dauern. Wie bedenklich es ist, jetzt schon nach dem,
was uns davon in Nachbildungen vor's Auge gebracht wor-
den ist, fick) ein erklärendes Kunsturtheil zu gestalten, mag
folgender Umstand beweisen. In der nachHr. Wagners
in Korfu eilfertig entworfenen Zeichnung von dem braven
Meklenburgischen Kupferstecher Rusch weih *) in Rom
gestochenen Abbildungen dieses Reliefs, die nicht nur in
*) Dieser nicht blos versprechende, sondern schon leistende
Künstler verdient gewiß auch in Deutschland noch mehr
gekannt und von da ans in Rom aufgemuntcrt zu wer-
den. Wir kennen ihn durch ein in kräftiger Linienma-
nicr sehr brav und i in Sinn des G e in ä h l d e s ans-
gefübrtcs großes Blatt von 181z, aus dem Leben des
heiligen Nilus inD o m in i ch i n v's berühmtem Bilderkreis
in Grotra Ferrata (S. Ranidohr HI- z?i.) Die Hei-
' lung eines besessenen Knaben durch den Anblick eines
Madonncnbildcs aufdas Gebot des Heiligen. ES gehört
in Absicht auf Verständlichkeit und Ausdruck in de» Ge-
sichtern zu den vorzüglichsten. — Neuerlich beschäftigte
5-
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1 7-
einer eigenen Sammlung von Contorni mit einem kurzen
italienischen Tert in Querfolio jetzt'nach allen Gegenden
Deutjchlands ausgewaudert, soudernauch in einer verkleiner-
en auf 4 Blätter gebrachten Kopie im Weimarischen Industrie-
komtoir, imLaufe des letztenSommors ausgegeben worden sind,
finden wir auf der zwepten Tafel einen griechischen Heros,
der einen Meiberraubenden Centauren auf dem Hinterbug
knrecnd und ihn mit Heldenkraft niederbeugend, zugleich den
Unhold am Hals würgt, und sich mit der andern Hand aus
dessen Faust loswindet. Mit der andern Faust reißt der
Thiermensch einer niedergekmeten jungen Frau den PepluS
oder das Obergewand vom Leibe, und ist also in allen Vorbe-
reitungen zur Nothzucht begriffen, als ihn die Rache deS
Heldenjünglings ereilt. Die zur Verzweiflung getriebene
Frau hält eine fein drapirte Bildsäule einer Göttinn um-
schlungen. Der Frauenraub wird also dadurch noch höher
gesteigert, und zum Tempelraub. Etwas weiter vorwärts
erblickt man eine noch völlig bekleidete Frau in der Stellung
des Entsetzens, bepde Arme weit ausbreitend und um Hülfe
schreiend.
Es kann nach dem Obigen unsre Absicht nicht fern, auch
nur von Einem dieser Reliefs eine vollständige Erklärung mit
vorschneller Weisheit verm»en zu wollen. Daß z. B. der He-
ros, der auf den Centauren kniet, Theseus nicht feyn kan -,
geht schon ans der Nachricht boom Paufanias deutlich hervor.
Aber es wurde auch bevm größten exegetischen Scharfsinn
kaum möglich seyn, eine nur-etwas beglaubigte Muthmas-
fung über die Bildsäule, welche von der bedrohten Jungfrau
umklammert wird, vorzubringen. Denn sie erscheint in dieser
Zeichnung und Kupferstichen ganz mangelhaft gezeichnet und
dieser Umstand mag unsre Behauptung rechtfertigen, daß eS
mehr als gewagt sev, nach den vorliegenden unvollständigen
Angaben ein Urtheil zu bilden.
Es wurde uns hier in Dresden im Laufe des letzten
Sommers der Genuß zu Theil, alle Portefeuilles des Baron
Otto von Stackelberg, und darunter auch die von ihm
a» Orc und Stelle selbst mit eben so viel Genauigkeit als
Nettigkeit gezeichneten Reliefs des Tempels des Apollo Epi-
sich der wackere Künstler mit Kupfern zu Gocthe's Faust
nach § orn cliu s bekanntenZeichnungen.



