Nro. 6
Kunst-Blatt.
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in dem andern sanfte Wollust, Liebe und Schalkheir. Die
Herren, Niquer derAelterennd Morel, haben beyde die
büßende Magdalena in Kupfer dargestcllt. Jenem saß Cor-
reggios sogenannte lesende Büßerin», diesem Jene von
Guido, der ihr die heilige Martha und einen Engel
zur Gesellschaft gibt. Der Anblick des ersten Kupferstiches
stillt die Seele mit süßer Melancholie, der Anblick deszwe»-
ten durchdringt sie mit Reue. Herr Morel hat die süße,
sanft einschmeichelnde, Grazie von Correggio, Hr. Ni-
qu et die leichte, feste, aber doch weiche, Manier von
Guido, mit vieler Treue nachgcahmt. Die Zeichnung in
bepdeu Kupfern ist sehr korrekt. Aber bcy dem ersten
Kupferstiche konnten wir uns nicht der Kritik enthalten, die
Magdalena sep zu schön, zu liebenswürdig. Ihre reizend
weisse Farbe, die mit dem Dunkel der Wildniß in der sie
erscheint, gut absticht, ihr sanftes Auge , ihre ruuden vollen
Arme, ihr von der Liebe gewölbter Busen, laden mehr
zum Genüsse als zur Reue ein. —
Mehr dem Begriff von einer Büßerinn angemessen ist
das Kupfer des Hrn. Morel. Die heilige Martha drückt
die wehmüthigste Theilnahme aus, und der Engel scheint mit
seinem tröstenden Blick der bereuenden Sünderin» das Pa»
radies zu verheißen.
Ucbcrsicht der vorzüglichsten Produkte der schönen
Künste In Frankreich vom Jahr l8iü.
Fern von den Zerrüttungen, welche der leidige Partei-
geist in mehrern Dcpartementern anfacht und erhält, wan-
delt die Muse und ihr eigentliches Gebiet ist das bleibend
Schöne, das, was zu allen Zeiten, an allen Orten, gefällt.
Der Hcldenninrh, welchen der Polnische Fürst von Po-
nt a tows kp bey der Schlacht von Leipzig bewies,. war
des Pinsels von Hvraz Ver net würdig. In einem
Gemählde, welches zwei) und zwanzig Zoll in der Höhe und
acht und zwanzig in der Breite hat, zeigt er den Helden im
Kostüme des Feldherrn auf einem weisscn Pferde, vor ihm
die Pleiße, auf seinem Rücken der Feind. Sein Adjutant,
ihm zur Seite, drückt eine Pistole los, um den ciudrjugen-
dc» Husaren zu entfernen. P 0 n i a r 0 w s k p wird am rech-
ten Arme verwundet. Die Pistole entfallt seiner Hand, er
stürzt sich mit seinem Pferde in die Finten. An der Dar-
stellung des Pferdes erkennt man den Sohn und Zögling von
Karl Bern et, der sich in dieser Art Mahlerey ausge-
zeichnet hat. Die Zufälligkeiten sind gut gewählt und aus-
gedrückt. Ein Soldat liegt entseelt am Ufer des Flusses,
die Köpfe von andern ragen über die Oberfläche des Flusses.
Das Gemählde empfiehlt sich durch die vollendete Zeichnung
der Figuren und durch die gefällige Mischung der Farben.
Sechs liebliche Bilder von Gcrar d, die vor mehrern
Jahren gewählt wurden, befanden sich anfangs im Besitz
der nachmaligen Kaiserin« Joseph ine; jetzt befinden sie
sich in der Galleric des Generals Rapp. Da sic nie vor
das Auge des Publikums kamen, und dem Auslande unbe,
kanntfind, verdient Potrelle um so mehr Dank, sie durch
seinen Griffel vervielfältigt zu haben. Folgendes find die
Gegenstände: 1) der Liebesgott schwebt in einer Muschel
von zwep Tauben gezogen; 2) er rüstet sich zum Kampf;
z) er greift au, indem sein Bogen gespannt ist; 4) er siegt;
5) er ist ermattet, Köcher und Bogen zu seinen Füßen; 6)
er ruht auf luftigen Wolken. Der Stich stellt die Zartheit
des Urbildes dar. Unter jedem Bilde befinden sich zu dem
Gegenstand passende Zeilen aus dem Petrark.
Hr. Robert Sefcbre, den wir bis jetzt nur als Por-
trät-Mahler kannten, hat zwey historische Gemählde gelie-
fert: Socrates, welcher den Giftbecher trinkt,
und Venus, welche den Kupido entwaffnet.
In dem ersten bewundert man den Ausdruck ernster Grazie,
Herr Ulme r, ein Deutscher, hat für einen französischen
! Kupferstichhandker die heilige Cacilia nach Mignard ge-
stochen. —Ein herrliches Bild bis ins kleinste Detail mit Fleiß
und Zartheit behandelt ist:
Aeneas und Helena, gezeichnet von C Hai llot, ge«
stochen von Noel und Schenker, nach Virgil im
zweyten Buche der Aeneide. Der Griffel hat die vom Dich-
ter dargestellteu Charaktere der handelnden Personen gut aus-
gedrückt. Die Wuth des Helden bepm Anblick der Frau,
an welche der Untergang seines Reichs geknüpft ist; Hele-
nens Furcht vor dem blitzenden Schwert, und noch mehr
ror den blitzenden Augen des Helden, die Eile, mit welcher
Venus auf einer Wolke herbei) schwebt, das Schwert des
Zürnenden abzuwenden, find schön geschildert.
Ein Sohn der Niobe. Eine Figur, dieKunstschü-
lcrn zum Studium vorgclegt werden kann. Der Unglück-
liche, an einen Felsen gestützt, sträubt sich wider die Gewalt
des Schmerzes. Das Urbild von Grange s befindet sich
in der Gallerie von Florenz. Der Stich ist von einem Soh-
ne Gerards.
Kunst-Blatt.
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in dem andern sanfte Wollust, Liebe und Schalkheir. Die
Herren, Niquer derAelterennd Morel, haben beyde die
büßende Magdalena in Kupfer dargestcllt. Jenem saß Cor-
reggios sogenannte lesende Büßerin», diesem Jene von
Guido, der ihr die heilige Martha und einen Engel
zur Gesellschaft gibt. Der Anblick des ersten Kupferstiches
stillt die Seele mit süßer Melancholie, der Anblick deszwe»-
ten durchdringt sie mit Reue. Herr Morel hat die süße,
sanft einschmeichelnde, Grazie von Correggio, Hr. Ni-
qu et die leichte, feste, aber doch weiche, Manier von
Guido, mit vieler Treue nachgcahmt. Die Zeichnung in
bepdeu Kupfern ist sehr korrekt. Aber bcy dem ersten
Kupferstiche konnten wir uns nicht der Kritik enthalten, die
Magdalena sep zu schön, zu liebenswürdig. Ihre reizend
weisse Farbe, die mit dem Dunkel der Wildniß in der sie
erscheint, gut absticht, ihr sanftes Auge , ihre ruuden vollen
Arme, ihr von der Liebe gewölbter Busen, laden mehr
zum Genüsse als zur Reue ein. —
Mehr dem Begriff von einer Büßerinn angemessen ist
das Kupfer des Hrn. Morel. Die heilige Martha drückt
die wehmüthigste Theilnahme aus, und der Engel scheint mit
seinem tröstenden Blick der bereuenden Sünderin» das Pa»
radies zu verheißen.
Ucbcrsicht der vorzüglichsten Produkte der schönen
Künste In Frankreich vom Jahr l8iü.
Fern von den Zerrüttungen, welche der leidige Partei-
geist in mehrern Dcpartementern anfacht und erhält, wan-
delt die Muse und ihr eigentliches Gebiet ist das bleibend
Schöne, das, was zu allen Zeiten, an allen Orten, gefällt.
Der Hcldenninrh, welchen der Polnische Fürst von Po-
nt a tows kp bey der Schlacht von Leipzig bewies,. war
des Pinsels von Hvraz Ver net würdig. In einem
Gemählde, welches zwei) und zwanzig Zoll in der Höhe und
acht und zwanzig in der Breite hat, zeigt er den Helden im
Kostüme des Feldherrn auf einem weisscn Pferde, vor ihm
die Pleiße, auf seinem Rücken der Feind. Sein Adjutant,
ihm zur Seite, drückt eine Pistole los, um den ciudrjugen-
dc» Husaren zu entfernen. P 0 n i a r 0 w s k p wird am rech-
ten Arme verwundet. Die Pistole entfallt seiner Hand, er
stürzt sich mit seinem Pferde in die Finten. An der Dar-
stellung des Pferdes erkennt man den Sohn und Zögling von
Karl Bern et, der sich in dieser Art Mahlerey ausge-
zeichnet hat. Die Zufälligkeiten sind gut gewählt und aus-
gedrückt. Ein Soldat liegt entseelt am Ufer des Flusses,
die Köpfe von andern ragen über die Oberfläche des Flusses.
Das Gemählde empfiehlt sich durch die vollendete Zeichnung
der Figuren und durch die gefällige Mischung der Farben.
Sechs liebliche Bilder von Gcrar d, die vor mehrern
Jahren gewählt wurden, befanden sich anfangs im Besitz
der nachmaligen Kaiserin« Joseph ine; jetzt befinden sie
sich in der Galleric des Generals Rapp. Da sic nie vor
das Auge des Publikums kamen, und dem Auslande unbe,
kanntfind, verdient Potrelle um so mehr Dank, sie durch
seinen Griffel vervielfältigt zu haben. Folgendes find die
Gegenstände: 1) der Liebesgott schwebt in einer Muschel
von zwep Tauben gezogen; 2) er rüstet sich zum Kampf;
z) er greift au, indem sein Bogen gespannt ist; 4) er siegt;
5) er ist ermattet, Köcher und Bogen zu seinen Füßen; 6)
er ruht auf luftigen Wolken. Der Stich stellt die Zartheit
des Urbildes dar. Unter jedem Bilde befinden sich zu dem
Gegenstand passende Zeilen aus dem Petrark.
Hr. Robert Sefcbre, den wir bis jetzt nur als Por-
trät-Mahler kannten, hat zwey historische Gemählde gelie-
fert: Socrates, welcher den Giftbecher trinkt,
und Venus, welche den Kupido entwaffnet.
In dem ersten bewundert man den Ausdruck ernster Grazie,
Herr Ulme r, ein Deutscher, hat für einen französischen
! Kupferstichhandker die heilige Cacilia nach Mignard ge-
stochen. —Ein herrliches Bild bis ins kleinste Detail mit Fleiß
und Zartheit behandelt ist:
Aeneas und Helena, gezeichnet von C Hai llot, ge«
stochen von Noel und Schenker, nach Virgil im
zweyten Buche der Aeneide. Der Griffel hat die vom Dich-
ter dargestellteu Charaktere der handelnden Personen gut aus-
gedrückt. Die Wuth des Helden bepm Anblick der Frau,
an welche der Untergang seines Reichs geknüpft ist; Hele-
nens Furcht vor dem blitzenden Schwert, und noch mehr
ror den blitzenden Augen des Helden, die Eile, mit welcher
Venus auf einer Wolke herbei) schwebt, das Schwert des
Zürnenden abzuwenden, find schön geschildert.
Ein Sohn der Niobe. Eine Figur, dieKunstschü-
lcrn zum Studium vorgclegt werden kann. Der Unglück-
liche, an einen Felsen gestützt, sträubt sich wider die Gewalt
des Schmerzes. Das Urbild von Grange s befindet sich
in der Gallerie von Florenz. Der Stich ist von einem Soh-
ne Gerards.



