7-
Nro.
Kunst-Blatt.
1817.
Nachgrabungen und Verschönerungen zu Rom
durch die Franzosen.
(Fortsetzung.)
8) Tempel der Vesta — jetzt Santa Maria del Sole,
oder S. Stefano delle carrozze. — Die Mauern zwischen
den Säulen sind fortgcrisscn worden, so daß diese nun ihrer
ursprünglichen Bestimniung nach jede isolirt dastehen. Auch
der Untersatz des Tempels ist freper als zuvor. — Sehr
nützlich. —
g) Tempio dclla Fortuna virile »der Santa Maria Egi-
liaca, der Untersatz diejcs Tempels edenfalis wie der der Ve-
sta freper gemacht.
10) Tempio di Bacco oder Battistcro in chiesa di
Sta Costanza. — Umher bis auf den Untersatz ausgegraben
und vom Schutte gereinigt. —
u) Terme di Tito. — Hier sind mehrere Zimmer aus-
gegraben worden, die man zuvor nicht kannte, — andere
mehr gereinigt und zugänglicher. — Der Eingang verändert
und bequemer eingerichtet. — Hier fand man 1812 eine
alte christliche Kapelle, und an der Mauer desselben einen
Kalender und Zodiakus, mit heidnischen Bildern der Plane-
ten, nach den Gottheiten, deren Namen sie tragen, im schlech-
ten Style der kunstärmsten Zeit. —
Wir gehen nun zu den Verschönerungen des neuern
Noms über, die zum Theile aber blos vorgeschlagcn, einige
begonnen, keine beendet waren.
Plä^e:
1) Der Venetianische Platz sollte vergrößert werden, in-
dem man den Flügel des Palastes von Venedig, dem Palast
Ninuccini gegenüber, niederreißcn und dergestalt eineSeiten-
Ausstcht aufs Kapitol erhalten wollte. —
z) Der Platz um die Fontana di Trevi erweitert und
vom Mittelpunkt desselben eine gerade Straße nach dem Qui-
rinale geführt werden.
z) Der Platz um das Pantheon vergrößert und zu einem
Viereck gemacht, wobey auch der Palast Vonelli niederge-
rissen werden sollte. Die Rotonda sollte isolirt dastehen.
4) Die Häuser-Insel bep St. Peter, zwischen Borgo
nnovo und S. Spiritv sollte geschleift und somit, vom Pon-
te St. Angelo aus, die Ausstcht auf den Petersplatz geöff-
net werden.— Die bekannte Idee des Architekten Fonta-
n a. Die uiederzureißenden Hauser der Privatleute sollten
von der Regierung gekauft werden, wurden aber selten be-
zahlt. — Manchesmal sing man Nachts und ohne Wissen
der Eigenthümcr, gleichsam mit Ueberfall, zu demoliren an,
damit die Eigenthümer sich nicht widersetzen konnten. —
5) Es sollten is Märkte, wie die zu Paris, mit bedeck-
ten Hallen, in den verschiedenen Quartieren erbaut werden;
als auf Piazza di Montcdoro , — Alla Poscheria, — Alle
Vcrgirii, — Alla Madonna dei monti; der auf dem Platze
von Montedoro war bepnahe fertig, und bestand aus zwep
parallelen Hallen. Man beabsichtigte alle Frucht- und Ge-
müse-Händler, Frigitori ctc. vom Cvrso dorthin zu ver-
weisen, um diese Hauptstraße und Spazierbahn der Römer,
(den Cvrso) reinlicher und angenehmer zu machen. — Bep
der Rückkehr des Papstes aber wurden die Hallen wieder ab-
gebrochen und die Materialien verkauft. —
6) Quais der Tiber. — Man harte zu dem Zwecke ange-
fangen, die Kirche und Klöster von S. Giacomo einzureißen,
und war Willens, alle Häuser am Tiber-Ufer von der Farne-
sina bis zur Porta San Spiritv niederzurcißen, so daß man
vom Palaste Corsini aus die Engels-Brücke gesehen hätte.
— Man fing an, um die Strudel des Flusses zu vermindern
und ihn für die Schiffer sicherer zu machen, mehrere alte
Brücken-Pfeiler in demselben wegzusprengen... Mit einer
eignen Maschine und vieler Geschicklichkeit zog man bep die-
ser GelegenheitUNferN V0N S. Giovanni deiFiorentini, große
Travertin - Blöcke aus dem Wasser, die zum alten Pont
triumphaiis gehört halten. — Auch von der Porta del Po-
polo an, — den Fluß hinab, — sollten Quais gemacht uud
zu dem Ende die Kavallerie-Kaserne niedergerissen werden,
welches alsdann schöner mit dem neuen Spaziergange auf
dem Pincio harmonirt, und ihn symmetrisch dargestellt haben
würde.
7) Die Zahl der Brücken zu Rom ist nicht groß; — die
Franzosen wollten eine der alten wieder Herstellen und zwar
die des Horatius Cocles, dem Aventin gegenüber, bey Ri-
pagrande, wo Handel und Verkehr manchesmal ziemlich leb-
haft sind, — und in der Nähe der Dogana di |Mare (See-
Mauth). — Man sieht, wenn der Fluß flach ist. Spure»
der alten Brücke, — die erst 1484 hauptsächlich zerstört
wurde. — In diesem Jahre nämlich schickte Papst S i r-
tus IV. zwanzig Wagen, mit vierhundert Kanonen-Ku-
geln von Travertin, nach seinem Kriegslager, die an der
Marraorata (so hieß damals Ripagrandc, wo die Römer ihr
Nro.
Kunst-Blatt.
1817.
Nachgrabungen und Verschönerungen zu Rom
durch die Franzosen.
(Fortsetzung.)
8) Tempel der Vesta — jetzt Santa Maria del Sole,
oder S. Stefano delle carrozze. — Die Mauern zwischen
den Säulen sind fortgcrisscn worden, so daß diese nun ihrer
ursprünglichen Bestimniung nach jede isolirt dastehen. Auch
der Untersatz des Tempels ist freper als zuvor. — Sehr
nützlich. —
g) Tempio dclla Fortuna virile »der Santa Maria Egi-
liaca, der Untersatz diejcs Tempels edenfalis wie der der Ve-
sta freper gemacht.
10) Tempio di Bacco oder Battistcro in chiesa di
Sta Costanza. — Umher bis auf den Untersatz ausgegraben
und vom Schutte gereinigt. —
u) Terme di Tito. — Hier sind mehrere Zimmer aus-
gegraben worden, die man zuvor nicht kannte, — andere
mehr gereinigt und zugänglicher. — Der Eingang verändert
und bequemer eingerichtet. — Hier fand man 1812 eine
alte christliche Kapelle, und an der Mauer desselben einen
Kalender und Zodiakus, mit heidnischen Bildern der Plane-
ten, nach den Gottheiten, deren Namen sie tragen, im schlech-
ten Style der kunstärmsten Zeit. —
Wir gehen nun zu den Verschönerungen des neuern
Noms über, die zum Theile aber blos vorgeschlagcn, einige
begonnen, keine beendet waren.
Plä^e:
1) Der Venetianische Platz sollte vergrößert werden, in-
dem man den Flügel des Palastes von Venedig, dem Palast
Ninuccini gegenüber, niederreißcn und dergestalt eineSeiten-
Ausstcht aufs Kapitol erhalten wollte. —
z) Der Platz um die Fontana di Trevi erweitert und
vom Mittelpunkt desselben eine gerade Straße nach dem Qui-
rinale geführt werden.
z) Der Platz um das Pantheon vergrößert und zu einem
Viereck gemacht, wobey auch der Palast Vonelli niederge-
rissen werden sollte. Die Rotonda sollte isolirt dastehen.
4) Die Häuser-Insel bep St. Peter, zwischen Borgo
nnovo und S. Spiritv sollte geschleift und somit, vom Pon-
te St. Angelo aus, die Ausstcht auf den Petersplatz geöff-
net werden.— Die bekannte Idee des Architekten Fonta-
n a. Die uiederzureißenden Hauser der Privatleute sollten
von der Regierung gekauft werden, wurden aber selten be-
zahlt. — Manchesmal sing man Nachts und ohne Wissen
der Eigenthümcr, gleichsam mit Ueberfall, zu demoliren an,
damit die Eigenthümer sich nicht widersetzen konnten. —
5) Es sollten is Märkte, wie die zu Paris, mit bedeck-
ten Hallen, in den verschiedenen Quartieren erbaut werden;
als auf Piazza di Montcdoro , — Alla Poscheria, — Alle
Vcrgirii, — Alla Madonna dei monti; der auf dem Platze
von Montedoro war bepnahe fertig, und bestand aus zwep
parallelen Hallen. Man beabsichtigte alle Frucht- und Ge-
müse-Händler, Frigitori ctc. vom Cvrso dorthin zu ver-
weisen, um diese Hauptstraße und Spazierbahn der Römer,
(den Cvrso) reinlicher und angenehmer zu machen. — Bep
der Rückkehr des Papstes aber wurden die Hallen wieder ab-
gebrochen und die Materialien verkauft. —
6) Quais der Tiber. — Man harte zu dem Zwecke ange-
fangen, die Kirche und Klöster von S. Giacomo einzureißen,
und war Willens, alle Häuser am Tiber-Ufer von der Farne-
sina bis zur Porta San Spiritv niederzurcißen, so daß man
vom Palaste Corsini aus die Engels-Brücke gesehen hätte.
— Man fing an, um die Strudel des Flusses zu vermindern
und ihn für die Schiffer sicherer zu machen, mehrere alte
Brücken-Pfeiler in demselben wegzusprengen... Mit einer
eignen Maschine und vieler Geschicklichkeit zog man bep die-
ser GelegenheitUNferN V0N S. Giovanni deiFiorentini, große
Travertin - Blöcke aus dem Wasser, die zum alten Pont
triumphaiis gehört halten. — Auch von der Porta del Po-
polo an, — den Fluß hinab, — sollten Quais gemacht uud
zu dem Ende die Kavallerie-Kaserne niedergerissen werden,
welches alsdann schöner mit dem neuen Spaziergange auf
dem Pincio harmonirt, und ihn symmetrisch dargestellt haben
würde.
7) Die Zahl der Brücken zu Rom ist nicht groß; — die
Franzosen wollten eine der alten wieder Herstellen und zwar
die des Horatius Cocles, dem Aventin gegenüber, bey Ri-
pagrande, wo Handel und Verkehr manchesmal ziemlich leb-
haft sind, — und in der Nähe der Dogana di |Mare (See-
Mauth). — Man sieht, wenn der Fluß flach ist. Spure»
der alten Brücke, — die erst 1484 hauptsächlich zerstört
wurde. — In diesem Jahre nämlich schickte Papst S i r-
tus IV. zwanzig Wagen, mit vierhundert Kanonen-Ku-
geln von Travertin, nach seinem Kriegslager, die an der
Marraorata (so hieß damals Ripagrandc, wo die Römer ihr



