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Nro. 8.

Kunst-Blatt.

i 8 i 7-

Ueber eineGedachtnißmünze aufs Re-
formationsjubileum.

(Anch ein Beytrag zum Reformations -Almanach.)

Für die Protestanten in und außer Deutschland ist das
gegenwärtige Jahr ein Jubeljahr. Das Reformatiousjubi-
leum wird so lange gefeyert werden müssen, als von der
andern Seite noch von Wiedervereinigung und To-
leranz die Rede se»n wird. Das ist nun einmal nicht zu
ändern. Die nichts übereilende Weitordnung will es so. und
wir müssen uns sägen. Demnach wird auch die Numismatik
hier ihr wohlerworbenes Recht behaupten, und Ließ Jubi-
leum, so gut wie seine zwcy Vorgänger, mit Gedächlniß-
münzen zu verherrlichen suchen.

Schon hat Jemand den Vorschlag gethan, zu Ehren die-
ses großen Gedäcbtnißfestes eine alte Idee zu verjüngen und
aufs Neue eine Geschichte der Reformation in Münzen (eine

sogenannte historiam metallicam instauralionis sacrorum)

zu veranstalten, und Münzkundige wissen, welche reiche
Ausbeute dieß geben würde. Der deutsche, oft sehr derbe
Kern-Witz prägte sich damals nur allzugern auf bleiben-
des Metall. Die Sache hat zwcy Seiten. Vieles würde
unser Zeitalter doch kaum ertragen, und so müsste eine solche
Sammlung wenigstens mit Geschmack und Auswahl gemacht
werden. Damit aber wäre wieder Niemand gedient, der
alles in seiner Aeit genießen will.

Nun so werden wenigstens die Stempelschneider und
Medailleurs ihre Erfindungskraft ansrrengeu oder ihre Ora-
kel befragen müssen, um den neuen Jubelphönir zu begrü-
ßen. Münzfreunde kennen des großen Gothäischen Theolo-
gen und Münzkabinct-Direktors vr. Ernst Salomo
Cyprians Beschreibung des Reformation-Jubileums von
1717 unter dem Titel: „Hilaria Evangelica,“ wobei) auch
die damals in großer Zahl fast in allen protestantischen Län-
dern erschienenen Gedächtnißmünzen aufgeführt und für die
Nachkommen aufbewahrt worden sind. Man wird aber da-
rin für das, was unser geläuterter Geschmack jetzt von ei-
ner guten Gedächtnißmünze fordert, nur wenig Trost und
viel mehr Bepspiele finden, wie man es nicht machen soll, als
umgekehrt.

Es ist gewiß keine leichte Aufgabe, dieß mal eine Me-
daille auf das Reformationsj ubilcum auszudenken, die nicht,

nach bekannten Vorgängen, aus der Weihe der Kraft eine
Weihe der Unkraft mache. Hat es doch mit der ganzen
Vildnerey hier eine ganz eigene Vewandniß. Denn wenn
schon trotz Allem, was uns Chateaubriand darüber zu
sagen weiß in seinem Esprit du Christianismc, der
Geist des Christenthums bilderzerstörend (ikonoklastisch)
ist, so ist es der durch Luthern begründete Protestantismus
noch in weit höherer Richtung. Carlstadt mit seinen Bil-
derstürmern wurde freylich von Luther selbst tüchtig gescholten
und zu Reckt gewiesen; *) dennoch mag man sagen, daß
Calvin und die strengen Bekenner seiner Lehren auch in
Absicht auf die Verbannung aller Bilder aus den Gottes-
häusern am konsequentesten handelten.

Wie soll man mm den Reformator und sein Werk auf
zwey kleinen Münzflächen würdig abkonterfeien oder vcrsinn-
bilden, ohne entweder gegen den Geschmack und die Bevin-,
gungcn des Darstellbaren, oder gegen die geistige Tendenz
des Reformationswerkes einen Solocismus zu begehen?

Was zuerst die Vorderseite betrifft, so entsteht hier
gleich die Frage: soll das allbekannte, bis zur Karikatur
vervielfältigte Portrait des Reformators nach Sitte und
Brauch hier zum Hundertenmale wiederholt werden? Die israe-
litischen Künstler, Gebrüder Henschel in Berlin, haben
dieß gewiß so gemeint, wenn sie für das Jahr 1817, Luther
im Chorrock und mit der Bibel der Morgenröthe vor-
anschreitend als ein deutsches Neujahrgeschenk
verkauften. Die Stimme dieser Zionswächter soll nicht ver-
geblich erklingen. Aller Augen sind auch wirklich nach Berlin
gerichtet, und man erwartet mit Ungedult, was für das
Jubilcum von dort aus verordnet werde. Allein würde
es bey Luthers einfachem Portrait bleiben, so darf es sich
wohl noch etwas über das Berliner Theater-Kostüm **)er-
heben. Schadow's Büste fürs deutsche Pantheon des

*) Ma» sehe z. B. Marh eineke's Geschichte dev
deutschen Reformation I. 379, bieß in alter«,üm-
lichcm Anklang geistreich und charakteristisch geschriebene
Buch sollte i» diesem Jahre Niemand ungelesen
lassen.

''-'*) Henschel verkleinerte nur. wie der Augenschein
lehrt, Luthern, wie er mit Theobald abgebildet steht,
für Wern er's Weihe der Kraft imXXste» Heft dev
(übrigens musterhaften) Berliner Theater - Kostüms (bey
Witt ich in Berlin.)
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