Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Nro. 10.

Kunst-Blatt.

i 8 i ?.

Aus einem Schreiben aus Rem, über die Lb-
handluugen des Ritter C a n 0 v a über die Ko»
lösten des Monte Gavallo, und des Herrn (Lo-
ck ereil über die Gruppe der Niobe, weiche in
diesem Blatte sogleich folgen werden»

Wir haben seit Winkel man ns Zeiten und Werken
gewiß manchen tiefen Blick in das Wesen der alten Kunst
geworfen; aber einer der schwächsten Flecke bleiben immer
noch unsre Ideen, wie und wozu die Griechen und Römer
eine solche Masse von Statüen brauchten uud aufsicllten, in
welcher Höhe, Gesichtspunkte, srep oder vor Mauern und Gie-
belfeldern, von allen Seiten oder aus einem einzigen Augen-
punkte zu betrachten, mit einem Worte, wir tappen noch
oft im Dunkeln über das Colvramento der Statuen, wel-
ches alles dieses in sich begreift. Nichts kann in dieser
Hinsicht fehlerhafter und unangenehmer sepn, als die Ein-
richtung unsrer Museen, freplich durch die Beschränktheit
des Raumes, und die Begierde alles an einem Orte zur
Vergleichung und geschwinder» Uebersicht zusammenzuhäufen,
ein nothwendigeö Uebcl, das die Gelehrten und Reisen-
den wegen der Bequemlichkeit unter mancherley ächten
und mehr noch scheinbar» Vorwänden in Schutz nehmen
werden.

Es ist wirklich fast komisch, in einer Stadt von Statuen
wie im Museo Pio Clcmcntino, oder wo es aufs äußer-
ste getrieben war, ehemals im Museo zu Paris, kolossale
Gvtlheiten für eine Höhe von hundert Palmen berech-
net, dicht neben Büstchen, Hermen und kleinen Figürcken,
großen Löwen und Thieren zu erblicken, alle friedlich ans
gleichgestalteten Postamenten, da doch ihre frühem glückli-
chern Schicksale sie sehr fern von einander geführt, und bald
als End-Gesichts-Punkt eines weiten Platzes, bald für ein
Thor, bald für einen Hausaltar oder ein Prunkzimmer be-
stimmt hatten. Canova hat jetzt in seiner Werkstatt
ein zwo» und dreißig Palmen hohes Modell einer Religion
für die St. Peterskirche verfertigt, und diesem unterdessen
den Kopf der Juno Ludovisi, ungefähr in diesem Verhält-
nisse, aufgesetzt; obschon durch eine Mitra und unpassen-
des Gewand verunziert, welchen andern Effekt macht dieser
schöne Kopf in solcher Höhe, als da, wo sein Original
ganz niedrig in der Villa Ludovisi steht. Mit den Basre-
liefs geht es eben so; diese erblickt man, ohne Rücksicht

auf Größe, Erhabenheit der Figuren und Feinheit ihrer
Ausführung, nack Laune oder nachdem sich grade ein lee-
rer Fleck zum Einmauern an einer Wand gefunden, bald
hoch über sich, bald tief zu seinen Füßen. Der berühmte
Löwe im Palaste Barberini zu Rom ist auf einem Trep-
pen-Absätze eingemauert, unter der Augenlinie des davor-
stehenden Beschauers, da man doch weiß, daß er für einen
sehr hohen Standpunkt: an einem der Thorpfeiler der
Villa Adriana zu Tivoli befindlich war, wie ihn Santi
B artvli (der diesen Ttzorpfeiler für ein Grabmahl hält)
und Giultanv di S. Gallo gezeichnet und publizirt
haben.

Siehe in der Bibliothek Barberini: Ein Baud Hand-
zeichnungen auf Pergament, mit dem Titel: (>uesto libro

s di Giuliano, di Francesco Giainbcrli Arcliitetlo nuova-
mentc di S. Gallo chiamalo, con molti disegni misurati
cominciato 1466 in Roma.

s) Sepolcri ovvcro Mausolei Romani; da Pielro San-
ti Bartoli, Roma 17G8, zto. Nr. zg. mit der Unter-
schrift ! „Scpolcro antico vicino Tivoli, ora distruUo , co-
„piato da disegni di.Pielro BcrcUino da Corlona.“ —

Dieser Löwe Barberini war vielleicht eben so ein schönes
Wappenthier, wie Drachen und Adler auf den Thorpfei-
lern des Eingangs der Villa Borghese oder Pinziana, deren
Motiv aus der Villa Adriana entnommen ist.

Als im iZ. und rüten Jahrhunderte in Italien, vor-
züglich unter den Pontifikaten der Medizi und Farnese's:c.
be» der Leitung der M i ch e l - A n g e l o's, R a p h a e l s ,
B r a m a n t e 's rc. der Geschmack für die Künste mit Leiden-
schaft wieder erwachte, verstand man das Anfstellen der
Statuen (der alten aufgefundenen so wie der nenverfer«
tigten) unendlich besser, und vertheilte sie weislich und mit
Genie ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß, wenigstens
wie man sich dieselbe dachte, — auf Fontaine«., in Höfen,
an Äirchthürmen, in offnen Logen eigen dazu erbaut oder
schon für andre Zwecke bestehend, in Gebüschen und Gärten.
Unter unendlichen Bepspielen begnüge man sich am Farnesi-
scheu Herkules im Hofe des Palastes Farnese, *) jetzt nebst
der Flora rc. im Palaste der Studj zu Neapel, an der

*) Der Torso Farnese steht zwaruoch zu Neapel iui F'reyen
auf dem Spaziergänge der Villa reale. — Aber cs ist
schon das Projekt genehmigt, ihn aus der frischen Lust
in die enge Behausung der Studj zu bringe«. —
Index
There is no information available here for this page.

Temporarily hide column
 
Annotationen