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(E) erinnern, so wie an einen andern auf einem geschnit-
tenen Steine. (F) Somit bildet die Seite des Pferdes die
Haupt-Ansicht zugleich mit der Haupt-Ansicht der Figur,
und beleidigt nicht mehr durch seine Lage außer dem Gleich-
gewichte. Die Hälfte des Harnischs des einen (Heroen)
neuergänzt, und der andre, wie vor Alters, zur Hälfte
davor gelassen, die innere unvollendete. Seite des Pferdes,
fehlerhaft, und modern ergänzt; die Schultern und Drap-
, perie der Helden zum Theile mangelhaft, sind sämmtlich Ar-
gumente, zur Bestätigung für Jemand, der vermuthen woll-
te, die Seite des Pferdes und der Rucken des Colossen
hätten ursprünglich ein Gebäude hinter sich gehabt.
Und wenn man mir auch beweisen wollte, daß sie (die
Colossen) zur Zeit S-ir t V., so wie sie jetzt stehen, in
den Bädern Constantins gefunden worden, *) so würde
ich frey und unbedenklich erwiedern; „daß der gute Sty!
zur Zeit Constantins, und der gute Geschmack in den
schönen Künsten schon so sehr in Verfall war, daß man oh-
ne Einsicht, durcheinander Werke der Sculprur und Ar-
chitektur zusammenbrachte, woher denn nvthwendig un-
schickliche und verwirrte Verbindungen entstehen mussten,
wie man noch heutiges Tages an verschiedenen Gebäuden aus
jener Epoche und insbesondere am Bogen des Constantins
sehen kann, wo mehrere Basreliefs durcheinander ans dem
Bogen des TrajanS eingesetzt sind, die zur Zierde und Ge-
schichte eines andern Kaisers dienten.
Es ist unwahrscheinlich, daß jemand hier die Kehrseite
eines Medaillons **) des Antinous entgegensetzen wollte,
*) In der That sind durch ein fast unerklärliches Schicksal
die bepdcn Colossen von Monte Eavallo unter allen
Zerstörungen der Alterthümer, deren Geschichte man, recht
brav geschrieben, in F e a's Abhandlung sullo Rovine di
Roma, hinter dessen Ausgabe von Wiukclmanns
ldlonnmenti inediti findet — immer vor den Badern
des Sonstanti»'s auf dem Quirinalc stehen geblie-
ben. Mau hat mehrere Zeichnungen und Kupferstiche
derselbe», vor der Epoche che S irt V. sie da wo sic
jetzt sich befinden, hinbringcn ließ; einer der besten, in
den Discorsi sopra le anlichita di Roma da Vincenzo
Scamozzi conXL. tavole in rame. Venezia 1082. Die
Colossen standen ungefähr (nach S c a m 0 j 51 , der ziem-
lich genau gezeichnet, was er gesehen), wie jetzt— wo
nicht etwas naher.zusammen, beyde auf demselben lan-
gen Piedestale, das einer ungeheuren korinthischen
Cornichc mir einem Eyerstocke gleicht, und mir verschie-
dentlich die Idee erzeugte, als hätte sic ans dem Sonnen-
tempel auf dem O.nirrnale entnommen sey» können, von
welchem man ebenfalls ttcberbleibsel im Garten Colon-
na ans. Monie Eavallo unter der schönen Pinie findet,
die über ganz Rom hervorragt. — Unter den Schlossen, in
diesem Piedestale, bemerkt man eine Tbüre. Die In-
schriften gibt Scamozzi wie folget t Opus Bidio und
Opus PracAclis.
A n m e rk. des U c b e r se tz c r s.
») Hr. Canvvä hat die Zeichnung dieses Medaillons
des Antinous nicht bcygesügu —
welches vielleicht bas Motiv gewesen sehn kann, die Colossen
so zu gruppiren; denn diese Gruppe, die einen Merkur mit
dem Pegasus zeigt, ist einem geflügelten Gotre, der ein ge-
flügeltes Roß am Zügel hält oder vielmehr begleitet, welches
sich anschickt in die Höhe zu fliegen, wenn es sich nicht be-
reits in die Lüste erhoben, ganz angemessen, da gegentheils
in unscrm Falle es sich handelt (bep den Colossen), ein Pferd
mit Gewalt zu bändigen, wobep jene Vorstellung (des Me-
daillons) unangemessen und unschicklich wäre.
Auch die Meinung derjenigen verdient wohl nicht be-
rücksichtigt zu werden, die, weil sie in den Ecken eines
SUkophags *) zu der darauf ausgedrückten Geschichte gehö-
rig, einen unfern beyden Colossen.ähnlichen Krieger gese-
hen, nun glauben, auch diese Heroen hätten an den Sei-
ten eines Grabmahles gestanden, ohne zu bedenken, wie
unangenehm und unvollkommen an einem isolirten Grab-
mahle dergleichen Darstellung, wie sie sich einbilden, näm-
lich ans einer Seite und von demselben Srandpunkt aus
ein kühnes Roß ivelches bäumt, und auf der andern de»
Helden blos mit einem Kopfe (des Pferdes) und zwey
aufgehobenen Beinen grnppirt. wobey man, wie man es
gegenwärtig nicht hat, ebenfalls keines sch-,«-,> Gesichtspunkts
' genossen haben würde.
Ich sollte hier zwar noch etwas Genaueres von dem ho-
hen Verdienste dieser Werke berühren. Aber dieses würde
mich von dem eigentlichen Zwecke dieses Briefes abziehen,
der nur eine Vermurhung von mir anseinander zu setzen
bestimmt war, ohne sie mit Urkunden und Gelehrsamkeit
zu belegen.. Jedoch freut es mich Ihrer feinen Beurthei-
lung und tiefen Kenntnissen eine Bahn geöffnet ^zu haben,
um Sie in den Stand zu setzen, diesen meinen rohen Ent-
wurf auszuführen, und mit solchen Bemerkungen zu berei-
chern, mit welchen Sie ihre sorgfältigen und gelehrten Un-
tersuchungen zu schmücken verstehen. Das Einzige könnte
ich be» dieser Gelegenheit higzusetzen, „daß beyde großen
Meister, P hidias und Prariteles, sehrznsrieden seyn
würden, ihre Namen so herrlichen Denkmalen eingegraben
zn sehen, die, ohne ihnen Schande zu machen, sich anmaßen
dürfen, ihre Kinder zu seyn. - Wer indessen glauben woll-
te, in ihnen (den Colossen) den Alerander zu erblicken, der
den Buccphalus bändigt, müsste davon abstehen, sie für die
Verfertiger zu halten, da einer dieser Künstler bevnahe
ein Jahrhundert vor dem berühmten Mazedonier geblüht
hat... Wahrscheinlich also sind sie die Castoren (d. h. die
Diescuren) und von welcher Hand oder Zeit sie auch seyn
mögen, sie werden immer ihre Ansprüche behaupten, zu
*) Vermnthlich ist hier di« Rebe von dem Sarkophage
des Alerander Severns und seiner Gemahlin», im un-
tern Geschosse der Eapitoliuischcn Sammlnyg.
(E) erinnern, so wie an einen andern auf einem geschnit-
tenen Steine. (F) Somit bildet die Seite des Pferdes die
Haupt-Ansicht zugleich mit der Haupt-Ansicht der Figur,
und beleidigt nicht mehr durch seine Lage außer dem Gleich-
gewichte. Die Hälfte des Harnischs des einen (Heroen)
neuergänzt, und der andre, wie vor Alters, zur Hälfte
davor gelassen, die innere unvollendete. Seite des Pferdes,
fehlerhaft, und modern ergänzt; die Schultern und Drap-
, perie der Helden zum Theile mangelhaft, sind sämmtlich Ar-
gumente, zur Bestätigung für Jemand, der vermuthen woll-
te, die Seite des Pferdes und der Rucken des Colossen
hätten ursprünglich ein Gebäude hinter sich gehabt.
Und wenn man mir auch beweisen wollte, daß sie (die
Colossen) zur Zeit S-ir t V., so wie sie jetzt stehen, in
den Bädern Constantins gefunden worden, *) so würde
ich frey und unbedenklich erwiedern; „daß der gute Sty!
zur Zeit Constantins, und der gute Geschmack in den
schönen Künsten schon so sehr in Verfall war, daß man oh-
ne Einsicht, durcheinander Werke der Sculprur und Ar-
chitektur zusammenbrachte, woher denn nvthwendig un-
schickliche und verwirrte Verbindungen entstehen mussten,
wie man noch heutiges Tages an verschiedenen Gebäuden aus
jener Epoche und insbesondere am Bogen des Constantins
sehen kann, wo mehrere Basreliefs durcheinander ans dem
Bogen des TrajanS eingesetzt sind, die zur Zierde und Ge-
schichte eines andern Kaisers dienten.
Es ist unwahrscheinlich, daß jemand hier die Kehrseite
eines Medaillons **) des Antinous entgegensetzen wollte,
*) In der That sind durch ein fast unerklärliches Schicksal
die bepdcn Colossen von Monte Eavallo unter allen
Zerstörungen der Alterthümer, deren Geschichte man, recht
brav geschrieben, in F e a's Abhandlung sullo Rovine di
Roma, hinter dessen Ausgabe von Wiukclmanns
ldlonnmenti inediti findet — immer vor den Badern
des Sonstanti»'s auf dem Quirinalc stehen geblie-
ben. Mau hat mehrere Zeichnungen und Kupferstiche
derselbe», vor der Epoche che S irt V. sie da wo sic
jetzt sich befinden, hinbringcn ließ; einer der besten, in
den Discorsi sopra le anlichita di Roma da Vincenzo
Scamozzi conXL. tavole in rame. Venezia 1082. Die
Colossen standen ungefähr (nach S c a m 0 j 51 , der ziem-
lich genau gezeichnet, was er gesehen), wie jetzt— wo
nicht etwas naher.zusammen, beyde auf demselben lan-
gen Piedestale, das einer ungeheuren korinthischen
Cornichc mir einem Eyerstocke gleicht, und mir verschie-
dentlich die Idee erzeugte, als hätte sic ans dem Sonnen-
tempel auf dem O.nirrnale entnommen sey» können, von
welchem man ebenfalls ttcberbleibsel im Garten Colon-
na ans. Monie Eavallo unter der schönen Pinie findet,
die über ganz Rom hervorragt. — Unter den Schlossen, in
diesem Piedestale, bemerkt man eine Tbüre. Die In-
schriften gibt Scamozzi wie folget t Opus Bidio und
Opus PracAclis.
A n m e rk. des U c b e r se tz c r s.
») Hr. Canvvä hat die Zeichnung dieses Medaillons
des Antinous nicht bcygesügu —
welches vielleicht bas Motiv gewesen sehn kann, die Colossen
so zu gruppiren; denn diese Gruppe, die einen Merkur mit
dem Pegasus zeigt, ist einem geflügelten Gotre, der ein ge-
flügeltes Roß am Zügel hält oder vielmehr begleitet, welches
sich anschickt in die Höhe zu fliegen, wenn es sich nicht be-
reits in die Lüste erhoben, ganz angemessen, da gegentheils
in unscrm Falle es sich handelt (bep den Colossen), ein Pferd
mit Gewalt zu bändigen, wobep jene Vorstellung (des Me-
daillons) unangemessen und unschicklich wäre.
Auch die Meinung derjenigen verdient wohl nicht be-
rücksichtigt zu werden, die, weil sie in den Ecken eines
SUkophags *) zu der darauf ausgedrückten Geschichte gehö-
rig, einen unfern beyden Colossen.ähnlichen Krieger gese-
hen, nun glauben, auch diese Heroen hätten an den Sei-
ten eines Grabmahles gestanden, ohne zu bedenken, wie
unangenehm und unvollkommen an einem isolirten Grab-
mahle dergleichen Darstellung, wie sie sich einbilden, näm-
lich ans einer Seite und von demselben Srandpunkt aus
ein kühnes Roß ivelches bäumt, und auf der andern de»
Helden blos mit einem Kopfe (des Pferdes) und zwey
aufgehobenen Beinen grnppirt. wobey man, wie man es
gegenwärtig nicht hat, ebenfalls keines sch-,«-,> Gesichtspunkts
' genossen haben würde.
Ich sollte hier zwar noch etwas Genaueres von dem ho-
hen Verdienste dieser Werke berühren. Aber dieses würde
mich von dem eigentlichen Zwecke dieses Briefes abziehen,
der nur eine Vermurhung von mir anseinander zu setzen
bestimmt war, ohne sie mit Urkunden und Gelehrsamkeit
zu belegen.. Jedoch freut es mich Ihrer feinen Beurthei-
lung und tiefen Kenntnissen eine Bahn geöffnet ^zu haben,
um Sie in den Stand zu setzen, diesen meinen rohen Ent-
wurf auszuführen, und mit solchen Bemerkungen zu berei-
chern, mit welchen Sie ihre sorgfältigen und gelehrten Un-
tersuchungen zu schmücken verstehen. Das Einzige könnte
ich be» dieser Gelegenheit higzusetzen, „daß beyde großen
Meister, P hidias und Prariteles, sehrznsrieden seyn
würden, ihre Namen so herrlichen Denkmalen eingegraben
zn sehen, die, ohne ihnen Schande zu machen, sich anmaßen
dürfen, ihre Kinder zu seyn. - Wer indessen glauben woll-
te, in ihnen (den Colossen) den Alerander zu erblicken, der
den Buccphalus bändigt, müsste davon abstehen, sie für die
Verfertiger zu halten, da einer dieser Künstler bevnahe
ein Jahrhundert vor dem berühmten Mazedonier geblüht
hat... Wahrscheinlich also sind sie die Castoren (d. h. die
Diescuren) und von welcher Hand oder Zeit sie auch seyn
mögen, sie werden immer ihre Ansprüche behaupten, zu
*) Vermnthlich ist hier di« Rebe von dem Sarkophage
des Alerander Severns und seiner Gemahlin», im un-
tern Geschosse der Eapitoliuischcn Sammlnyg.



