Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 19.1838

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seiner Gemahlin und den Kindern, ist in der Gruppirung
der Figuren sehr gut, doch könnte der Ausdruck wohl
stärker angedeutet, auch die Farben der Kostüme in etwas
lvirksamcren Gegensätzen gewählt sexn. Bennerts »Golo
hei den Hirten" (nach Tiecks Genovefa) ist hübsch gedacht,
aber viel zu unbestimmt charakterisirt. Volkart's Scene
aus Faust enthält manches Gelungene, obgleich die Haupt-
personen hinter der Goethe'schen Schilderung Zurückbleiben.

Von den Zeichnungen verdient besonders Hasen-
clevers drollige und lebendige Scene aus der Jobsiade
alle Beachtung, sie muß ein ganz vortreffliches Bild geben.
Der junge Herr Jobs, den die Familie als wohlbestallten
Kandidaten des Predigtamtes erwartet, tritt gestiefelt
und gespornt, mit kurzer Reiljacke und einem hohen
Federhute ein, die ganze Familie in das größte Erstaunen
versetzend. Das Burschikose des Hieronymus, der ver-
schiedene Ausdruck des Befrenidens, des Schreckens bei
Len Alten, und des Fürchtens bei den Kindern, ist ganz
Vorzüglich gelungen.

Spät erhielten wir noch von Riedel aus Rom ein
holdseliges Bild, eine »Fischerfamilie." Frische und Reiz
der Carnativn, ungemeine Lieblichkeit der beiden Mädchen
machten das Bild bald zum Liebling des Publikums.

Das Genrebild von Fiorini in Rom, eine Wahr-
sagescene bei Lampenlicht, ist gut cvmpvnirt, der Ausdruck
der zum Theil höchst intercssanten Gesichter der Scene
entsprechend, und der Effect bei den tiefen Schatten be-
deutend. I. Petzl ist eines der eigenthümlichsten, pro-
ductivsten Genies. Er hat ein Talent für charakteristische
Ausfassung und für malerische Gruppirung, wie Wenige.
Mit Hülse seiner leicht entworfenen Skizzen malt er die
größten, figurenrcichsten Bilder, ohne eines Modells zu
bedürfen, und doch sind höchst selten Zcichnenfehler zu
bemerken. Die Scene des ersten Bildes — Unterzeich-
nung eines Ehecontracts — spielt in Oberitalicn, und
trägt durchaus den Stempel der Vvlkseigenthümlichkeit.
Der Bräutigam sizt halb nachlässig, ja anspruchsvoll zur
Linken, der joviale Notar in der Mitte reicht der noch
einiges Bedenken äußernden Braut die Feder zum Unter-
schreiben. Ucberhaupt scheint die Familie der Braut mit
manchem Artikel nicht ganz zufrieden, und der des Bräu-
tigams mehr an der Erfüllung des Cvntracts gelegen zu
seyn. Dieses Gemälde gehört zu Petzls vorzüglichsten
und ist von milder, sehr harmonischer Farbenwirkung,
auch in allen Details sauber ausgcführt. Täuschend er-
scheint unter andern das Backwerk, die Früchte und der
Hummer. Petzls zweites Bild: «attische Frauen am
Monument des Lysikrates bei dem Einzuge König Otto'c",
ist zu bunt in der Farbe. Adams Pferde fanden auch
hier die wohlverdiente Anerkennung. Die abgetriebenen
der französischen Kürassiere auf der »Rctirade auö Ruß-
land", leidend vor Kälte und doch in den Flanken schwitzend,

zeugen von scharfem, sicherem Naturstudium. — Zum
ersten Male hatten wir auch zwei Gemälde von Peter
Heß. Eine Plünderungsscene bei Lützschena, ohnweit Leip-
zig, aus dem I. isi3, welche zu den saubersten und aus-
geführtesten Werken dieses großen Meisters gehört, und
sich vor allen ähnlichen auf der Ausstellung auch durch
seine schöne, klare Farbe auszeichnete. Ein zweites Bild,
ein Heuwagen mit Ochsen bespannt, ist aus Heß's frü-
herer Zeit. Heine fetter gibt das Schlachtgewühl mit
seinem Gewirre, Drängen und Weichen höchst lebendig,
Monte« dagegen einfacher, aber ansprechender, und besser
gemalt. Zwei Gemälde vom General von Heydeck,
»badende Mädchen" und »eine Bettlerscene", sind nette
Cabinetbilder. Der Heuwagen bei Sturm von Marr in
München zeigt Vieh und Menschen in voller Thätigkeit;
nur begreift man nicht, warum die Leute den Wagen mit
so großer Anstrengung im Gleichgewicht halten wollen, wel-
cher nicht im Mindesten in Gefahr ist. Der Frachtwagen
mit vier Pferden, von Klein in Nürnberg, ist ganz nach
dem Leben und vortrefflich ausgeführt; nur schade, daß der
Ton der landschaftlichen Ferne die Wirkung beeinträchtigt.
Soltau's in München »Flußfahrt auf der Isar" ist ein
bedeutendes Bild. Die Menge Leute aus mittlerem und
niederem Stande, welche die wohlfeile Gelegenheit zur
Reise benutzen, bilden zusammen malerische, oft sehr naive
Gruppen. Auch in den Charakteren ist Wahrheit und
Abwechslung. Die entferntesten Personen sind indeß zu
bedeutend hervorgehvben, und in der Größe und Aus-
führung gleich, weshalb dem Bilde das harmonische Gleich-
gewicht mangelt. »Spielende Kinder" von Sagstetter
sind ganz dem Leben nachgcbildet, anspruchlos und doch
ansprechend. Auch sein »alter Fiedler" ist lobenswerth.
Auf Völkers »Hcimzug von der Benedictenwand" ist
das Steigen, die Anstrengung der zum Theil schwer
Tragenden ganz vorzüglich ausgedrückt, nur die zu schön
rothe Gesichtsfarbe der Leute nicht ganz natürlich. »Der
Geiger an der Wiege" von Feistkorn in München ist
mehr eine gestellte Gruppe, welcher das Naive und Ge-
mürhliche fehlt. Die Genrebilder von Kreul in Nürn-
berg sind zwar sehr sauber, aber doch auch ziemlich flach
gemalt. Spitzwegs Bilder bestechen aus der Ferne durch
ihre Farbe, in der Nähe erscheinen sie leer und unbedeu-
tend. In dem Bilde »Gefangene Wilddiebe werden ein-
gebracht", von Tischbein in Bückeburg, ist viel Hand-
lung. Recht launig u. a. ist der Alte, der anscheinend
sich zum Helden des Fanges zu machen bemüht ist, und
recht unternehmende Leute sind die Wilddiebe. „Die
Brautfahrt von Brannschweiger Bauern" von C. Schrö-
der in Braunschweig, ist echt vvlksthümlich und ganz
dem Leben nachgebildet. Die Anordnung des Bildes ist
sehr gut, und das Interesse wird durch manches Komische
rege gehalten. Die andern Gemälde von Schröder sind
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