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15.

K « n s t - P l a t t.

Vicnstag, den 19. Februar 1830.

Glasmalerei in München und Paris.

(Aus dem Französischen desllournal äes Oodats, 20. Dec. 1838.)

I. prüf -cs Herrn v. Schclling, Präsidenten der k.
Akademie der Wissenschaften in München, an
Herrn Saint-Mare Girardin über die Fortschritte
der Olasinalerci in Kstünehcn.

(Fortsetzung.)

Zweite Epoche.

1832—1838. Arbeiten für die im gothifchen Styl
gebaute Kirche der Vorstadt Au in München.

Der König hatte den Bau dieser Kirche besohlen und
sich die Ausschmückung derselben mit gemalten Glasfen-
stcrn Vorbehalten. Die Kirche sollte deren neunzehn er-
halten, wovon sieben dem Chor und zwölf dem Schiff an-
gehörten. Die Höhe derselben betrug etwa 45, die Breite
‘,2 Par. Fuß. Die sämmtlichcn Gemälde sollten Scenen
gus dem Leben der heil. Jungfrau darstellcn und prächtig
verziert werden. Der vom Prof. Heß, sowohl im Gan-
zen, als im Einzelnen, entworfene Plan erhielt den Beifall
des Königs.

Ich wende mich nun zur Auszählung der bisher er-
ledigten Arbeiten in chronologischer Ordnung.

1852. Hau ptfenstcr des Chors, Maria Him-
melfahrt und Krönung darstellend, nach ei-
ner Zeichnung von Rüben.

. Die Verzierungen waren bei diesem, wie bei allen
folgenden Fenstern vonAin müller angegeben. Das zu
Ende des Jahrs öffentlich ausgestellte Gemälde fand all-
gemeine und ausgezeichnete Anerkennung.

1855. Zweites Fenster des Chors. Gegenstand:
die Kreuzigung Christi, Zeichnung von Ru-
ben.

1854. Drittes Chorfeu ster, die G cburt Christi
darstellend, nach einer Zeichnung von Schran-
dolph und Fischer.

tim diese Zeit fing der Ruf der Münchener Anstalt
an sich ins Ausland zu verbreiten. Mehrere französische
Künstler, u. A. Ziegler von Paris, benuztcn die ihnen
gebotene Gelegenheit, von dem Stande der Glasmalerei
in München Kenntniß zu nehmen.

1855. Viertes Chorfenster, der Tod der heil.
Jungfrau, nach S ch r a u d 0 l p h und F i s ch e r's
Zeichnu »gen.

Um diese Zeit machte die Fabrication der GlaStafeln
bedeutende Fortschritte. Frank hatte bereits eine be-
trächtliche Anzahl Sorten anfertige» lassen; indeß wurden
durch die Vervollkommnung dieses Fabricationszwcigs we-
sentliche Vortheile gewonnen. Der NameAinmüller's
ist bereits verschiedencmale rühmend angeführt worden;
aber auch in technischer Beziehung entfaltete er das aus-
gezeichnetste Talent, die werthvvllsie» Kenntnisse. Von
ihm ging der glückliche Gedanke aus, daß man die Tafeln
nicht nur auf der einen Ober,lache, wie bisher, sondern
einmal in der Masse und ferner auf der einen Seite mit
zwei verschiedenen Farben versehen könne. Wem es be-
kannt ist, wie schwer es hält, Glasoberflächen von noch
so geringer Ausdehnung mit Malerfarben zu bedecken,
der wird auf der Stelle die ans einer solchen Fabrica-
tionsweise entspringenden großen Vortheile würdigen
können. Von nun an erhielt der Künstler alle Fleisch-
töne, alle graulichen und grünlichen Töne behufs der
Verzierungen, alle Abstufungen der drei Hauptfarben, in
welcher Kraft oder Mischung er derselben auch bedürfen
mochte, gleich fertig auf de» aus der Glashütte kommen-
den Tafeln.

1856. Sechtes und siebentes Chorfenster, das
erstere die Grablegung Christi, das leztere
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