Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 22.1841

Seite: 355
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstblatt22_1841/0368
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
355

Indessen soll mit diesen Andeutungen in Bezug auf
unser Bild vorläufig weiter nichts gesagt scyn, als daß
durch diese und ähnliche Vorstellungen, welche thcils auf
uralten Localerinnerungen beruhlen, theils aber auch als
l'lofie Combinationen zu betrachten sind, welche aus jener
fruchtbaren Bedeutsamkeit, deren keine Gestalt antiker
Religion oder Poesie entbehrt, sich von selbst ergeben
mußten, dem griechischen Künstler allenthalben der reichste
Stoff geboten war, um einen vielleicht ganz individuellen
und bloß künstlerischen oder poetischen Zweck zu erreichen,
ohne dcßhalb in das Gebiet der reinen Willkür abzu-
irren. Ich erlaube mir bei dieser Gelegenheit noch ein
Wort im Allgemeinen. Die durchgehende Bedeutsamkeit
der griechischen Maler- und Bildwerke soll und kann
nicht geläugnct werden. Aber eben so nachdrücklich ver-
wehrt es die Natur einer jeglichen Kunst, in jeder Ein-
zelnheit ihrer Prodncte zugleich ein für sich schon sachlich
Bedeutsames zu erkennen, und als materiellen Zweck
anzusprechen, was vielleicht bloßes Mittel der Compo-
sition war. Der glückliche Vorzug dcS antiken Künstlers
besteht in der Regel nur darin, daß ihm in einer Welt,
wo Alles bedeutsam war, selbst zu bloß künstlerischem,
ja technischem Bedarf, ein schlechthin Vedeutungsleeres
gar nicht zu Gebot stand. Nie aber, weder der Natur
und dem Leben, noch seiner Religion und Poesie gegen-
über, konnte es Bestimmung des Künstlers scyn, ein
schon Gegebenes daguerreorypisch zu firiren. Vielmehr
setzt seine Werkthätigkeit nur das Verhältniß lebendig
schaffender Wechselbestimmung fort, in welchem die Poesie
zum Mythus, der Mythus zu Symbol und Cnltus steht.

(Fortsetzung folgt.)

Nachrichten vom August.

Ltrlistischcr Verkehr.

Nom, 6. Aug. Die hiesigen Künstler bereiten eine große
Sendung von Bildern zur Ausstellung in Triest vor, wo
inan im vorigen Jabre bedeutende Ankäufe von den aus Rom
eingeschickten Gemälden machte.

Paden-Vaden, 26. Aug. Der hier jetzt anwesende
Kunsthändler Goldman» führt eine Auswahl trefflicher
alter Gemälde bei sich, unter denen sic» die bekannte Ma-
donna von Murillo aus der Zinzcndorfcr Sammlung befindet.
Herr Goldman», dessen Preise mäßig find, har bereits meh-
rere Bilder hier verkauft. Weniger glücklich war bis jetzt
Hr. Zeis aus München mit seiner trefflichen Sammlung
von Genrebildern lebender Künstler.

Berlin, 28. Aug. Unter den Bildern, welche der be-
kannte Kunsthändler Man eg« aus Genf gegenwärtig hier
zum Verkauf ausgestellt hat, befinden sich auch mehrere werth-
volle italienische, namentlich eines, das von Raffael hcr-
rühren soll und aus der Galerie des Grafen Dclla Rvcca
von Scalen«, aus dem Schlosse Almaviva bei Aosta kommt.

Es stellt die h. Jungfrau dar in einem gelbröthlichen Ge-
wände, wie sie neben einem einfachen Tische steht, auf dem
sich ein Buch, eine Lampe und eine Spindel befinden. Der
Styl erinnert an den der Jardinivre in Paris und bat nur
noch einen leisen Anflug von dem Peruginesken, das Raffaels
frühere Bilder bezeichnet. Der Farbenton ist äußerst zart
und der Ausdruck des Gesichts ungemein lieblich. Zwei andere
Bilder des Coreggiv (die Jungfrau mit dem Kinde und
Johannes) und eine heilige Familie von Ghirlandajo
stammen aus derselben Sammlung. Auch ein schönes Por-
trät, angeblich von Tizian, niederländische Porträts von
Franz Hals, Van der Heist und ein treffliches archi-
tektonisches Bild von Dclormc, das Innere einer erleuch-
teten Kirche, sind hervorzuhebcn.

Neue Kupfer- und Stahlstiche.

Leipzig. Porträt des k. preußischen Capellmcistcrs Felix
Mendelsvhn- Bartholdy, nach einem Gemälde von Hildebrand
gestochen in einer gemischten Punkiir-, Roulett- und Grab-
stichel-Manier von Wrankmore. Englische Kunstanstalt.
Dieß ist das erste Blatt einer Reihe von Porträts deutscher
Künstler und Gelehrten, welche diese Anstalt hcrauszugebcn
beabsichtigt.

Heilbronn am Neckar, vr. Justinus Kerner, Brust-
bild, nach der Natur gezeichnet und gestochen von Anton
DuttenHofer (der Sohn des rühmlich bekannten Land-
schaftstechcrs, jetzt in Rom).

Karlsruhe in Kommission bei Bielefeld: Die Gräber-
straßc in der Campagna von Rom. Nach H. Bürkel vor-
trefflich ln Stahl gestochen von LvniS Hoffmeister. (Das
Originalgemälde ist jetzt im Besitz des Kaisers von Rußland.)

Düsseldorf bei Buddcus: Der Kirchgang, nach einer Zeich-
nung von E. Bendemann gestochen von Oelschig.

Nom. Schiller's Porträt, nach einem 1787 , also im
28(1«« Lebensjahre des Dichters, von dem Landschaftsmaler
Reinhardt (aus Hof in Bayern gebürtig) zu Meiningen nach
der Natur gezeichneten Originale, in Stahl gestochen von
E. Küchle r.

Neue Kthographicn.

Berlin. Porträt des Großsultans Abdul Mädschid, nach
dem Originale von Kretschmer lithographirt' voij Jentzen.

Ein Meßner, das AUerhciligste tragend, von einem
Knaben durch den Bach geleitet, nach Daege's Originale
lithographirt von E. Lange (Pendant zu Daege's barmher-
zigem Mbnch.)

Beide Blätter in der Lüdcritz'schcn Kunsthandlung.

Düsseldorf bei Buddeus: „Maria Magdalena und die
andere Maria setzten sich dem Grabe gegenüber." Nach einem
im Besitz des Herrn Bernus de Fay i» Frankfurt a. M. bc-
sindlichc» Gemälde von Philipp Veit, lithographirt von
Hahn in der lithographischen Anstalt von P. C. Stern zu
Frankfurt a. M.

Kupserwerke.

London. Von Claude Lorrain's lAbor sluäiorum
ist das zweite Heft mit 2v Platte» erschienen. Preis ä Guineen.
loading ...