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<utf allen Seilen nunmehr der Fortban des Domes in Angriff
genommen wird und derselbe, den Allerhöchsten Anordnungen
zufolge, so viel als möglich dem ursprünglichen Plane gemäß
ausgeführt werden soll, so erscheint cs im höchsten Grade
wünschenswcrth, daß Alles gesammelt werde, was nur irgend
Licht über diesen Plan zu verbreiten geeignet ist. Leider sind
durch die Ereignisse der neunziger Jahre die Archive des
Domes zerstreut worden, und was sie enthielten ist fast bis
auf die Spur davon verloren gegangen, so daß, außer den
Rissen der Thurmfaxabe, kein Originalplan vorlicgt. Im
höchsten Interesse der großen Dombausache erlauben wir uns,
unter diesen Umstanden an alle Diejenigen, welche irgend
Auskunft über die ursprünglichen Entwürfe oder deren Schick-
sal zu geben im Stande sind, oder welche hierauf bezügliche
Schriften und Zeichnungen besitzen sollten, die dringende Bitte
zu richten, Mittheilung davon gefälligst an uns ergehen zu
lassen; insbesondere aber ersuchen wir die Herren Vorsteher
von Archiven und Bibliotheken ihre Aufmerksamkeit diesem
Gegenstände zuwenden zu wollen."

Malerei.

Dcrlin. , Die von dem König zur Ausschmückung des
königl. Schlosses in ErdmannSdorf bestimmten und von dem
Glasmaler Müller ausgeführten Glasmalereien haben wir,
vor ihrer Absendung nach Schlesien, in dem weißen Saale
des hiesige» königl. Schlosses aufgestellt gesehen. Es sind de-
ren im Ganzen 28, li größere und 16 kleinere, von denen
die letzteren zur Ausschmückung der Erkerfenster dienen sollen.
Die Darstellungen sind rein heraldisch; cs sind die Wappen
der alten Bestandtheile Schlesiens, der verschiedenen dazu ge-
hörigen Fürstcnlhümcr, der bedeutendsten Städte und die eini-
ger, mit der Geschichte Schlesiens i» Verbindung stehender,
fürstlicher Personen. Bei der große» Mannigfaltigkeit der
Wappenfarben gewahrt eine solche heraldische Gallerie eine
sehr reiche Farbcnschau, und die Art und Weise der techni-
schen Behandlung Müllers erinnert namentlich an die Ma-
nier der schweizerischen heraldischen Glasmalereien, von denen
sich in den Kunstsammlungen in Deutschland, England, Ita-
lien und Frankreich eine so große Menge zerstreut findet.

London. Auch die englischen Künstler fangen an, sich
in Fresken zu versuchen, und Stanfield, Uwins, E.
Landsecr, Mac Elise, Sir W. Roß, Eastlakc. City
und Lcslic sind in diesem Augenblicke mit Ausführung von
solchen für den Palast der Königin, Buckingham-House, be-
schäftigt. Das Zimmer, welches mit Fresken bemalt werden
soll, ist in acht Felder gethcilt. und jene acht Künstler haben
den Auftrag erhalten, in diese Abtheilungen Darstellungen
ans Milton's Komus zu malen. Landsecr hat nur erst eine
Skizze, nicht ein Bild vollendet. Stanfield, Sir W. Roß,
Mac Elise und Uwins sind mit ihren Bildern fertig. Die Fi-
guren sollen halbe Lebensgröße habe».

Paris. Louis Bo »lang er hat seine Malereien im
Fcstsaal der Pairskanuner beendigt. Dem Eingänge gegen-
über sind in zwei größeren Füllungen in weiblichen Figuren
daracstcllt: das Nachdenken, eine schöne Frau in grübelnder
Haltung, unter Büchern und wissenschaftlichen Instrumenten,
neben einer andern schlummernden Frau; über beide breitet
die Nacht ihren Sternenschlcier ans, begleitet von einem Ge-
nius mit einer Eule. Die Starke, ein robustes Weib in vollen
Formen, bei ihr zwei Athleten und ein Genius, der einen
Säulenschaft trägt. Fünf andre allegorische Figuren sind die
Eintracht, der Friede, die Milde, die Gerechtigkeit und die

Wahrheit. An der Decke ist eine Versammlung berühmter
Männer verschiedener Zeiten und Länder, wie Homer, Cäsar,
Plutarch, Virgil, Tacitus, Sokrates, Alexander, Karl der
Große, Ludwig der Heilige u. s. w.

Die Regierung hat bei zwei ausgezeichneten deutschen
Malern, welche sich hier aufhalten, Bestellungen gemacht»
Bei Bontcrweck die eines großen Altarblattes, „die Ver-
kündigung Mariä," und von sieben Heiligenbildern, letztere
für die neue in Paris gebaute St. Paulskirche; und bet
German Boh» die eines großen Gemäldes für den Chor
der Kathedrale des heil. Martin zu Tours, mit einer Dar-
stellung, deren Wahl dem Künstler überlassen blieb, und wo-
für derselbe eine von dcni Heiligen vollbrachte Tvdkenerwcckung
genommen hat.

GrigimUzeichnungen.

London. In den, Gewölbe des Herrn Colnaghi sicht
man gegenwärtig zwei Zeichnungen, die, aller Wahrschein-
lichkeit nach, Raphael'sclie Originalzeichnungen sind: „Da-
vid, der den Goliath tddtct" und „eine Jungfrau mit dem
Kinde." Die letzte soll aus der Sammlung des Hauses Ccc-
cumani in Perugia herrühren, und das Bild, welches danach
ausgeführt worden ist, befindet sich in der Sammlung des
Dichters und Banquicrs Sam. Rogers. Paffavant hat cs
für acht erklärt, und cs rührt aus der Orlcansschen Gallerte
her. Die Zeichnung ist mit Kreide und Kohle ausgeführt.
Der Carlo» des Goliath ist klein, enthält viele Figuren und
stiinmt mit dem Bilde im Vatikan vollkomnicn überein.

Photographie.

Paris. Die Herren B elfte ld und Leon Fon ca ult
haben ein Verfahren erfunden, wodurch man bei der Ver-
fertigung von Lichtbildern der mühsamen Reinigung und Po-
lirung der Metallplatten überhoben wird. Man säubert die
Platte zuerst mit einer Mischung von Bimsficinpulvcr und
Terpentinessenz, hierauf wird ein Tropfen dieser Essenz, mit
absolutem Alkohol vermischt, mit einer kleinen Quantität
Pulver auf der Platte ausgebrcitet. Diese dünne Lage läßt
man auf der Platte trocknen, was in einer halben Minute
geschieht, und nimmt sic dann mit einem baumwollenen Tam-
pon ab. Die Bilder auf einer so vorbereiteten Platte sollen
vortrefflich ausfallcn.

Die Erfindung, die Lichtbilder auf chemische Papiere statt
auf Metallplattcn zu sixircn, hat die letzten Hindernisse über-
wunden (?) und sich vollkommen bewährt. Der Herzog v. Bas-
sano (Maret's Sohn) und der königs. württemb. Konsul
Solms haben ein Patent darauf genommen und lassen be-
reits in ihrem Etablissement auf dem Carrouffelplatz arbeiten.
Proben, die dem Könige vorgelegt wurden, haben Sr. Maj.
sehr gefallen und den König z„ dem Wunsch veranlaßt, das
ganze Museum in Versailles auf diese Art wiedcrgegebcn zu
sehen.

Plastik.

Paris. Bosio hat in den Werkstätten des Instituts
seine sür das Museum von Versailles bestimmte Marmor-
gruppe, darstellend: „Frankreich, von den schönen Künste»
umgeben," vollendet.

Unter Mitwirkung von Dr. Ernst Förster in München und vr. Franz Kuglcr in Berlin, und unter Verantwortlichkeit

der I. G. Cotta'schcn Buchhandlung.
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