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Montag, d e «

Des Hochschloß zu Mariensurg, mit Blicken auf
das Mittelschloß, die Bauart und den Baumeister.

Nickt ohne große Besorgnis' schreite ich zu der Beschrei-
bung dieses Gebäudes und des mit ihm verbundenen Pracht-
theiles, des Mittelschlvffes; denn wie lassen die großen
Massen sich deutlich entwickeln ? Wie lasst die Pracht und
Größe der Kunst sich würdig durch das immer mattble-.bende
Wort erreichen ? Wird es nicht scheinen, ich zöge das Ge-
ringere, in der Beschreibung leicht Erreichbare, dem Gro-
ßen, Schönen und Mächtigen des einzig dastehenden Bau
Werks vor, da ich jenes umfassen, dieß aber nur andeuten
kann? Alles dieß erkenne ich, und daher möge wenigstens
Hieß e gene Gefühl.mich.entschuldigen, weun ich hinter dem .
Werke zu weit mit meiner Schilderung zurückbleibe.

Ein einiger großer Plan, tem Orden eine Hauptburg
zu bauen, in der d:e Gebieriger saßen, den Krieg rüstecen, '
des Friedens Künste übten und pflegten, gründete die Ma-
rienburg. Manche Beste schon war versucht, auf manches
Schlosses Zinne schimm-rte schon das Kreuz, den Heiden
ein Srrreck oder Graul, den zum Christenthum Bekehrten
ein freudiger, Vertrauen crregenLer Bürge, daß einst über
das ganze Land des alleinigen Gottes Erteiintniß. sich ver-
breiten würde. Schon um 1276 stand hier die Burg der
Man«, der Himmelskönigin, weiche der Orden als seine
Schutzheilige gewählt und vcrehrre. Dies- ist das Hoch
schloß, welches den Gipfel eines Hügels krönte, den die
Narnr schon an die Ufer der Nvgat gestellt und an den die
neuen Bewohner des Landes die Damme lehnten, welche
fortan den Fluten des rciffenden Slrvmes Schranken setzen,
dem Laude Sicherheit.vor den Stürmen des Elements, wel-
ches es so oft verheerte und in Moraste verwandelte, ver-
schaffen, und Segen und Fülle da verbreiten sollten, wo
Unsicherheit bes Besitzes den Bebauer morgen vertrieb, den
heute oas fruchtbare Land angezogen hatte.

Dieß Hochschloß erscheint als.ein Werk, nach einem
großen Plane entworfen, ans den festgebranntesten Ziegeln
Lemackt, sorgfältig und künstlich aneinander gefügt. Ob
das Ganze gleich so entworfen wurde, ob nicht auch hier
hie fortschreitende Macht des Ordens neue Massen auf die

B l a t t

ls. März 1 8 ä s.

alten thürmte, Pracht hervorrief, wo sonst nur das Be-
di'nifniß gewaltet halte, das zu bestimmen, würde jezt im
Ganzen zu gewagt scheinen, da nur au einzelnen Stellen
später geänderte Ansichten klar hervortretcn,■ an einer aber
auch die Geschichte lehrt, wann die Erweiterung unternom-
men ward und durch wen. Im Schlosse selbst ist nichts
mehr daran zu erkennen, da die grauliche Zerstörung alles
vernichtet hat, was eine Anleitung gewähren könnte.

Das Lanze Schloß bildet ein längliches Viereck, welches
einen Hofraum in seiner Mitte umschließt, der eine Läng«
von 85, eine Breite von 102 Fußen hat. Die Mauern
sind.übrigens gediegen und fest, und steigen zu einer Stärke
von 12 bis 12 Fuß, in den untern Räumen mögen sie .noch
dedentend starker seyn. Die Seite gegen Mitternacht *)
hat sich noch vollständig won außen erhalten, wie sie in der
alten Zeit war, indem sie die Kirche enthalt und den daran
stoßenden Kapitelsaal enthielt. Das ganze Hochschloß wurde
von einem Graben umgeben, der sein Wasser ourch den
Mühlteich empfieng, welcher sechs Meile» weit, ein gewal-
tiges Werk, geflihrt ist. Seinen Abfluß nahm das Wasser
des'Grabens in die nabe Nvgat. Vor dem Schroffe, gegen
Mitternacht, ist ebenfalls ein Grabe», der das Hochichioß
vom Mittelschloß trennt (welches in der ersten Einrichtung
die Vorburg war, wie wir weiter unten sehen werden).
Dieser Graben, über den eine Brücke sühne, die noch
durch Graniteckvfeiler angedeutet wird, war immer tro-
cken, nie mir Wasser gefüllt. Gegen Morgen trat in
des Grabens Mitte, weicher Hochichloß und Mittelfchroß
umgibt, eine breite Mauer mit Schießscharten hervor,
und nach einem beträchtlichen Wallgang zog sich entfernter
noch ein zweyter Graben umher, Vorburg und alles das
umgebend, was späterhin dazu gezogen wurde.

Betrachten wir nun zuerst bepm Hochschloß das Gebäu-
de, welches gegen Mitternacht gelegen. Es ist dieß ein
längliches Viereck, ungleich in der Bauart seiner Mauer,

*) Es ist mir wohl bekannt, baß das Schloß nicht regelmäßig
gegen die Himmelsgegend liegt, selbst die Kiriye nicht. aber
zur größer« Abkürzung nehme ich durchweg an, daß die
Lage vollständig regelmäßig wäre.
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