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Nr. Zs

n st - B l a t t.

Montag, dem ic6. A p r i l l Z L i.

'Ueber die Medaillen-Anstalt von Daniel Loos
Sohn in Berlin.

'(Hierzu das beylicgende Kupfer.)

Wie wenig zu läugncn ist, daß Deutschland vor etwa
fünfzig Zähren in den mehresten Fächern des Kunstgebietes
geschickte Künstler besaß, eben so wenig ist doch auch zu ver-
kennen, daß Kunstsinn, Kunstgeschmack und eigentlicher
wahrer Kunstgeist bei, Künstlern und Publikum im Allge-
meinen eben nicht auf besonders hoher Stufe standen. Vor
allen andern aber möchte dieß von der Knust des Medailleurs
in Hinsicht auf Erzeugung zweckmäßiger und geschmackvoller.
Denkmünzen gelten. Seit Hedlingers Tode zu-
mal war-diese Kunst so sehr gesunken, daß sie kaum mehr
würdig.schien in der Reihe der Künste eine Stelle einzu-
nehmen Es fehlte .zwar an geschickten Eiscnschneidern und
Bildgrabern überhaupt .genommen nicht ganz, und manche
einzelne Arbeiten aus jener Periode von nicht gemeiner
praktischer Geschicklichkeit und Ausführung zeugen davon,
daß mit jenes großen schwedischen Künstlers Tode die aus-
übende Kunst nicht ganz verloren gegangen war; aber von
richtiger Zeichnung, besonders auf-den Rückseiten, ange-
messenem Styl der Ausführung und edler, klarer Einfach-
heit der Composition und der ganzen Idee einer verständli-
chen, schönen Denkmünze war wenig in den Produkten je-
ner Zeit anzutreffen. Die mehresten-Denkmünzen der dw
maligen Zeit, nicht selten in Nürnberg angefertigt, sind so
sehr im Nürnberger Ge,'chmack gedacht, gezeichnet und ans-
geführt, daß es kein Wunder ist. wenn, wie die Kunst
selbst, auch der Geschmack des Publikums daran abnahm,
und so die an sich edle, und der Gcschichtsmuse nahe ste-
hende und verwandte Kunst des Slenrpelschneidens dem
völligen Untergange Preis gegeben war.

Daniel Loos (gcstorb. zu Berlin im Zähre 1819)
ermangelte in früherer Zeit zwar der Gelegenheit, ein großer
Künstler dieses Fachs im eigentlichsten Sinne zu werden,
aber voll Talent und mit allen Erfordernissen zum Künst-
ler ausgerüstet, konnte es ihm nicht fehlen, auch bep man-
gelnder Gelegenheit, sich durch sich selbst zum ausgezeich-

netsten praktischen Stcmpelschneidcr zu bilden. Seinem
nachdenkendeu Verstände mufften daher auch sehr bald die
Ursachen einleuchten, welche den Verfall einer Kunst herbey-
sührten, die er zum Zweck seines Lebens gemacht hatte. Eben
deshalb muffte es aber auch ein unablässiges Bestreben für
ihn werden, dem, was er als fehlerhaft und verderblich er-
kannt hatte, nach besten Kräften abzuhelfen, And der Kunst,
welcher er-huldigte, den ihr.gebührenden Rang unter den
übrigen Schwesterkünsten wieder zu erringen.

Anfangs allein, dann in Gesellschaft seines mit nicht
minderem Talent ausgerüsteten Sohnes, des nun auch ver-
storbenen Medailleurs Friedrich Loos, dann mit Un-
terstützung anderer ausgezeichneten Meister, z. B. eines
D öl l und mehrerer der besseren seiner Knnstgenvssen, end-
lich auch mit Hülfe geschickter, jüngerer Künstler, welche
theils seine Zöglinge waren, theils unter seiner Leitung ar-
beiteten. .strebte er unablässig, dieß Ziel fest im Auge habend,
cs auch zu erreichen, und, daß er nicht vergeblich gestrebt,
nicht umsonst seiner Kunst gelebt habe — davon zengensei-
ne Werke, und der durch sie unter uns aufs neue belebte
Geschmack an einer Gattung von Kunstwerken, welche, durch
ihre schönsten Produkte im klassischen Alterthum, seit Wie-
derherstellung der Künste und Wissenschaften, sich die Ach-
tung und Werthschatzung aller Freunde der Künste in allen
Ständen erworben hatte.

Ist es freplich dem wackern deutschen Manne, selbstin
einem langen Leben voll ausdauernderThätigkeitund Treue
nicht gelungen, das vorgesteckte Ziel ganz zu erreichen, und
bleibt seinen Nachfolgern auch noch sehr viel zu thu» übrig,
bis die deutsche Denkmünze ganz das geworden ist, was
sie als Denkmünze überhaupt seyn soll und sepn kann;
so bleibt ihm doch unbestreitbar das große Verdienst, die
Bahn gebrochen zu haben, auch durch Stiftung und Vervoll-
kommnung seiner mit weithin ausgebreitetem Handel ver-
bundenen Anstalt.

Denn indem er nicht dabey stehen blieb, die seltneren,
denkwürdigeren, größeren Ereignisse in der politcschen Welt
durch die Produkte seiner Anstalt zu verewigen; sondern auch
die öfter wiederkehrenden Erscheinungen im religiösen.
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