Nr. 53
K u n fi - Blarr.
M o rt ft g, d e m 2. 3 u l i 18 2 1.
Neue Kupferstiche.
Sankt Sebalds Grab in Nürnberg, in
Erz ausgesührt von Perer Bischer und sei-
nen -Sahnen, gc stochen von Allh recht
Reimdel. Groß -- Folio. Pr. n fl. vor der
Schrift, 5 fl. 3o kr. mit der Schrift.
Hier erhalten wir das berühmte Meisterwerk Peter
Wischers nachgebildet in einem trefflichen Kupferstich, der
hinsichtlich treuer Auffassung sowohl als gelungener Aus
führung zu den besten Blattern gehört, welche der Grabsti-
chel seit lange geliefert hat. .Es war eine schwierige Auf.
gäbe, die persprttivische Ansicht der mannichfaltigeu Glie-
der uuv Massen >n Harmonie zu setzen, und dabey nicht
die Deutlichkeit der »neublichen Menge kleiner Figürchen
und Verzierungen, wo?, it das Monument bedeckt ist, auf-
zuopfern. Bepdes hat jX. Reindel sehr glücklich erreicht, in-
dem er das Ganze Mit heller einfacher Schraffirung behan-
delte. Der bronzene Baldachin ist nur weniges dunkler ge-
halten, als das Silber des Sargs, das sich durch den Glanz
der Ciselirung unterscheidet. Die einzelnen Parrieen der
Bronzearbeit werden durch die verschiedene Lage der Taillen,
und deren nach Ersorderniß zarre oder kräftige Nüancirung
von einander abgehoben, und durch die Reinheit der Schat-
tirung, wie durch eine überaus genaue, streng- und be-
stimmte, aber nichts weger als . harte Angabe der Umrisse,
ist die größte Deutlichkeit bis ins geringste Einzelne hervor-
gebracht. Auf diese Weise bekam das Bild eine sehr lichte
angenehme Haltung, deren ungeachtet man die Eigrnthüm-
lichkeit der Metalle wohl erkennt. Die Ausführung dieses
Blatts läßt si» in ihrer Art mit der von Lvnghi's treffli-
chern Stich nach Raphaels Spvsalizio vergleichen. Dieselbe
Treue für das Original, dieselbe Verzichtleistung auf den
Glan; des Grabstichels. Ungeachtet der kleinen Dimensio-
nen sind die schonen Apostelfiguren äußerst glücklich wicder-
gegeben, und wett vorzüglicher ausgcführt, alS die, welche
Hr. Reindel schon einzeln für das Fraucntaschenbuch ge-
stochen hat. Nicht geringeres Lob verdienen die Basreliefs
am Postament des Sarges. Doch es ist nicht wohlgethan,
dieses und lenes besonders hervorzugebcn, da alle Theile
mit gleicher Reinheit und Sicherheit gearbeitet sind. —
Bliebe uns etwas zu wünschen übrig, so wäre es, daß der
Grund nicht ganz weiß geblieben, sondem mit einer lichte»
Schraffirung überdeckt worden -wäre.
Mehrere unsrer Leser erinnern sich ohne Zweifel der
von Geißler gestochenen, freplich sehr kleinen und bcp
weitem nicht so befrikbigenden Abbildung im Taschenbuch
für Nürnberg 1819, weiches unter der Sündfluth der neue-
sten Taschenbücher fast allein auf Kunstverdienst Anspruch
machen darf, und dessen Anzeige wir uns bis zur Erschei-
nung des zweyten Tbeils Vorbehalten. Mit Recht wird
dort dieß Grabmal das köstlichste Monument vaterländischer
Kunst rn der Kirche und in Nürnberg überhaupt genannt,
und de» bewundertsten Bronzen anitalienischer Meister
gleichgestellt. Sv trefflich an Reinheit der Ausführung,
so merkwürdig ist es aber auch für die Kunstgeschichte we-
gen des darin herrschenden Stpls.
Die Gebeine des heil. Sebaldus, welcher, nach der
Legende ein frommer Königssohn, in und um Nürnberg
Wunder gethan, waren in einem schon 1397 verfertigten,
mit Gold und Silberblech überzogenen Sarg eingeschloffen.
Das Gehäuse aus Bronze, worin derselbe nun ausgestellt
ist, verfertigte Peter Bischer, ein Nürnberger Bür-
ger, mit seinen fünf Söhnen, Peter, Hermann,
Hans, Pani und Jakob in Zeit von 13 Jahren, von
i5o6 bis 1519. Die Inschrift am Sockel lautet: „Peter
„Bischer, Burger zu Nürnberg, machet das
„Werk mit seinen Söhnen, ward vollbracht
„im Jahr i5iy. Ist allein Gott dem AUmäch-
„tigen zu Lob und St. Sebald dem Himmels-
„fürsten zu Ehren, mit Hüls a n däch tiger Leut
„von dem Almosen bezahlt." Es ist i5 Fuß hoch,
8 Fuß 7 Zoll lang und 4 Fuß 8 Zoll breit; der Sarg 3 Fuß
hoch, 5 Fuß 10 Zoll lang und 1 Fuß 7 Zoll breit. Auf
dem Postament des Sargs sind in Nischen verschiedene
Wunder des Heiligen in erhabener Arbeit abgeorldet. Von
den an den Pfeilern stehenden zwölf Aposteln, wovon jeder
, Fuß 11 Zoll hoch ist, zeigt unser Kupferstich die vier gegen
K u n fi - Blarr.
M o rt ft g, d e m 2. 3 u l i 18 2 1.
Neue Kupferstiche.
Sankt Sebalds Grab in Nürnberg, in
Erz ausgesührt von Perer Bischer und sei-
nen -Sahnen, gc stochen von Allh recht
Reimdel. Groß -- Folio. Pr. n fl. vor der
Schrift, 5 fl. 3o kr. mit der Schrift.
Hier erhalten wir das berühmte Meisterwerk Peter
Wischers nachgebildet in einem trefflichen Kupferstich, der
hinsichtlich treuer Auffassung sowohl als gelungener Aus
führung zu den besten Blattern gehört, welche der Grabsti-
chel seit lange geliefert hat. .Es war eine schwierige Auf.
gäbe, die persprttivische Ansicht der mannichfaltigeu Glie-
der uuv Massen >n Harmonie zu setzen, und dabey nicht
die Deutlichkeit der »neublichen Menge kleiner Figürchen
und Verzierungen, wo?, it das Monument bedeckt ist, auf-
zuopfern. Bepdes hat jX. Reindel sehr glücklich erreicht, in-
dem er das Ganze Mit heller einfacher Schraffirung behan-
delte. Der bronzene Baldachin ist nur weniges dunkler ge-
halten, als das Silber des Sargs, das sich durch den Glanz
der Ciselirung unterscheidet. Die einzelnen Parrieen der
Bronzearbeit werden durch die verschiedene Lage der Taillen,
und deren nach Ersorderniß zarre oder kräftige Nüancirung
von einander abgehoben, und durch die Reinheit der Schat-
tirung, wie durch eine überaus genaue, streng- und be-
stimmte, aber nichts weger als . harte Angabe der Umrisse,
ist die größte Deutlichkeit bis ins geringste Einzelne hervor-
gebracht. Auf diese Weise bekam das Bild eine sehr lichte
angenehme Haltung, deren ungeachtet man die Eigrnthüm-
lichkeit der Metalle wohl erkennt. Die Ausführung dieses
Blatts läßt si» in ihrer Art mit der von Lvnghi's treffli-
chern Stich nach Raphaels Spvsalizio vergleichen. Dieselbe
Treue für das Original, dieselbe Verzichtleistung auf den
Glan; des Grabstichels. Ungeachtet der kleinen Dimensio-
nen sind die schonen Apostelfiguren äußerst glücklich wicder-
gegeben, und wett vorzüglicher ausgcführt, alS die, welche
Hr. Reindel schon einzeln für das Fraucntaschenbuch ge-
stochen hat. Nicht geringeres Lob verdienen die Basreliefs
am Postament des Sarges. Doch es ist nicht wohlgethan,
dieses und lenes besonders hervorzugebcn, da alle Theile
mit gleicher Reinheit und Sicherheit gearbeitet sind. —
Bliebe uns etwas zu wünschen übrig, so wäre es, daß der
Grund nicht ganz weiß geblieben, sondem mit einer lichte»
Schraffirung überdeckt worden -wäre.
Mehrere unsrer Leser erinnern sich ohne Zweifel der
von Geißler gestochenen, freplich sehr kleinen und bcp
weitem nicht so befrikbigenden Abbildung im Taschenbuch
für Nürnberg 1819, weiches unter der Sündfluth der neue-
sten Taschenbücher fast allein auf Kunstverdienst Anspruch
machen darf, und dessen Anzeige wir uns bis zur Erschei-
nung des zweyten Tbeils Vorbehalten. Mit Recht wird
dort dieß Grabmal das köstlichste Monument vaterländischer
Kunst rn der Kirche und in Nürnberg überhaupt genannt,
und de» bewundertsten Bronzen anitalienischer Meister
gleichgestellt. Sv trefflich an Reinheit der Ausführung,
so merkwürdig ist es aber auch für die Kunstgeschichte we-
gen des darin herrschenden Stpls.
Die Gebeine des heil. Sebaldus, welcher, nach der
Legende ein frommer Königssohn, in und um Nürnberg
Wunder gethan, waren in einem schon 1397 verfertigten,
mit Gold und Silberblech überzogenen Sarg eingeschloffen.
Das Gehäuse aus Bronze, worin derselbe nun ausgestellt
ist, verfertigte Peter Bischer, ein Nürnberger Bür-
ger, mit seinen fünf Söhnen, Peter, Hermann,
Hans, Pani und Jakob in Zeit von 13 Jahren, von
i5o6 bis 1519. Die Inschrift am Sockel lautet: „Peter
„Bischer, Burger zu Nürnberg, machet das
„Werk mit seinen Söhnen, ward vollbracht
„im Jahr i5iy. Ist allein Gott dem AUmäch-
„tigen zu Lob und St. Sebald dem Himmels-
„fürsten zu Ehren, mit Hüls a n däch tiger Leut
„von dem Almosen bezahlt." Es ist i5 Fuß hoch,
8 Fuß 7 Zoll lang und 4 Fuß 8 Zoll breit; der Sarg 3 Fuß
hoch, 5 Fuß 10 Zoll lang und 1 Fuß 7 Zoll breit. Auf
dem Postament des Sargs sind in Nischen verschiedene
Wunder des Heiligen in erhabener Arbeit abgeorldet. Von
den an den Pfeilern stehenden zwölf Aposteln, wovon jeder
, Fuß 11 Zoll hoch ist, zeigt unser Kupferstich die vier gegen



