Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 30.1849

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.3219#0043
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
•'v*T2S30 43

(JJSSTS'''-

bereits historisch gewordene Gebilde, Gleichnisse, unschuldige
Aeußerungen heidnischer Naturverehrung und geschichtliche Er-
eignisse. Hier dagegen traf die tiefste hcrbeste Auffassung des
Gegensatzes mit jener alten Liebe der germanischen Volker für
die Natur und zwar für die wirkliche, nicht idealistrte Natur
zusammen, und das symbolische Element erhielt daher die höchste
Ausbildung. Es handelte sich jetzt nicht mehr um einzelne
Symbole zufälligen Ursprungs und zweifelhafter Gültigkeit, son-
dern es bildete sich die Ueberzengung von einem durchgehenden
Zusammenhänge des Gedankens und der Wirklichkeit, und diese
Anschauung wurde zu einem kunstgestaltenden Prinzip. Daher
entstand jene symbolisch-symmetrische Anordnung, welche durch
die räumliche Stellung Gedanken aussprach, und, indem sie das
beruhigende Gefühl der großen, alle Gegensätze und Wider-
sprüche ausgleichenden Welteinheit rege erhielt, zugleich den be-
quemen Typus für künstlerische Ausfüllung des größesten wie des
kleinsten Raumes gab. Die Verfasser scheinen die Bedeutung
dieses Kunstprinzips nicht ganz so, wie Res. zu betrachten, we-
nigstens führen sie mehr ungünstige Beispiele an. Denn aller-
dings geben die Mosaiken der Marcuskirche (deren Inhalt und
Gruppirung S. 86 vollständig mitgetheilt ist) keinen klaren Ge-
danken; sie gehören aber auch dem Boden byzantinischer Kunst
an, wo der Zusammenhang solcher Gruppirungen meistens ein
äußerlicher, oft nur an chronologischen Fäden aufgereihet ist.
Auch ist es richtig, daß schon im Mittelalter dieß Symbolisiren
oft übertrieben wurde und in Willkür ausartete, wie dieß (S. 133)
an einem Beispiele aus Glaber Radolph, einem Schriftsteller
des Ilten Jahrhunderts, gezeigt wird. Allein diese Willkür ge-
hört mehr den Schriftstellern an, deren Scharfsinn in dem leich-
ten Material des Gedankens über die Grenze hinausirrte, als
den Bildnern. Vergleicht man z. B. die symbolische Anordnung
auf dem Taufbecken im Dome zu Hildesheim mit jenem Schema
des Glaber, so findet man, daß der Künstler das Wesentliche
daraus ausgenommen, das Schielende fortgelassen hat. Glaber
parallelisirt die Evangelisten, die Tugenden, die Paradiesesströme,
die Elemente, die Sinne, die Weltalter. Das Taufbecken hat
die drei letzten Rubriken sortgelassen, und dagegen die (großen)
Propheten hinzugefügt, wodurch denn das Ganze abgerundet
wird und feinere Beziehungen erhält. Bei dem großen Raume,
den Kunstwerke dieser symbolischen Art gewöhnlich einnehmen,
ist es übrigens begreiflich, daß wenige uns ganz erhalten sind,
und man muß sich begnügen, an den verständlichen Ueberresten
die Feinheit und Gedankentiefe dieser Kunstrichtung kennen zu
lernen.

Der vierte Zeitraum, „der germanische Styl," von dem
uns viel mehr erhalten ist, zerfällt hier in zwei Abtheilungen,
in die Zeit des strengen Stylö (vom 13ten bis nach der Mitte
des 14ten Jahrhunderts) und in die des entwickelten. Hier
fangen wir schon an, die Leistungen der verschiedenen nordischen
Nationen auch auf diesem Gebiete zu unterscheiden. Die Ver-
fasser berühren die Frage der Priorität der französischen Kunst
vor Deutschland, welche freilich in der Architektur dieser Epoche
anerkannt werden muß. Für die Malerei dagegen nehmen sie
mit Recht an (S. 189), daß eine eigenthümlich deutsche, mit der
französischen parallele Entwickelung stattgefunden habe. Gewiß
ist zwar, daß Frankreich in Kathedral-Skulpturen, Miniaturen
und Glasgemälden an Reichthum, und in den letzten beiden
Gattungen auch der Zeit und den Erfolgen nach Deutschland
übertrifft; allein im Werthe der größeren Arbeiten, der plasti-
schen und der Wandmalereien, stehen wir nicht zurück. Die Ver-
fasser trennen vermöge einer, vielleicht nicht glücklichen Konsequenz
in der Scheidung der Perioden, die Malereien aus der Gegend
von Köln, welche sie nach ihrer Terminologie theils dem roma-
nischen, theils dem germanischen Style zuweisen. Stellt man

diese, die von Brauweiler, Ramersdorf und Köln selbst, in Ver-
bindung mit den einzelnen geringern Ueberresten, welche das
Handbuch fleißig und richtig aufzählt, zusammen, so hat man
den Beweis einer so großartigen und konsequenten Entwickelung
der Malerei in dieser Gegend, wie keine andere ihn in diesem
Zeiträume aufzeigen kann. Wenn man also nicht zu der vagen
Behauptung flüchten will, daß ein günstiger Zufall hier erhalten
habe, was anderwärts zerstört ist, wenn man vielmehr der Wahr-
scheinlichkeit gemäß annimmt, daß zwischen diesen erhaltenen
Monumenten andere untergegangene lagen, so erscheint uns diese
Schule so bedeutend, daß ihr das ganze Abendland nichts Gleich-
zeitiges entgegensetzen kann. Vergleichen wir dann aber damit
die sächsischen Skulpturen, welche den Malereien von Brauweiler
ungefähr gleichzeitig sind, so haben wir Ursache zu glauben, daß
die Anregungen, welche jene Malerschule erzeugten, nicht von
Frankreich kamen, sondern ächt deutsche waren. Eine Verglei-
chung dieser Skulpturen mit den französischen, die man für
gleichzeitig halten kann, würde dieß noch näher bestätigen, gehört
aber nicht hieher.

. (Fortsetzung folgt.)

Stahlstich.

Der Dom zu Köln in seiner Vollendung.
Nach dem von dem Dombaumeister Zwirner ergänz-
ten Bauplane.

Dieser Stich, in der Karl Mayer'schen Kunstanstalt zu Nürn-
berg ausgeführt, hat 17 Zoll Höhe und 19'/« Zoll Breite nach
rheinländischem Maß, und läßt alle Theile des großartigen Bau-
werkes, soweit dieselben bei der perspektivischen Aufnahme von
der Südseite sichtbar sind, erkennen. Unter allen bis jetzt erschie-
nenen größeren und kleineren Abbildungen des Kölner Domes
ist dieß unstreitig die gelungenste und zudem nach den Zeichnun-
gen des Architekten, nach welchen der Ausbau von Statten gehen
soll, gefertigt, als die authentischste, gleichsam prophetische Dar-
stellung des herrlichen Tempels christlicher Andacht, in welchem
die religiöse und nationale Kunst ihren gemeinsamen höchsten
Triumph feiern. Die mühevolle Sorgfalt, welche in zweijähriger
Arbeit diese Platte gestochen hat, ist einem bedeutsamen und
harmonischen Eindruck, welchen das Bild auf den Beschauer
durch die Gewissenhaftigkeit der Ausführung bis in die architek-
tonischen Einzelnheiten des mannigfaltigen Styls und durch die
übereinstimmende Anordnung hcrvorbringt, welche das Ganze in
der von Zwirner angestrebten Vollendung gewonnen hat, aufs
Schönste belohnt. Außerdem ist die Staffage auf dem Domplatze,
eine Fronleichnamsprozession, für die Wirkung der Architektur
ungemein belebend. Das Blatt ist von dem Regierungsrath
Zwirner als Erinnerungsblatt des 14. August, als der sechsten
Jubelfeier der ersten Grundsteinlegung zum Dome, dem deutschen
Volk gewidmet, und der billige Preis, für ein Exemplar auf
chinesischem Papier zu 4 Thlr. oder 7 fl., für eines auf weißem
Papier zu 3 Thlr. oder 5 fl. 15 kr., dürfte die Verbreitung des
schönen Stiches in weitesten Kreisen auch der Wenigerbemittelten
befördern und das rühmliche Unternehmen des Verlegers, Herrn
Fr. C. Eisen in Köln, in einer für solche Anstrengungen schwie-
rigen Zeit mit einem glücklichen Erfolge krönen. ett.
Index
There is no information available here for this page.

Temporarily hide column
 
Annotationen