Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 3.1822

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bekannt geworden ist, dem er selbst in der Kindheit Un-
terricht im Zeichnen gab. Zwar wird erzählt, daß Jo-
hann van der Hamen, der Vater, Blumen mit vie-
ler Leichtigkeit und Frische gemalt habe; doch scheint der
Malerberuf in ihm nicht überwiegend gewesen zu sepn, da
er als Bogenschütze (archcro) im königlichen Dienste stand.
Palomino Velasco gibt ihm eine Spanierin zur Gattin,
während Cean Bermudez eine Brüßlerin Dorothea Vi-
timan als solche nennt. Seinem Sohne, der i5yü zu Ma-
drid geboren, auch daselbst erzogen ward, und bis an seinen
Tod dort verweilte, schreibt Palomino eine iusbcsondcre bey
historischen Gegenständen wahrnehmbare, noch von der nie-
derländischen Schule herrührende Trockenheit zu. Wahr-
scheinlicher jedoch ist es, daß van der Hainen der Jüngere
zu größeren historischen Werken nicht genug Kraft des Pin-
sels besessen habe, wogegen er mit vielem Fieiße Blnmen-
und Fruchkstücke ausführte, die noch jczt sehe gcschäjt
werben. '

Ob endlich deutsch - klingende NaMcn, wie der des
Melchvr Riquel, vielleicht Melchior Oiifd, der als
Miniaturmaler im Jahre 1603 einige Kirchenbücher in
Sevilla verzierte, und dessen Geburtsort nicht gemeldet
wird, auf deutschen Ursprung mit Siecht schließen lassen,
dürfte kaum erheblich seyn. —

Sollten jedoch diese wenigen gesammelte» Nachrichten
gründlichere Unkersuchungcn, und in der Folge vielleicht
sogar Auffindung hier nicht genannter Slawen oder nicht er-
wähnter Kunstnachrichren veranlassen, so würde dieß dem
Verfasser des gegenwärtigen, nur als Versuch und Bcy-
trag gelten sollenden Aufsatzes, die erfreulichste Belohnung
sepn. — Meisel.

Bern.

25. September i8rr.

Die transparenten Gemälde des Hrn. König sind
durch ganz Deutschland bekannt, da er sie zu verschiedenen
Malen in den bedeutendsten Städten gezeigt bat; seine
Vorstellungen in Bern finden regelmäßig jeden Abend statt,
und werde,» von Einheimischen und Fremden häufig be-
sucht. So reich, und von so eigenihümlicher Schönheit ist
dis landschaftliche Natur der Schweiz, daß das Publicum
der vielen, bald flüchtig, bald elegant in Kupferstich gear-
beiteten Schweizer-Prospekte nie müde wird; wie viel an-
ziehender müssen nicht Gemälde sepn, welche die schönsten
Ansichten in zauberischen Effekten, sogar mit allmählichem
Wechsel-der Licht- und Farben-Erscheinungen wieder zu
geben suchend — Hrn. Königs landschaftliche Gemälde
sind meistens von schöner Harmonie, zum Thcil anch von
vieler Kraft und glänzender Wirkung; ob aber die Trans-
parenz überall der.Wahrheit der Darstellung günstig sey,
.läßt sich sowohl im Allgemeinen, .als mit besonderer Rück-

sicht auf Hrn. Königs Leistungen fragen. Die Farben des
Tags, die in der Schweiz so kraftvoll und gesättigt von
Bergen und Thälern wiederstrablen, verlieren größten-
theils ihre Tiefe durch das künstliche Licht, das sie auf
dem transparenten Papiere beleben soll, und selbst da»
umgebende Dunkel kann sie nickt erheben. Daher gelingen
immer Nachllandichasien mit Mondbclcuchkung. Feuern,
Fackel- und Lampenlicht, am besten, und besonders wabr
ist der Vollmond zwischen Wolken, sein Aufgang über dem
Dorfe Lvß, und die Lichter in der Hütte auf der Ansicht
von Jnterlaken. In einigen dieser Darstellungen ist je-
ooch eine zu starke Helle der vorderen Gründe und Gegen-
stände bemerklich; wahrscheinlich wollte der Künstler die
schwarzen Schatten vermeiden, sezke sich aber dadurch der
Gefahr ans, ins Grelle zu verfallen, w'.c bep der Ansicht
der Kapelle am Zuger-See, wo eine Gruppe von Män-
nern und Krauen de» Fackelschein ihre Andacht vor dem
Muttergottesbilde hält. In Hinsicht der Behandlung
wäre den meisten dieser Landschaften etwas sorgfältigere
Ausführung zu wünschen; sie würden dadurch an Wahr-
heit im Ganzen und Einzelnen ohne Zweifel viel gewinnen,
und sich.über den Kunstwcrth der vvrzüglichern farbigen
Kupferstiche.erheben. — Dasselbe gilt von den interessanten
Schweizertrachten, die in Heineren Gemälden als Zwi-
schenakte der laudschaftlichen Darstellungen gezeigt werden.
Sie sind wahr und mit Laune aufgefaßt, und das Maleri-
sche des Anzugs, worin Gold und Silber, und jede Act
von Stoffen mit Treue und Kraft wiedergcgeben ist, ge-
winnt noch vieles durch den Gedanken und den charakteri-
stischen Ausdruck der Figuren; — nur wünschte man die
Kopfe überall weniger oberflächlich behandelt. Wie viel
Hrn. Königs ausgezeichnetes Talent lnerin leisten kann,
läßt sich ans dem schönen Bilde der Appenzelleriu schließen,
deren Gesicht von einer Lampe, die sie in der Hand halt,
erleuchtet ist. — Es gibt eine gewisse Sicherheit des Auges
und eine Leichtigkeit der Hand, der es gelingt, die Erschei-
uuiigen der Natur im Allgemeinen sehr richtig anzudeuten;
aber wenn ihr nicht die Treue im Einzelnen und die Ach-
tung vor der unergründlichen Tiefe jedes Naturwerks zur
Seite gehen, so gelangt sie nicht zur eigentlich lebendigen
Darstellung, die man wie das Naturwerk selbst, immer
wieder und wieder inir neuem Genuß belrachlcu kann.

(Der Beschluß folgt.)

K » p s e r w e r k e.

Von der neuen Ausgabe des großen Werks über
Aegvpten, welche Panckoucke in Paris veranstaltet, ist die
Koste und Kiste Lieferung erschienen. Die Kupfcrtafel»
bieten einen noch nicht bekannt gemachten Zodiakus dar,
einen allgemeinen Plan von Theben, Zeichnungen von den
Grabmalen der Könige, Ansichten von Ruinen, Gegen-
stände der Naturgeschichte, der Künste und Gewerbe; alles
mit der größten Sorgfalt gezeichnet und gestochen. Zu
gleicher Zeit erscheint der üte Band Tert.

Von der Voyage pittoresque cn Sicile ist bev Dibot
dem Aeltern die'zwevte und dritte Lieferung erschienen.
Diese Hefte enthalten eine Ansicht von Syrakus, genommen
von dem alten Theater dieser Stadt; das Theater von
Segesta; die Klippen der Cvklopea; den Krater des Aetna;
eine Ansicht von dem Tempel der Juno zu Agrigent; ein
Kapuziner-Kloster zu Palermo; den Hafen von Trapani,
und eine Uebersicht von Messina.
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