Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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VI. Jahrgang,

Nr. 7.

Sriträgr

und an vr. C.v. rutzow
lWien, Theresianumg.
2S)od.andieVerlagsh,
lLeixsig, KönigSstr. s>.
zn richten.

20. Ianuar.

Inftratr

k 2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden vonjeder
Buch- und Kunfthand.
lung angenommen.

1871.

Beiblatt zur Zeitschrist sür üildende Kunst.

Verlag von L. A. Leemann in Leipzig.

Am 1. und 3. Freitage jedes Monats erscheint eine Nummer von in der Regel einem Quartbogen. Die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Kunst" er-
halten dies Blatt xralls. Apart bezogen koftet dasselbe l^ZTHlr.ganzjährlich. Alle Buch-und Kunfthandlungen wie allePostämternehmenBestellungen an.

Jnhalt: G. Semper's Entwurf zu einem neuen Hoftheater für Dresden.
— Korrespondenz (Berlin, New'Uvrk (Schlnß)' — Nekrologe (Eugen
Schäffer, August v. Bvit). — Kunftliteratur und Kuni'thandel. —
Konkurrenzen. — Personalnachrichten. — Kunftvereine, Sammlungen
und Ausstellungen. — Lermischte Kunstnachrichten. — Zeitschrifien.
— Drucksehler. — Jnserate.

G. Zemper's Entwurf M einem neuen
Hostheater für Dresden.

Jn den letzten Tagen des verflossenen Jahres hat in
Dresden die Ausstellung des Semper'schen Entwurfes für
das daselbst neuzuerbauende Hoftheater stattgefunden.
Trotz der herrschendenZeitstimmung, welche kunstlerischen
Jnteressen nicht günstig ist, trotz des rauhen Boreas, der
eben nicht zu einem Besuch der Brühl'schen Terrasse ein-
lud, wo im Doublettensaal jene Ausstellung stattfand,
zeigte sich dennoch im Publikum die wärmste Theilnahme
für den Entwurf. Weit über tausend Personen nahmen
denselben in wenigen Tagen in Augenschein. Und in der
That verdient der Entwurf, in praktischer wie ästhetischer
Beziehung, diese Theilnahme und stellt für Dresden ein
Theater in Aussicht, das zu den schönsten Bauwerken der
Neuzeit zählen wird. Das Projekt weicht von der Form
des alten, abgebrannten Theaters wesentlich ab. Nicht
nur daß der Grundplan, bei einer zweckentsprechenderen
und splendideren Raumtheilung, noch einfacher, klarer und
organischer ist; auch die äußere Schauseite hat, gegen die
weiche Linie des alten Rundbaues, so schön derselbe auch
war, doch noch etwas ungleich Kräftigeres und Großarti-
geres. Jm Aeußeren stimmt das Projekt so ziemlich mit
dem phantasievollen Festbau überein, den Semper für
München entworfen hat, nur daß dort den Queraxen noch
eine größere Rolle zugetheilt war. Jst seiner Zeit der Unter-
gang des alten Dresdener Hoftheaters in diesem Blatte
luit vollem Rechte als schwerer Verlust eiues hervorragen-
den Kunstdenknials schmerzlich beklagt worden, so wird

man sicher auch einige Notizen über den projektirten Neu-
bau mit Jnteresse lesen.

Was zuuächst die Lage des zu erbauenden Theaters
betrifst, so kommt dasselbe wieder der katholischen Hofkirche
gegenüber auf den Theaterplatz zu stehen, aber ziemlich
um die Länge des alten Theaters zurückgeschoben, so daß
die schöne Fayade des Museums zur vollen Geltung ge-
langt, die Kunstschätze des letzteren wenigstens sicherer denn
früher gestellt sind und der genannte Platz nach Westen zu
einen wirkungsvollen Abschluß erhält. Der zu bebauende
Flächenraum beträgt ca. 4636 sH Mtr., während das ab-
gebrannte Gebäude einen Flächenraum von ca.2965 sH M.
einnahm.

Die Grundform läßt sich in drei Haupttheile zerlegen,
in den Vorraum, Zuschauerraum oder Auditorium nnd
Bühnenraum. Der dem Platze zugewendete Vorraum wird
von einem in Form eines Kreissegmentes vorspringenden
Rundbau gebildet, dessen Mitte, in der Hauptaxe des Ge-
bäudes, Lurch eine großartig dnrchgeführts, über den Rund-
bau sich erhebende Exedra ausgezeichuet ist. Letztere mar-
kirt den in ihrem unteren Theile befindlichen Haupteingang,
während der obere Theil durch eine Kolossalnische, welche
bei Festlichkeiten und feierlichenGelegenheiten äls Balkon
Lienen kann, in geistreicher Weise die Beziehung zwischen
dem Gebäude und dem großen vor demselben liegenden
Platz darstellt. Durch diese Exedra gelaugt man in die
beiden, in einem flachen Kreisbogen über eiuander liegen-
Len Foyers. Das untere Foyer hat zu jeder Seite der
Exedra fünf große Bogenthüren, welche, in Berbindnng
mit den übrigen Thüren des Gebäudes und den in großer
Zahl angelegten Treppcn, eine Entleernng des Hauses in
kürzester Zeit ermöglichen. An den Endpunkten dieses
Segment- und Foyerbaues befinden sich auf beiden Seiten
des Gebäudes, ihre Breitseiten den Zwingerpromenaden
und der Elbe zukehrend, flügelartige Borbauten, welche
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