Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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Nr. 8.

VI. Jahrgang.

ÄeitrLge

findanor. C.V.Liitzow
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(Leipjig, Königsstr. s>.
zu richten.

3. Frliniar.

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Mal gespaltene Pet t-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenommen.

1871.

Beiblatt zur Zeitstlirist sür bildende Kunst.

Verlag von L. A. Leemann in L.eipzig.

Am 1. und 3. Freitage jedes Monats erscheint eine Nummer von in derNegel einem Quartbogen. Die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Kunst" er-
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Jnhalt: Korrespondenz. — Nelrolog. — Kunstliteratnr und Knnsi-
bandel. — .nonknrrenz. — Lermischte Klinstnachrichten. — Neuigkeiten
des Kunfthandels und der Kunstliteratur. — Zeitschriften. — Berich-
tigung. — Jnserate.

Korrespondenz.

Berlin, Weihnachten 1870. (Schluß).

Jetzt war das Unternehmen eingebürgert, und die
Künstler fühlten sich fest und der Sache gewachsen. Dieser
Umstand und das innerlich Treibende, das in solchen
Dingen an sich liegt, veranlaßte zn einer nenen wichtigen
Aenderung. Der Rnhm der Ausstellungen sollte voll
und ganz den Urhebern der einzelnen Bilder zu Gute
komnien, die sich bisher, als Kopisten in einer imnierhin
flüchtigen und dekorativen Manier, also ohue besonderes
Verdienst als solche, gar nicht genannt hatten. Mit dem
Jahre 1851 begannen die Bereinsmitglieder statt der
fremden und durch traditionslle Werthschätzung geheiligten
Kompositionen neue eigene unter ausdrücklicher Nennung
ihres Autornamens zur Anschauung zu bringen. Dabei
ifl es auch seitdem mit wenigen Ausnahmen geblieben;
wobei es gewiß im höchsten Grade bemerkenswerth ist,
daß abgesehen von zwei oder drei Bildern nie die
cigentlichen religiösen Maler Berlins sich haben in An-
spruch nehmen lassen, sondern der Aufwand mit den
Kräften unserer realistischesten und naturalistischesten
Künstler — ini Durchschnitt mit bestem Erfolge — be-
stritten worden ist. Es jst diesem Umstande gewiß zu
einem nicht zu klein zu bemessenden Theile die Lebens-
fähigkeit des ganzen Unternehmens auch nach dem Ver-
lassen dcr schützenden „klassischen" Originale zu danken.

Jm Iahre 1851 nnn stellten aus: August von Klöber
eine Verkündigung bei den Hirten, Juliu s Schrad er eine
Anbetung der Könige, Adolph Menzel den zwölfjäh-
rigen Christus im Tempel lehrend, Constantin Cretius

die Taufe Christi, Karl Becker Christus auf demMeere
wandelnd, und Adolph Ehbel den Einzug Christi in
Jerusalem. — Obgleich sich der Verkauf der Transparente
nicht so leicht nnd vortheilhaft bewirken ließ wie bis
dahin, so hielt man doch die nächsten zwei Jahre an dem
neuen Prinzipe fest; im Jahre 1852 sah man: den Zug
der heiligen drei Könige von Karl Steffeck, eine hei-
lige Familie von Schütze, die Aufforderung des Engels
zur Flucht nach Aegypten von Arnold Ewald, Chri-
stus vom Schiffe aus lehrend von Hermann Schultz,
Christus den Blinden heilend von Adolph Henning,
und die Auferweckung Christi von Wach. — Das fol-
gende Jahr 1853 brachte von Karl Stürmer die
Verkündigung bei den Hirten, noch einmal von Con-
stantin Cretius die Taufe Christi, von Gustav
Richter die Auferweckung der Tochter des Jairus (ein
Bild, das so durchschlagenden Erfolg hatte, daß König
Friedrich Wilhelm IV. es groß in Oel ausführen ließ,
das durch den Stich bekannte Hauptwerk des Meisters),
von Adolph Menzel die Austreibung der Wechsler
undVerkaufer aus dem Tempel, vonHermann Schulz
die Ruhe auf der Flucht nach Aegypten, und von August
v. Kloeber die Himmelfahrt Christi.

Trotz des Anklanges, den die neuen Schöpfungen ge-
funden hatten, kehrte man dennoch im Folgejahr 1854
wieder zu Kopien znrück. Aus der Bibel in Bildern von
Schnorr wnrde Abraham's Einzug in das gelobte Land,
Moses bei dem feurigen Bnsche und die Predigt Johannes
des Täufers nachgebildet; vonHeinrich Heßdas Christus-
kind, von Engeln getragen. Außerdem wurden vorgeführt:
Gott Vater von Michelangelo und Raphael's Ver-
treibung aus dem Paraviese. — Auch im nächsten Jahre
1855 kehrte nian noch nicht wiederzu eigenen Erfindungen
zurück, beschränkte sich sogar wieder auf die Werke der
älteren Meister. Es wurden gemalt: die Berkündigung
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