Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

Page: 9_73
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1871/0076
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
VI. Jahrgang.

Äeiträgr

stnd anvr. S.V.Lsttzow
lWirn, Therestanumg.
S!>)od.andieBerlagSH.
(eripstg. AönigSstr. S).
zu richten.

17. Februar.

Nr. 9.

Inftratr

a g Sgr. fiirdie drci
Mal gespaltene Petit-
zeile werden »onjeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenommen.

1871.

Beiblatt zur Zeitschrist sür bildende Kunst.

Verlsg üon L. A. Leemann ln Tetgzlg.

Am 1. und 3. Frettage jedeS Monats erscheint eine Nummer von in derNegel einem Quartbogen. Die Abonnenten der „Zeitschrift für btldende Kunst" er-
halten dieSBlatt xraU«. Apart bezogen kostet dasselbell/ZTHlr.ganzjährlich. Alle Buch-undKunfthandlungen wie allePostämternehmenBestellungenan.

Jnhalt: Die Konlurren; für das Batthyänyi-Monument in Pest. --
Korrespondenz (Müncken). — Nekrologe (Feodor Diez, Or. Ludwig
Eckarr. Moriz v. Scbwind). — Konkurrenz. — Kunstvereine. Samm-
lnngen und Ausstellungen. — Erklärung. — Todes-'Anzeige. — Inserate.

Die Lonkurren) für das Satthyänyi-Monu-
ment in Pest.

* Aus Anlaß einer Mittheilung im letzten Hefte der
Zeitschrift erhalten wir das nachfolgende Schreiben des
Unterzeichneten, welches wir als einen Beitrag zur Be-
leuchtung der Mißstände des Konkurrenzwesens auf
Wunsch des Verfassers der Oeffentlichkeit übergeben:

„Das 4. Heft Jhrer Zeitschrift für bildende Kunst
enthält in einer Korrespondenz aus Pest cinen Bericht
über den Konkurs zum dortigen Batthyünhi-Monument.
Zur Berichtigung dieser Stelle und zur Beleuchtung jenes
Konkursverfahrens erlaube ich mir, Jhnen nachstehende
Mittheilung zu macken.

Auf Grund der unten beigefügten ösfentlichen Kon-
kursausschreibung *) sandten in Gemeinschaft der Bild-

") Konkurrenzausschreibung: Fllr den Plan des
Denkmals, welches im Pester Friedhofe nächst der Kerepeser
Linie auf dem tvOsH« großen Plateau des 9VOsD" einnehmen-
den nnd 1°/g Klaster hohen Hügels errichtet werden soll, der
zur Ruhestätte für die Gebeine des Verewigten bestimint wurde,
und welches Denkmal auch die Statue BatthyLny's enthalten
soll, wird hiemit der Konkurs ausgeschrieben. Und zwar wer-
den I. gefordert:

1. Der Plan des Mansoleums, mir den dazu nöthigen
Detailzeichnungen.

2. Das Modell der im Mausoleum aufzustellenden lebenS-
großen Statue, welches 1—2 Fuß groß sein soll.

II. Die Wahl des Styls und Materials wird den Kon-
kurrenten überlassen; nur das Eiue wird bedungen, daß die
gesammten Herstellungskosten des Mausoleums und der Statue
nicht mehr als 25,000 fl. betragen dürfcn.

III. Als Preis werden 100 Goldstücke zu 1V FrancS auS-

hauer Professor Reinhold Begas und die Architekten
v. d. Hude und der Unterzeichnete zwei Modelle zu einer
Gruppe und einem Mansoleum an das Komit6 zur Er-
richtung des Batthyänyi-Monnments.

Nach Ausstellung der eingegangenen Entwürfe blieb
der sachverständigen Kritik kein Zweifel über die hervor-
ragende künstlerische Bedeutung der Beg as'schen Arbeit.
Jn wie weit sich der künstlerische Ausdruck des tragischen
Moments mit der politischen Stimmung des Komitö's
in Einklang befand, konnte bei der Beurtheilung durck
eine kunstsachverständige Jury wohl vorerst nicht in
Frage kommen. Die Auffassung war dem freien Er-
messen der Künstler anheimgestellt, und das Komitö hatte
sich zur Ausführung des preisgekrönten Entwurfs nicht
verpflichtet.

Der Ueberraschung, als eine Pester Zeitung plötzlich
die Namen der Jury-Mitglieder und das gefällte Urtheil
mittheilte, gab der Unterzeichnete, vamals gerade in Pest
anwesend, durch ein Schreiben an das Komitö Ausdruck.

Zu einer Beantwortung desselben hat sich das Komitö
ebensowenig, wie zu irgend welcher Mittheilung an Herrn
Prof. Begas herbeigelassen.

Daß bei diesemKonkursverfahren in ausfälliger Weise
das künstlerische Urtheil der politischen Stimmung unter-
geordnet, und selbst die Form der Behandlung dem aus-
ländischen Künstler verletzend erscheint, mag hier außer

geschrieben, und zwar 75 Goldstücke, als erster Preis, für
die erstbeste, 25 St., als zweiter Preis, für die zweitbeste
Konkursarbeit.

IV. Die Preise werden von der, durch den ung. Landes-
verein für bildende Künste zu bildenden Beurtheilungs-Kom-
mission zugesprochen, welche Kommission aus zwei vater-
ländischen und aus einem ausländischen Fachkundigen besteht.

Die Pläne und Modellc sind bis zum 30. Juni d. I.
an den Präsidenten des unterzeichneten Komites Michael Hor-
vLth (Pest, Schützengasse Nr. ll) einzusenden.
loading ...