Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

Page: 10_81
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1871/0084
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
VI. Jahrgang.

Seiträge

s nd anvr. C.v.üiitzvw
iwien, Theresianumg.
2S)od.andleBkrlagSb.
lkei»;ig. KönigSstr. S>.
zu richten.

3. Mär).

Nr. 10.

Inscrate

-> 2 Sgr. fürdie drei
Mal gespaltene Pet t>
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
luug angenommen.

1871.

Beiblatt ziir Zeitschrist sür bilbeade Kunst.

Verlag von L. A. Leemann tn Tetpzig.

Am 1. und 3. Freitage jedes Monats erscheint eine Nummer von in derRegel einem Quartbogen. Die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Kunft" er-
halten diesBlatt xrLli». Apart bezogen kostet dasselbel^ZTHlr.ganzjährlich. Alle Buch-undKunsthandlungenwie allePoftämternehmenBeftellungen an.

Jnhalt: Das Ergebniß der Konkurrenz fnr das Wiener Schillerdenkmal.
— Korresponbenz (Dresden). — Nekrolog (Auguft von Boil). — Knnst.
literatur unb Kunsthandel. — Petsonalnachrichten. — Kunstvereine,
Sammlungen und Ansstellungen. — Vermischte Kunstnachrichten. —
Neuigkeiten des Knnsthandels nnd ber Kunstliterarur. — Zeiischriften.
— Bitte um Auskunft. — Berichtigung. — Briefkasten. — Jnserate.

Das Ergebniß der Lonkurrery für das
Wiener Schillerdenkmal.

* Jn der letzten Nummer der Kunst-Chronik haben
wir den Spruch der fünf Preisrichter mitgetheilt, welche
zur Beurtheilung der Konkursentwürfe für das Wiener
Schillerdenkmal berufen waren. Die Iury wählte aus
der Gesammtzahl der 44 Projekte drei als die hervor-
ragendsten aus, von denen sie zwar keines mit Majorität
als des ersten Preises würdig erachtete, welche sie jedoch
alle drei dem Komits, unter Voraussetzung gewisser Mo-
difikationen, als ausführbar nnd ausführungswürdig
anempfahl. Die Urheber dieser drei Projekte, Wagner
in Wien (Nr. 3), Benk inRom (Nr. 5) und Schilling
in Dresden (Nr. 18) wurden demnach vom Komitä mit
dem zweiten Preise gekrönt, und es entstand nun die
Frage, was weiter zu thun sei: ob man die Konkurrenz
damit als in der Hauptsache resultatlos betrachten und
eine neue, sei es beschränkte, sei es allgemeine Preisbe-
werbung ausschreiben, oder ob man die von der Jury
nicht vollzogene Wahl des mit der Ausführung zu be-
tranenden Künstlers selbständig vornehmen solle.

Das Denkmal-Komits hat sich für das Letztere ent-
schieden. Jn der Plenarsitzung vom 19. Februar wurde
der nahezu einstimmige Beschluß gefaßt, Johannes
Schilling in Dresden, den Urheber des Projektes Nr.
18, unter Hinweis auf die von den Mitgliedern der
Jury beantragten Modifikationen seines Entwurfs, mit
der Ausführung des Denkmals zu beauftragen.

Die Größe und Erhabenheit der Aufgabe, der Um-
stand namentlich, daß es das erste monumentale Werk

dieser Art von allgemein deutscher und idealer Konzeption
ist, welches einen öffentlichen Platz der Hauptstadt Oester-
reich's zieren soll, haben dieser Konkurrenz eine weit über
das Jnteresse des Tages hinausreichende Bedeutung ver-
liehen. Der im Kriegsjahr auffallend zahlreichen Be-
theiligung der Künstlerwelt am Konkurse kam eine ebenso
rege Theilnahme von Seiten der Bevölkerung Wien's
entgegen, und es ist sehr natürlich, wenn sich in den
künstlerischen Ehrgeiz der einheimischen Meister, aus deren
Reihen so mancher an dem edlen Wettkampfe Theil nahm,
auch hie und da ein Tropfen lokalpatriotischer Erregung
mischte. Diejenigen aber, welche diesem sonst sehr be-
rechtigten Patriotismus in einer ausschließlich künstle-
rischen Angelegenheit die erste Stimme gewahrt wissen
wollen, müssen es sich gesagt sein lassen, daß die ein-
heimische Kunst leider kein Werk von eminenter Bedeutung,
keine plastische Skizze wenigstens, die sich eines durch-
schlagenden Erfolges rühmen könnte, zu Tage gefördert
hat. Unter den gezeichneten Entwürfen aus Wien
war allerdings einer (Nr. 42, mit dem Motto:
„Du gleichst dem Geist, den du begreifst") wahrhaft
monumental gedacht und dazu von origineller, im
Style der Rahl'schen Schule verkörperter Erfindung;
er stellte den Dichter als den Sänger des Liedes an die
Freude in hymnischer Begeisterung dar, mit der Rechten
den Becher schwingend, welchen ihm die zur Seite knieende
Hebe kredenzt. Die beiden plastischen Entwürfe dagegen,
welche die öffentliche Stimme außer den drei prämirten
noch mit zur engeren Wahl hinzugezogen wünschte (Nr. 10,
mit Lem Motto : „Der Menschheit Würde ist in eure Hand
gegeben; bewahret sie!" und Nr. 16, mit dem Motto:
„Der rechte Schütze hilft sich selbst"), stammen augenschein-
lich nicht aus derWiener, sondern wahrscheinlich beide —
Nr. 10 gewiß, — aus der Berliner Schule. Unseres
Erachtens halten sie dem Wagner'schen Projekt zum min-
loading ...