Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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Ricktung enthielt sie eine nicht kleine Anzahl schöner und
erfreulicher Leistungen.

Vor Kurzem hat der Vorstand des Kunstvereins
Heidelberg im Namen des Rheinischen den Generalbericht
für das Jahr 1870 veröffentlicht, welcher mit diesen
Zeilen einer freundlichen Beachtung empfohlen werden
soll. Derselbe enthält die nöthigen Notizen über die
Ergebnisse der bisherigen Thätigkeit und nennt die Bilder,
welche theils als bleibendes Eigenthum theils für die
zweimalige Verlosung und für den Privatbesitz erworben
wurden. Ein Vereinsblatt ist nicht angeschafft worden.

Der Heidelberger Verein giebt sich über die fortdauernde
Schwierigkeit seines Unternehmcns keiner Täuschung hin,
er weiß wohl, daß er noch keinen festen Boden unter sich
hat, und daß seine gegenwärtigen Mittel mit dem Auf-
wande, welchen eine gedeihliche Fortentwickelung erheischt,
sich noch nicht im richtigen Verhältniß befinden. Aber
den Glauben an die Ausführbarkeit und an den Werth
seiner Bestrebungen läßt er sich nicht nehmen; daher wird
auch der Vorstand und Ausschuß, dem leider eben zwei
hervorragende thätige Mitglieder, Gerviuus durch den
Tod, Helmholtz durch seine Uebersiedelung nach Berlin
entzogen wurden, in seiner Arbeit unverdrossen fortfahren,
von der Zuversicht beseelt, daß, was selbst der Krieg ge-
schont hat, im Frieden erhalteu bleiben und an den Seg-
nungen einer glücklichen Zukunft allgemach Theil uehmen
werde.

Heidelberg, im März 1871. ^ ^ ^

Utkrologe.

^ Theodor Horschelt, der geistvolle Maler der
Wüste und des Kaukasus, starb am 3. April zu München,
nachdem er kaum seinen 42. Geburtstag gefeiert, an
Diphteritis. Den 16. März des Jahres 1829 zu Mün-
chen geboren, lernte Horschelt durch den allsommerlichen
Aufenthalt im baierischen Hochlande schon frühe die Na-
tur lieb gewinnen. Seine ausgesprochene Neigung zum
Zeichnen bewog seinen Vater, ihm iu seinem siebzehnten
Lebensjahre dem wackeren Professor Rhomberg als Lehrer
zu geben. Damals zog nun gerade der Kampf im Kaukasus
die Aufmerksamkeit Europa's im höchsten Grade auf sich,
uud so war nicht zu verwundern, wenn des jungen Hor-
schelt's Sinn mehr auf kämpfende Tscherkessen als auf
Rhomberg's Heilige gerichtet war. Horschelt verließ
daher, schon ehe ein Jahr um war, seinen Lehrer und trat
als Schüler bei Herrmann Anschütz ein. Dieser Schritt
war von Entscheidung für Horschelt's ganze spätere
Künstlerlaufbahn. Denn Meister Anschütz drang bei
seinen Schülern mit großer Strenge auf Schärfe der j
Konturen und Korrektheit der Zeichnung. Dabei trieb !
Horschelt sich fleißig in den Bergen herum und kletterte früh
trotz einem ergrauten „Wilderer" auf halsbrecherischen
Wegen den slüchtigen Gemsen nach. Seine Sympathie
für die Jagd äußerte stch auch bald in seinem ersten Oel-
bilde: „Der Wildschütz" (1850), welches der Münchener
Kunstverein erwarb. llm dieselbe Zeit trat Horschelt in
freundscbaftliche Beziehung zu dem Landschafter Julius
Lange, der ihn mit Rath und That unterstützte. Während !

Horschelt fortfuhr, Jagdstücke zu malen, die allseitig freund-
liche Aufnahme fanden, entstand doch auch manches
Schlachtenbild aus dem Kaukasus, worau sich noch
mehrere minder kriegerische Scenen aus dem Orient reih-
ten, wozu Stiche und Lithographieen nach Horace Vernel
und dessen Schülern hinreichende Anknüpfuugspunkte
boten. Die für einen Schlachtenmaler so nöthige ein-
gehende Kenntniß des Pferdes zu erlangen, war München
nicht der Ort. Unser Künstler wandte sich daher nach
Stuttgart und machte dort im königlichen Marstall seine
Studien, wobei er hauptsächlich die arabische Raye berück-
sichtigte. Jn demselben Jahre (1853) ward Horschelt
zur Jllustration eines „Oliumois IiuntinA in tlis moun-
tains ok Uavuriu" beuannten, vou Charles Boner heraus-
gegebenen trefflichen Werkes eingeladen, und seine ge-
lungenen Kompositionen wurden theils durch Steindruck,
theils durch Holzschnitt vervielfältigt. Das Jahr 1853
war überhaupt für Horschelt der Beginn eines neuen,
für Leben und Kunst gleichbedeutenden Zeitabschnittes.
Einerseits kam er nämlich mit Boner in Berührung, dessen
Tochter er im Jahre 1865 zur Gattin nahm, anderer-
seits fand er in dem vielgelesenen Schriftsteller F. W.
Hackländer einen treuen Freund. Dieser war es, der
Horschelt zu einer Reise nach Spanien aufmunterte und
ihm so Gelegeuheit bot, nicht nur auf der pyrenäischen
Halbinsel, sondern auch in Afrika höchst wichtige Er-
fahrungen zu sammeln.

Die beiden Freunde traten in Gesellschaft des Stutt-
garter Baumeisters Leins von Marseille aus ihre Reise
an, segelten nach Barcelona, bereisten dann eine Zeitlang
das Jnnere Spaniens, besuchten den Montferrat, wandten
sich bald südlich und gelangten über Valencia und die
Mancha nach Madrid, von wo sie das nahe Eskorial
und dessen berühmte Gemäldesammlung besuchten. Ueber
Aranjuez ging es nach Toledo und durch die verrufene
Sierra Morena. Nach mancherlei Abenteuern kamen
sie schließlich über Jaen nach Granada und Cordova.
Nach Sevilla gelangt, fuhren sie den Guadalquivir
hinab nach Cadix, und da Horschelt die Absicht aussprach,
Algerien zu besuchen, so begleiteten ihn seine Gefährten
noch auf einer sehr unerquicklichen Fahrt bis Oran, von
wo sie nach Marseille zurückreisten. Obwohl nun Horschelt
schon in Spanien alle Schönheiten des Südens in sich
aufgenommen zu haben glaubte, so that sich ihm doch auf
seinem Wege uach Algier, den er über Miliana und Me-
deja nahm, eine ganz neue Welt auf: was ihn umgab,
Himmel und Erde, Pflanzen, Thiere und Menschen, traten
ihm in ganz ungewohnter, eigenartiger Erscheinung ent-
gegen. Ein inniger Wunsch Horschelt's wäre es nun ge-
wesen, den Charakter des Landes und seiner Bewohner bei
ciner der vielen französischen Expeditionen gegen auf-
ständische Stämme im Jnnern Algiers zu studiren, allein
alle seine desfallsigen Bemühungen scheiterten an dem
zurückhaltenden Wesen Mac Mahon's, desselben, der in
jüngster Zeit den Erwartungen seines Volkes so weuig
entsprach. Doch unternahm Horschelt eine Reise nach der
sechs Tagereisen entfernteu Oase Biskrah, wo die Gefällig-
keit der französischen Offiziere ihn die Uufreundlichkeit
ihres Befehlshabers vergessen ließ. Auf dieser Oase war
cs, wo Horschelt Material sammelte für ein Bild, das er
nach seiner Rückkehr nach München 1854 für den König
von Württemberg malte: seine „Rast der Araber in der
Wüste" zeigte den Künstler so recht als tüchtigen Techniker
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