Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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VI. Jahrgang.

Nr. 16.

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1871.

Beiblatt zur Zeitschrist sür bildende Kunst.

Verlag von L. A. Leemann tn Trtgztg.

Am 1. und 3. Freitage jedes Monats erscheint eine Nummer von in derRegel einem Quartbogen. Die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Kunft" er-
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Inhalt: Das Hermannsdenkmal. — Korrespondenzen: Berlin (Forts.
u. Schluß). New-Uork (Schluß). — Kunstliteratur und Kunsthandel.
— Konkurrenzen. — Personalnachrichten. — Kunstvereine. — Vermischte
Kunstnachrichten. — Jnserate.

Das Hermannsdenkmal.

Bremen, im Mai 1871.

Ps Mag es für unser sieggekröntes Vaterland auch
die nächste Pflicht sein, die Wunden des Krieges zu heilen,
die Helden zu belohnen, die Errnngenschasten zu befestigen,
so giebt es neben diesen Aufgaben doch auch andere,
ideale, die wir nicht aus den Augen lassen dürfen, nnd
einer solchen gelten diese Zeilen.

Ueber drei Jahrzehnte sind jetzt vergangen, nachdem
Deutschland den Entschluß faßte, jenem Helden, welchem
es die erste Einigung seiner Stämme, den ersten großen
Sieg über die lateinische Race verdankt, ja dessen Name,
wie kein anderer, zum poetischen Symbol des Germanen-
thums geworden ist—Hermann dem Cheruskerfürsten —
ein gewaltiges Denkmal zu errichten. Näh dem Schau-
platze seiner Thaten, auf einer der höchsten Kuppen des
Teutoburgerwaldes sollte das Heldenbild emporragen in
ungeheurer Größe und hochgeschwungenen Schwertes
weithin über Wald und Strom in die deutschen Lande
schauen, ein mahnend Denkmal einstiger Kraft nach Außen,
fester Einigung nach Jnnen.

Mit Begeisterung ward das Werk unternommeri.
Ein wackrer Künstler, Eduard von Bandel, Schwan-
thaler's begabter Schüler, ging mit aller Kraft, deren er
fähig war, an die Arbeit, die er von nun an für seine
höchste Lebensaufgabe ansah. Aus Nah und Fern, wo
nur anf Erden Deutsche sich niedergelassen, strömten frei-
willige Beiträge dafür zusamrnen, auf allen Lieder- und
Volksfesten ward des Hermannsdenkmals gedacht, denn
es war die Zeit des idealen Schwärmens und Träumens,

Singens und Redens. Aber es blieb nicht so. Es kamen
andere Tage und andere Strömungen. Es kam das
sturmbewegte Jahr 1848; ihm folgte die Reaktion und
Erschlaffung der fünfzigerJahre; es erhob sich derKämpf
um Schleswig-Holstein; es nahte das Jahr 1866 mit
seinem blutigen Ringen nm die Oberherrschaft in
Deutschland.

Aus war es mit all dem unbestimmten Schwärmen
und Singen, denn das Wort sollte zur That, der Traum
zur Wahrheit werden. Wer gedachtc fortan noch des
Hermannsdenkmals! —

Einsam und verlassen ragte längst sein gewaltiger
Unterbau empor; Moos, Gras und Gestrüpp umgrünten
seine Quadern nnd drangen aus seiuen Fugen. Daneben
lagen die ungeheuren Glieder des Riesenbildes und die
Patina des Alters überzog bereits deren Metall — die
Menschen aber kümmerten sich hinfort nicht mehr darum.
Deutschland hatte für andere Dinge zu sorgen, Wichtigeres
zu bedenken. — Nur ein Einziger dachte an nichts Anderes.
Das war der alternde Künstler selber. Sein ganzes Leben,
all sein Sinnen und Trachten, all seine Kraft, ja und als
die Zuschüsse von Nah und Fern nach und nach spärlicher
wurden und endlich ganz aufhörten, sogar sein sämmt-
liches Vermögen hatte er dxm Werke zugewandt.
Unablässig, trotz aller und jeder Ungunst der Umstände,
arbeitete er bei Tag und Nacht, nur das eine Ziel, die
Vollendung des Heldenbildes vor Augen und im Herzen
und — eine schöne Fügung des Geschicks, — gerade jetzt,
wo unser Vaterland die Wiedergeburt seiner Einigung,
Macht uud Größe feiert, wo abermals der Germane das
siegreiche Schwert über den Romanismus schwingt, gerade
jetzt naht sich auch das Bild des deutschen Borkämpfers
seiner Vollendung. — Die Statue selhst ist fertig, nur
noch des inneren Eisengerüstes, der Zusammensetzung und
Aufrichtung bedarf es, eines Kostenaufwandes von
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