Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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sonst fertigen Platte noch das in der Einrahmung des
Bildes befindliche Schwanthaler'sche Relief, Zeus' Kampf
gegen die Titanen. Schäffer arbeitete inzwischcn schon
an der „Nachl", unterbrach aber später diese Arbeit, und
einige Jahre nach seinem Weggange erbat sich Merz von
Cornelius die Genehmigung, die Platte fertig stechen zu
dürfen. Auch den „Olymp" hatte er angefangen, doch kam
dieses Blatt nicht weiter als zu drei Köpfen (Ceres, Pluto
und Pallas). Ein Abdruck davon, der äußerst selten, be-
sindet sich im Kupferstichkabinet zu München, ein andrer
in dem von Frankfurt a. M. Sehr bestimmte Umrisse
der beiden zuletzt genannten Darstellungen fanden sich in
seinem künstlerischen Nachlaß vor, in derselben Größe wie
der ausgeführte Stich der „Unterwelt." Jn diese Zeit
fallen auch die drei wunderschönen Umrißstiche, Peleus und
Thetis, und dann, je zwei auf einem Blatte, Vermählung
und Entführung der Helena, das Urtheil des Paris und
die Opferung der Jphigenia, an denen wir die außer-
ordentliche Frische und Lebendigkeit der Konture be-
wundern. Jm Jahre 1828 hatte er das Bildniß des
Buchhändlers Campe von Nürnberg und zum Dürerfeste
die Dürerstatue nach C. Eberhardt gestochen. Er reiste
selbst dahin, und nicht geringes Erstaunen erregte es bei
den mitreisenden Künstlern und war ein Beweis seiner
sichern Hand, daß er noch im Postwagen an deren
Bollendung in einzelnen Theilen arbeitete. Für Boisscrö
lieferte Schäffer die vortrefsliche Konturplatte nach Mem-
ling's „Sieben Freuden Maria's" in drei Blättern, kurz
vor seinem Abgang nach München. Was ihn zu diesem
bewog, ist nicht bekannt; vielleicht war es nur der Wunsch
nach Abwechslung, oder, wie er selber sagte, nach „Bor-
wärtskommen", vielleicht mag er sich etwas beengt gefühlt
haben dem Cornelius gegenüber, bei dem er lange ge-
wohnt hatte. Jm Jahre 1832 kehrte Schäffer nach
Frankfurt zurück, und ein Jahr später erfolgte seine
Anstellung als Lehrer der Kupferstecherkunst am Städel-
schen Kunstinstitut.

Korrespondenz.

New-York, im Juni IS71.

0. Der Plan, in New-Nork ein städtisches Kunst-
Museum zu errichten, ist in unerwartet kurzer Zeit seiner
Verwirklichung nahe gerückt. Die Legislatur des Staats
New-Derk hat ungefähr eine halbe Million Dollars für
das Gebäude bewilligt und die Kommissäre der öffentlichen
Parks ermächtigt, dies auf einem geeigneten Platze des
städtischen Eigenthums zu erbauen. So lange das Ge-
lingen des Unternehmens noch zweifelhaft war, die Aus-
führung sich wenigstens noch jahrelang zu verzögern drohte,
und die ganze Sache als ein unsicheres Experiment er-
schien, war es nicht zu verwundern, daß trotz der berühmten
amerikanischen Freigebigkeit die Geldmittelnnrlangsamund

verhältnißmäßig spärlich zuflossen. Jetzt indessen, da
der Erfolg gesichert ist, und die Sache mit Nächstem thätig
in Augriff genommen zu werden verheißt, haben sich die
Subskriptionen in letzter Zeit bedeutend vermehrt. Wie
offiziell angekündigt wird, ist in Europa eine werthvolle
Gemäldesammlung angekauft, welche den Anfang und die
Grundlage des Museums bilden soll, über die für jetzt
indessen noch nichts Nähercs mitgetheilt wird. Der
Verein, dem die Ausführung des Unternehmens obliegt,
hatte anfänglich die Summe von 250,000 Dollars äls
das Minimum festgesetzt, mit dem ein irgend versprechender
Anfang gemacht werden könne. Jetzt ist jedoch beschlossen
worden, nicht einmal zu warten, bis diese durch Unter-
schriften vollständig gedeckt ist, sondern mittlerweile, so
bald das Gebäude selbst vollendet ist, in einem Theile
desselben eine Ausstellung geliehener Kunstsammlungen zu
veranstalten, welche, so weit es möglich ist, eine historische
Uebersicht der Entwickelung der Kunst gewähren soll. Es
fehlt in New-Uork und der nächsten Umgebung keineswegS
an werthvollen Privatgalerien, vorzüglich moderner euro-
päischer Werke, die jedoch bis jetzt nur den Besitzern und
ihren speziellen Freunden zu Gute kommen, dem Publikum
hingegen hermetisch verschlossen gehalten werden. Der
Kunstverein hofft indessen, daß die meisten Eigenthümer
bereitwillig seiu werden, ihre Sammlungen zeitweise dem
Museum zur Berfügung zu stellen. Jn Europa ließe sich
von einem solchen Plan kein großer Erfolg hoffen; denn
welcher Kunstfreund würde wohl freiwillig auf längere
Zeit sein Haus seiner höchsten Zierde, sich selbst des täg-
lichen Anblicks der Schätze berauben, deren Erlangung
er häufig sein halbes Leben gewidmet!*) Hier jedoch, wo
der Ausspruch, daß „nichts dauernd als der Wechsel", sich
täglich in allen Verhältnissen auf's Schlagendste bewährt,
verspricht man sich gerade vou dieser Seite den günstigsten
Erfolg. Die meisten der Reichen und Wohlhabenden
pflegen ab und zu einige Jahre in Europa zuzubringen,
natürlich die Kunstliebhaber und Sammler vor allen
Andern, die ganz besouders durch ihre Neigung und ihr
Verlangen, ihre Sammlungen zu bereichern, hinübergezogen
werden, und da gerade diese sich speziell für das Gelingen
des Unternehmens interessiren, erwartet man zuversichtlich
auf diese Weise dem Publikum fortwährend anziehende
und reichhaltige Ausstellungen bieten zu können, welche
noch außerdem den Reiz der Abwechselung gewähren
würden. Die Zeit muß lehren, wie alle diese Hoffnungen
und Erwartungen sich erfüllen werden. Unter allen Um-
ständen liefern die schon vorhandenen Mittel die Gewähr-
leistung, daß in nicht allzulanger Zeit das Ergebniß der
bisherigen Bemühungen als Thatsache in die Welt treten
wird.

') Und doch ist dies wiederholt geschehen, erst jetzt wieber
in London, wie früher in Paris, Wien u. a. a. O.
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