Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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VI. Jahrgang,

Nr. 23.

Äritrügr

sind an vr. C.V.Lützow
(Wien, Theresianumg.
25)od.an dieBerlagSH.
(Leip)iy, Königsftr. 3)
zu richten.

32. Srptemlicr

Inserate

K 2 .Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petit-
zeile werden von jeder
Buch- und Kunsthand-
lung angenommen.

1871.

Bciblatt zur Zeitschrist für liildcnde Kunst.

Verlsg vo» L. A- Leeniann tn Tetgzig.

Am 1. und S. Freitage jedeS Monats erscheint eine Nummer von in derRegel einem Quartbogen. Die Abonnenten der „Zeitschrift für bildende Kunst" er-
halten dieSBlatt xrnlis. APart bezogen lostet dasselbel'/zThlr.ganzjäbrlich. Alle Bnch-undKunsthandlungenwieallePostäinternehmenBestellungenan.

Jnhalt: Die Kunstausstelluna zum Besten der allaemeinen deutschen
Jnvalidenstiftung. — Der künstlerische Theil der Äerliner Siegesfeier
(Schluß). — Nekrologe. — Kunstliteratur und Kunftbandel. — Per-
sonalnachrichten. — Kunstvereine, Sammlungen und Ausstellungen. —
Vermischte Kunstnachrichten. — Neuigkeiten des Kunsthandels und der
Knnstliteratur. — Zeitschriften. — Änserate.

Die LunstanssteUung )um Desten der allge-
meinen deutschen Invalidenstistung.

MLnchen, 'Ende August.

/I Da die Verloosung der zum Besten der allgemeinen
deutschen Jnvalidenstiftung von deutschen Kiinstlern und
Kunstfreunden gespendeten Originalwerke unabänderlich
auf den 1. September d. I. festgesetzt ist, so wird die
Ausstellung derselben im Glaspalaste schon in wenigen
Tagen geschlossen werden.

Leider war der Besuch der Ausstellung, wie der
Verkauf von Loosen, bis zur Stunde ein so schwacher, daß
die Eintrittsgebühren kaum hinreichen, um die namhaften
Kosten der Ausstellung zu decken. Es ist dies um so auf-
fallender, als der Wohlthätigkeitsstnn der Münchener sich
bisher nach jeder Richtung auf das Glänzendste bewährt
und nach den Kriegsstürmen des vorigen Jahres auch
der Fremdenverkehr eine hier nvch nie erlebte Höhe erreicht
hat, während es sich andrerseits um ein Unteruehmen han-
delt, das die allgemeinen Sympathien der Nation im
höchstenGrade beanspruchen darf, dessen Gelingen aber uicht
in der Hand derer liegt, welche dafür so große Opfer
brachten, sondern in der werkthätigen Mitwirknng des
ganzen Volkes.

Diese Mitwirknng aber, auf welche die Unternehmer
mit Sicherheit rechneten, ist leider nicht erfolgt und das
edle Ziel wird weitaus nicht erreicht werden.

Bekanntlich war es die Münchener Kunstgenossen-
schaft, von welcher der sckvne Gedanke zuerst ausgesprochen
und nach Beseitigung nicht geringer Schwierigkeiten, so
viel an ihr lag, durchgeführt ward. Und so lag denn !

! auch nichts näher, als daß die Ehrengaben der deutschen
Kunstgenosseu au die deutscheu Heere in München aus-
; gestellt werden sollten.

Das Münchener Publikum steht keinem anderen an
^ Liebe zur Kunst nnd an Verständniß derselben nach, und
es biiebe sonach der schwache Besuch der Ausstellung von
seiner Seite geradezu unbegreiflich, dürfte man auf Grund
! gemachter Erfahrungen nicht annehmen, daß dasselbe durch
j die in kurzen Zwischenräumen sich gefolgten großen Kunst-
^ ausstellungen einerseits ermüdet, andererseits, und darin
scheint mir die Hauptsache zu liegen, sehr verwöhnt wor-
den ist.

Es ist bemerkt worden, daß die Preffe in dieser
! Richtung vielleicht etwas zu lässig gewesen sei und mehr
für die Förderung der Sache hätte thun können. Was
die Tagespresse betrifft, so ist dieselbe wiederholt auf den
Gegenstand zurückgekommen und dürfte deshalb den aus-
gesprochenen Tadel kanm verdient haben. Dagegen hatte
jener Theil der Presse, welcher sich mit Kunstkritik befaßt
und für welchen der patriotische und humanitäre Zweck
erst in zweiter Reihe in Frage kam, einen ziemlich schwie-
, rigen Standpunkt. Sie mußte sich sagen, daß unter den
^ nahezu 770 Kunstwerken allerdings eine beträchtliche Neihe
von bedeutenden Arbeiten, aber auch eine Menge von sol-
chen sich befinden, die kaum den Namen Mittelgut ver-
oienen, und daß überdieß die Werthe einzelner von den
Spendern ungebührlich hoch angeschlagen worden waren.
Alle Ehrengaben zusammen sollen freilich einen Gesammt-
werth von 142,000 Gulden repräsentiren, aber man kann
sich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß dieser Werth
ein ziemlich imaginärer ist und bei einem Berkaufe der
Objekte ein demselben gleichkommender Erlös auch nicht
annähernd erreicht würde. So ist der Karton eines der
ersten Meister der Gegenwart auf 2100 Gulden gewerthet,
während doch überall die Rede geht, der Meister habe
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