Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 6.1871

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daß man in gebildeter Gesellschaft mir niit einer solchen
Frage käme!" Er setzte sich an einen fernern Tisch und
verwundert lächelnd blickten ihm die Anderu nach.

Mit Liebe hing er an seinem Bruder und seinen
näheren Verwandten nnd bewegte sich gern in ihrem Kreise.
Verheirathet war er nie. Nach dem Ableben seiner Mut-
ter hatte er mit einer älteren Schwester zusammengewohnt,
die mit treuer, sorgsamer Liebe ssin Hauswesen fnhrte bis
zu ihreni Tode im Jahr 1838. Die Natur schien es bei
ihm auf ein hohes Alter abgesehen zu haben und er sprach
auch wohl von einer dritten Reise nach Jtalien. Er
sollte bald eine andere Neise antreten, von dcr keine Rück-
kehr erfolgt. Die Worte des Bruders haben uns seinen
Eintritt in's Leben geschildert, sie mögen auch (und kön-
nen es am besten) über seinen Ausgang berichten.

„Sonntag, dey 20. November vergangenen Jahres,
befiel ihn bei Tisch ein heftiger Schwindel. Der Arzt,
den er zu Rathe zog, empfahl ihm die größte Ruhe und
Vermeiduug jeglicher Anstrengung. Er hatte in der
letzten Zeit anstrengender gearbeitet und hosfte zuversicht-
lich in einigen Tagen die übernommene Arbeit zu vollen-
den — da traf ihn Donnerstag, den 24. November, in
seinem Atelier ein Schlaganfall!

„Wie besorgt seine Familie und scine zahlreichen
Freunde um den theueren Kranken waren, bedarf keiner
Schilderung. Er selbst schien längere Zeit über seinen
wahren Zustand in Täuschung befangen, wohl auch ab-
sichtlich den Gedanken daran fern zu halten. Doch mit
ruhiger Ergebung äußerte er wiederholt: „Man muß er-
tragen, was Einem bestimmt ist!" und hegte, wenigstens in
der ersten Zeit, die feste Hoffnung seiner Wiedergeuesung.
Wie freute er sich da auf den Tag, wo er sein Atelier
wieder betreten würde. Er sollte nicht in Erfüllung
geheu, dieser sein inniger Herzenswunsch. Sein Zustand
verschlimmerte sich und ward durch eine hinzugetretene,
von dem Arzte schon früher befürchtete Rippenfell-
entzündung in hohem Grade bedenklich. Seine Kräfte
schwanden mehr und mehr, und es kamen Tage, wo er
nur noch in lichten Momenten die, welche ihn theilnehmend
umstanden, erkannte. Ein schmerzlich ergreifender Au-
blick: den noch vor wenigen Wochen so rüstigen, lebens- I
kräftigen theuren Mann in solcher Hinfälligkeit zu seheu! j
Die Stunde der Erlösung nahte bald. Sonnabend, den
7. Januar, Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr entschlief
er sanft, ohne die Bitterkeit eiues schweren Todeskayipfes
empfunden zu haben.

„Wohlthuend war die ehrende Theilnahme, die sich
bei dem Begräbniß am Morgen des 10. Januar in so
hohem Grade kund gab. Sie zeigte, wie werth er Allen
gewesen, die mit ihm im Leben in nähere Berührung ge-
kommen waren. Seine Kunstgenossen schmückten seiuen
Sarg mit einem Lorbeerkranze, zum Zeugniß, daß wieder
ein Meister auf dem Gebiete der Kunst dahingeschieden!"

^ „ l 832—33.

Cornelms

1832—33.

Berzeichiiiß der Arbeiten E. E. Schäffer s

nachderZeitfolge von ihmselbstaufgesetzt,
bis zum Iahre 1859.

2 Schulplatten.t819—20.

1 Wappen ..182t.

Kopf aus dem Verkauf Joseph's (nach Overbeck) . . 1822.

3 Porträts: Maisonneuve, Niebuhr, Fürstin Salm-Dyk 1824.

Dante's Paradies (nach Cornelius). 1825.

Die Unterwelt (nach demselben). 1826—28.

2 Porträts: Albrecht Dürer und Eampe. 1828.

Die Nachr; Schicksalsgöttinnen (nach Cornelius) z
Porträt des Königs Lndwig i

3 Hemmelink's.1831.

Anbetung der Könige — Kreuzigung

Christi — Apostel Lncas — Ent-
führung der Helena — Vermählung
der Helena mit Menelaus — Ver-
mählung des Peleus mit Thetis —

2 Studien

Der Ritter und sein Liebchen (nach Fellner) -»

Christus am Kreuz (nach Schlotthauer) >

1 Schraudolph 1

Madonna della Stella (nach Raffael). 1834.

Romeo und Julie (nach Cornelius) ^

Die Verbrecher und Jphigenia (nach Kanlbach) 1 ^ ^

Euphrosyne (nach Steinle). 1838.

Die heil. Genofeva (nach Steinbrück) z

1 Carstens 1

Erlkönig (nach Neher)

Porträt Schelble's /

Einführung des Christenthums (nach Veit) .... l841.

Germania und Jtalia (nach demselben).>842.

Heil. Thomas — 1 Kaiser — Maitrank-Pokal —

Porträt Veit's .. 1843.

Madonna della Sedia (nach Raffael) .... 1848—49.

Erschien 1851.

Ezzelino (nach Lessing). 1848—49.

Andacht am Kreuze(nach Giotto). 1850.

Fiesole, mehrere Blätter.1851.

Fernando und Miranda snach Kaulbach). 1853.

1843 Kaiser Karl d. Gr. (nach demselben)

Caliban (nach demselben). 1854.

Francofurtia (auf den Frankfurter Banknoten) . . . 1855.

2 Raffael's in Arbeit, vorgerückte Platten . . 1856—59.

Tizian, himmlische und irdische Liebe.

M. Ohne Jahreszahl werden noch angeführt:

Christus, ein Kind segnend )

^ - „i. t nach Overbeck

Tod des heü. Joseph 1 ^

4 Stahlplatten.

Aus einem zweiten Verzeichniß (Arbeits-Diarium)
vom Jahre 1869 geht hervor, daß Schäffer in diesem
Jahre im Januar die Korrektur einer Platte nach Fiesole
vornahm, den 18. Januar die neue Platte der Poesie be-
gann, Mitte Februar an kleinen Platten für Dondorf
arbeitete, im Februar die Platte Maria und Elisabeth
nach Veit begonnen und bis zum 29. November, wo das
Verzeichniß schließt, stets nur mit kleinen Unterbrechungen
an der Poesie gearbeitet hat.

Außer seinem Berufe beschäftigte sich Schäffer auch
viel mit schriftstellerischen Arbeiten, die sich in seinem
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