Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

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Die Oelbild-Jmitationen von L. Prang u. Co. in Boston. — Kunstliteratur.

Die Oelbild -Zmitationen oon L. Prang u. Co.
in öoston.*)

X Man nennt gewöhnlich den zu Frankfurt a. M.
1670 geborenen I. C. Leblond den Erfinder des Farben-
druckes, aber mit ihm gleichzeitig, wcnn nicht etwas
früher hat sich P. Schenk in Amsterdam mit dÄselben
Art des Kunstdruckes beschäftigt und noch früher Herc.
Zeghers (geb. 1625) seine verunglückten Versuche mit
gedruckten Oelbildern angestellt. Die Manipulation war
eine schwierige, da man über viele Platten, welche ihre
Resultate zu einem Ganzen vereinigen, nicht verfügen
konnte, ja oft nur mit einer einzigen Platte einen poly-
chromen Abdruck erzielte, indem man die Platte, statt
mit Druckerschwärze mit den entsprechenden Farben be-
malte. Man ging aus dieser Ursache vom Drucken in
Farben bald ab. Erst die Engländer nahmen den
Farbendruck wieder auf nnd erzielten mitunter schätzbare
Erfolge, indem sie dazu enlweder geschabte oder punktirte
Platten verwcndeten.

Die eigentliche Zeit des Erfolges für den Farben-
druck kam aber erst, als die Lithographie alle Eigen-
schaften des Steines erkannt pnd sich dienstbar gemacht
hatte. Wie in jeder Wiedergabe eines Kunstwerkes durch
Stich, Holzschnitt oder Lithographie die ideale Höhe des
Originals nur mehr oder weniger erreicht wird, so ist es
auch hier. Der Kunstmarkt wird heutzutage mit Er-
zeugnissen des Farbendruckes reich bedacht, aber nicht
alle stehen auf gleicher Höhe der Vollkommenheit. Vieles
ist Alltagswaare, bestimmt, das große Publikum mit
seiner „Farbenpracht" zu ködern. Um so erfreulicher
ist es, ein Unternehmen begrüßen zu können, welches
nach den bereits gelieferten Leistungen zu schließen, es
sich zur Aufgabe gemacht hat, nur Vollendetes, allen
Anforderungen Entsprechendes zu bieten. Es sind dies
dib bereits früher in diesem Blatte rühmlich erwähnten
Oelbild-Jmitationen von L. Prang u. Co. in Boston.
Vor uns liegt der Katalog, der die bereits erschienenen
Kunstblätter in verjüugter Ansicht und Beschreibung ent-
hält. Das Verzeichniß machte uns neugierig, die Blätter
selbst zu sehen, und wir wurden von der technischen
Vollendung überrascht. Es werden nur Gemälde guter
Meister zur Reproduction ausgewählt; so sinden wir
Murillo's Madonna aus der Madriver Gallerie-, die
Maria Magdalena von Allegri in Dresven u. A. Die
Landschaften, Thier- und Fruchtstücke sind bis jetzt
meistentheils englischen oder amerikanischen Malern ent-
lehnt, aber bereits hat die Anstalt angefangen, auch
französischen unv deutschen Künstlern ihr Augenmerk zu-
zuwenden. Vor mir steht z. B. „der Mondschein an der
Küste", nach Douzette; die Tönnngen der gewitterschwan-
geren Luft sind wahrhaft meisterlich wiedergegeben, so

') Verlag für Deutschland: L. H. Meyer in Bcrlin.

daß man, da auch alle Farben tief gesättigt erscheinen,
ein pastos gemaltes Oelbild vor sich zu haben glaubt. Die
Nachbildung ist mit 43 Steinplatten ausgeführt. Ebenso
muß die „Familienscene in Pompeji" von I. Coomans
Jeden entzücken. Nicht minder wahrheitsgetreu sind die
lebenden und todten Thiere, Blumen und Stillleben dar-
gestellt. Wollten wir Beispiele hervorheben, so müßten
wir fast den ganzen Katalog abschreiben.

Da die Unternehnier über so vollendete technische
Mittel verfügen, wünschten wir, daß sich dieselben nach dem
Muster der Arundel-Society nur mit der Wiedergabe
des Besten aus unseren Galerien beschäftigten; wir glaitben
dann vollends ihrer Anstalt eine erfreuliche Zukunft pro-
phezeien zu können.

knnstliteratnr.

I. Falke, Katalog der Fürstlich Liechtenstein'-

schen Bildergallerie im Gartenpalais der

Rossau zu Wien. Wien, Miethke und Wawra.

1873. 176 S. 8°.

Jm Jahre 1780 erschien der letzte Katalog der
Fürstlich Liechtenstein'schen Gemäldegallerie, nämlich die
französische Bearbeitung der italienischen Ausgabe von
1767. Es bedarf nur des Hinweises auf diese Zahlen,
um die Dringlichkeit des Bedürfnisses darzuthun, welchem
nun endlich durch das Erscheinen des neuen, von dem
jetzigen Direktor der berühmten Sammlung herrührenden
Berzeichnisses in dankenswerther Weise abgeholfen ist. Der
Verfasser erhebt mit seiner Arbeit nicht den Anspruch,
etwas Erschöpfendes, die Forderungen der Wissenschaft
allseitig Befriedigendes geleistet zu haben. Sein Katalog
soll zuvörderst den Bestand der Sammlung, in welcher
außer mehrsachen, zumTheil sehr eingreifendenAenderirngen
im Arrangement der Bilder nunmehr auch eine durch-
laufende Jtumerirung eingeführt ist, auf Grund bes
sideikommissarischen Jnventars feststellen unv dem Besucher
als handlich eingerichteter Führer dicnen. An vielen
Punkten ist dann aber auch die Kritik in ihr Recht ein-
getreten; zahlreiche Benennungen sind geändert, andere
mit Fragezeichen versehen, obschon sich der Verfasser in
dieser Hinsicht eine gewisse Reservc auferlegt unv lieber
mit seiner Entscheidung zurückgehalten hat, wenn er nichts
feststehenbes Neucs für das zweifelhaft geworvene Alte
bieten konnte. Zu den unanfechtbaren Neuerungen gehört
u. A. die Bezeichnung von Nr. 150 (Porträt des Willem
van Heythuysen) als Frans Hals. Bis vor wenigen
Jahrcn wurde das herrliche Bild dem van der Helst
zugeschrieben; Waagen (Kunstdenkm. in Wien l, 271)
gab es zuerst vffentlich seinem wirklichen Urheber zurück.
Hier sei die Notiz eingefügt, daß Hals nicht in Mecheln,
wie der Falke'sche Katalog angiebt, soudern >u Antwerpen
geboren ist. Von den drei früher Terburg benannten
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