Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 8.1873

Page: 665_666
DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1873/0338
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
VIII. Jahrgang.

Nr. 42.

Lcilrägc

sind an vr.C.ll.LÜtzoW
(WitN, Theresiannmg.
25) od. an die BerlagSll.
(Lcipsig, WniMr.

I. Äugust

Inscrate

g. 21/2 Sgr. für die drei
Mal gespaltene Petitzeile
werden von jeder Buch-
und Kunsthandlung an-
genommen.

1873.

Bciblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Dies Blatt, jede Woche am Freitag erscheinend, erhalten die Abonnenlen oer „Zeitschrift für bildende^Kunft" xralls: für sich allein bezogen
kostet der Jahrgang 3 Thlr. sowohl im Buchhandel wie auch bei den deutschen und österreichischen Postanstalten.

i Jnhalt: Neue Opfer des Restaurationsfiebers. — Von der General-Versammlung des deutschen Gewerbemuseums in Berlin. — Kunstliteratur: <1.

Norvuu, vstueroix ot «ou oouvro; Alois Egger, Deutsches Lehr- und Lesebuch IH. Theil: Vorschule der Aesthetik; Preisgekrönte Abhandlung
über Van Dych. — Nekrologe: K. E. Conrad; Hiram Powers; Joseph Fagnani. — Darmstadt: Kunstgeschichtliches.—Zeitschriften. — Jnserate.

Neue Opfer des Uestauratisnsfiebers.

Wic erhalten die nachfolgenden beiden Zuschriften:

„Blit tiefein Schmerz habe ich in diesen Tagen
die cinst von Raffael gemalt gewesene Freske
in S. Severo zu Perugia wieder gesehen.

Jetzt haben wir,

mit Ausnahme alles Unbekleideten in der Ge-
stalt Christi, wie Antlitz, Haar, Arme mit Händen,
Rumpf, und des lichtrothen Hemdchens Les Engel-
knaben zur Rechten Christi nebst dessen rechtem
HLndchen, das sich von diesem Hemde loshebt,
eine Malerei des Herren Consoni aus Rom
! vor uns, wclcher alles, alles Uebrigc auf's Sauberstc
mit schmucken, zarten Farbentintcn bcdeckte. H. Consoni
hat die Umrissc gcschont, und dies macht, daß die Cha-
raktere dcr Physiognomien noch z« errathen sind.

Jch halte cs für meinc Pflicht, cinen „Schmer-
j zensschrei" über solche Barbarei an einerStelle
auszustoßen, welchc geeignct ist, denselbcn weithin, viel-
leicht bis hicrhcr, zn tragen, wo allc Einsichtigen mit
mir trauern und es ties beklagen, daß die in Ätalien
Geltung habenvc Stimmc des Hcrrn I>c. Ernst Förster
in München sich genöthigt gefundcn hat, solcher Frevcl-
that ein glänzcndes Lob zu spenden. Jtalicnische
Freunde wünschen den wahren Sachverhalt an maßge-
! bendcr Stelle dargelegt zu sehen, da sie hofsen, daß dies
hier wirken dürfte und daß dannWasser undSchwamm
- uns die Sudelei des Herrn Consoni ehestens vom Leibe
' schaffen.

1 Florenz, 23. Juni 1873.

Karl Eduard von Liphart."

„Zu obigcr Schandthat kann ich folgende zwei frische
Facten hinzufügen:

1. von dem berühmten Altar desH. vanderGoes
in S. Maria la Nuova zu Florenz sind das
Mittelbild und der linke Flügel, die früher (im
Gegensatz zum rechten Flügel) allerdings durch
Putzen gelitten hatten, jetzt ganz pastos übermalt
— moderne Gemälde.

2. die großen Orgeltafeln von Paolo Veronese
aus S. Sebastiano in Venedig, die seit Re-
stauration der Kirche in der Akademie sich befinden,
sind fo vorzüglich „hergestellt", daß sie jetzt bunt
und unharmonisch, geradezu schreienb in den
Farben erscheinen. Wie sie ursprünglich waren,
zeigt der Vergleich mit den noch in der Kirche
befindlichcn Deckengcmälden.

Berlin, 8. Juli 1873.

Or. W. Bode."

Von der General-Verfammlung des k>eutfchen
Gewerbemuseums in Lerlin.

Sie werden Sich wundern, daß ich nach meiuem
Berichtc im vorigen Jahrgange der Zeitschrift über die
vorjährige Gencralversammlung unseres Gewerbemuseums,
und nachdcm Sie bereits einen kurzen Zeitungsbericht
über die diesjährige Sitzung aufgenommen haben, noch
einmal und zwar mit einer nicht ganz kurzen Mftthei-
lung über ven gegenwärtigen Stand der Gewerbemuseums-
sache komme. Sie wcrden sich abcr wahrscheinlich ebenso
sehr gewundert haben, in der letzterwähnten Notiz gerade
loading ...