Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 10.1875

Page: 705-706
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(LeiPzig, königsstr. 3),
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20. Angust

Nr. 45.
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Mal g-sp«ltene Petitzeile
werden von jeder Buch-
und Kunsthandlung an-
genomme».

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Bcililatt znr Zcitschrist sür lntdcnde Knnst.

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Jnhalt: Die Glasgemälde aus den jetzt zerstvrteu Kircheu Kölns. — Die Verschleppuug der Kunstwerke aus Jtalieu. — Nekrologe: W. H. Baker; G.

Burliug; Joseph O. Eaton. - Holzschnitt-Ausstellung in Berlin; Düsseldorf/— Photographien des Kölner Dombildes; Die Genuneusammlung
des Herzogs von Marlborough. — Neuigkeiten des Buch- und Kunsthandels. — Zeitschriften. — Jnserate.

Die Glasgemälde aus den jetzt zerstörten
Kirchen Lölns.

, Außer den prächtigen, theils aus dem Anfang des
14., theils aus dem ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhun-
derts stammenden gemalten Fenstern im Kölner Dome
gab es in den einzelnen Stifts-, Kloster- und Pfarr-
Kirchen eine Menge von herrlichen Glasgemälden, welchc
bei der allgemeinen Verwüstung in der französischen Zeit
theilweise verschleudert und zerstört, theilweise im Jn-
teresse der Kunst und Wissenschaft in Sicherheit gebracht
wurden. Aus den für den Verkauf bestimmten Kloster-
kirchen wurden die Tafelgemälde und andere Kunstgegen-
stände nach Paris geschleppt oder von einzelnen Kunst-
freunden käustich erworben. Die Glasgemälde blieben
vorläufig in den Fenstergesperren, und von der Do-
mänenverwaltung wurde verfügt, daß sie ebenso, wie die
Kirchengebäude selbst, öffentlich sollten versteigert werden.
Schon waren verschiedene Alterthumsfreunde aus Eng-
land nach Köln geeilt, um diese kostbaren Kunstobjekte
für englische Privat- und öffentliche Sammlungen zu
erwerben. Auf Betrciben dcs Profcssors Wallraf, der
niit unermüdlichem Eifer aus der allgemeinen Zerstörung
zu retten suchte, was möglich war, that der Präfekt
Dkalchin Schritte bei der Domänen-Berwaltung, welche
k>ahin führten, daß der öffentliche Berkauf der fraglichen
Glasgemälde suspendirt wurde. Nachdem die Verwal-
lungs-Kommission der Central-Schule diese Konzession
krwirkt, ging sie weiter und stellte dem Präfekten in eincin
Schreiben vom 8. kriinuire des Jahres XI (29. Nov.
1802) vor, daß die Verkaufs-Suspmsion nur dann die
'ui Jnteresse der Wisscnschaft und Kunst gewünschte

Bedeutung haben werde, wenn die Verwaltungs-Kom-
mission die Autorisation erhalte, die Fenster ausheben,
in das alte Jesuitengebäude zu den andern daselbst auf-
gestellten Kunstgegenständen schaffen und für kunstgeschicht-
liche Studien zugänglich machen zu lassen. Drei Tage
darauf antwortete der Präfekt, er theile den Eifer für
die Erhaltung der Erzcuguisse ciner Kunst, die gäuzlich
verloren gegangen sei; er habe dem Domänen-Direktor
den Auftrag ertheilt, für dic Aushebuug der Gemälde
Sorge zu tragen und an die von der Kommission an-
gegebene Stelle zu deponiren. Der Domänen-Direktor
des Roer-Departements Robillard befahl nun unter dem
27. fi'inmirs (18. Dez.) dem Domänen-Empfänger
Schirmer, sich niit der Verwaltungs-Kommission der Cen-
tral-Schule in Verbindung zu setzen und sich durch eine
von derselben zu ernennende Spezial-Kommission die
der Erhaltung würdigen Glasgemälde bezeichnen zu
lassen. Von der Verwaltungs-Kommission wurden Thi-
riart und Professor Wallraf beauftragt, die Glasgemälde
unter Zuziehung eines erfahrenen Glasermeisters inven-
tarisiren und in das Jesuiten-Gebäude bringen zu lassen.
Hier sollten diese Objekte so lange in äsposito ver-
bleiben, bis die Ncgicrung über dic weiterc Bestimmung
derselben nähere Anordnung treffen werde. Am 9. von-
toso wurde die Jnventarisirung begonnen und am 17.
beendigt. Jm Kreuzgange des St. Apernklosters fanden
sich nachfolgcudc aus den Jahren 1521, 1525 und
1526 stamincnde Darstellungen: Die Geburt Christi,
die Beschneidung Christi, die heil. drei Könige, die
Flucht nach Aegypten, die Versuchung Christi, die Ab-
nahme Christi vom Krenze, die Krönung Christi, ein
Chklus aus der Lebensgcschichte des heiligen Bernhard,
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