Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 11.1876

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Vom Christmarkt.

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der Radirnadel ernstere Aufgaben gestellt sind, als blos
die künstlerische Konception in flüchliger Skizze zu
sixiren, hat die kleine Gemeinde, die sich an ihren Er-
zeugnissen erbaute, in einer Weise zugenommen, wie
man es vor etlichen Jahren kaum hätte erwarten sollen:
ein erfreulicher Beweis für die Hebung des besseren
Geschmacks in den Kreisen, die zur Kunst kein intimeres
Verhältniß unterhalten. Dieser Ueberzeugung dankt
auch wohl das schöne Unternehmen seinen Ursprung,
welches die Firma Alexander Duncker in Berlin in's
Leben gerufen: „Durch's deutsche Land, Originalradi-
rungen von B. Mannfeld." Bis jetzt ist erst eine
Lieferung mit vier Blättern, malerischen Ansichten inter-
essanter Baudenkmäler, erschieuen. Die Behandlung
läßt eine geübte Künstlerhaud erkennen. Wir beschränken
uns vorerst auf diese kurze Anzeige, bis das Werk sich
weiter entwickelt hat.

aus dem 16. und einigen wenigen aus dem 18. Jahrh.
nur Niederländer des 17. Jahrh. reproduziren. Die
Photographien sind von einer Klarheit und Schärfe, die
nichts zu wünschen übrig läßt. Eine neue Sammlung
von „Meisterwerken der älteren Pinakothek iu Müuchen
nach Zeichnungen", im Ganzen 24 Blatt, die in ver-
schiedenen Formaten und Größen zu haben sind, ift
bei Fr. Bruckmann in München herausgekommen. Der
Zeichner hat sich nicht genannt; nach dem Augenschein
sind verschiedene Hände, einige glücklicher als andere,
an der Uebersetzung der Malerei in Kreidezeichnung
thätig gewesen. Nicht neu, aber in neuer Ausstattuug
mit dem Waagen'schen Texte eingeleitet sind Rafsael's
„Fresken in der Farnesina" (Photogr. Gesellschaft). Den
Photographien der Zwickelbilder liegen Zeichnungen vou
tom Diek zu Grunde, die beiden Deckenbilder sind
nach alten Aquarellkopien im Berliner Kupferstichkabinet

Aus L. Richter's „Aus der Zugendzeit". Verlag von A. Dürr.

Von den neu erschienenen Kupferwerken, die der
Grabstichel hervorgebracht, zählen wir, da ihnen eine
nähere Besprechung in der Zeitschrist vorbehalten oder
eine solche schon erfolgt ist, nur kurz auf: die sieben
Kompositionen Führich's zum „Buche Ruth", gestochen
von H. Merz (Leipzig, A. Dürr), die Scklußlieferung
der von Fr. Pecht herausgegebenen „Shakespeare-Ga-
lerie" (Leipzig, Brockhaus), ferner von Einzelblättern
Eilers' Stich nach Tizian's Zinsgroschen (Berlin,
Schröder), Raab's trefsliche Reproduktion der Ma-
donna di Tempi von Rasfael (München, Fr. Bruck-
mann) und Biot's Triumph der Galatea von dem-
selben Meister (Wien, Kaeser).

Die Photographie hat wie immer eine unüberseh-
bare Fülle von Bildern und Bilderwerken auf den
Markt gebracht. Von dem von Iulius Hübner mit
beschreibendem Texte herausgegebenen Album der „Dres-
dener Galerie" in einem handlichen, vielleicht etwas gar
zu knappen Quartformat (Photogr. Gesellschaft in Berlin)
ist ein zweiter Band mit 30 Blättern (Originalauf-
nahmen) erschienen, die außer einigen deutschen Bildern

ausgenommen. — Ebenfalls älteren Datums sind Pau-
singer's Waidmanns-Erinnerungen, 12 Blätter, von
denen der Verleger (Bruckmann) eine Kabinetsausgabe
in hübschem Karton veranstaltet hat. Dasselbe ist der
Fall bei dem „Triumphzug des Königs Wein", der be-
rühmten Frieskomposition von Ad. Schrövter, von
welcher die Bruckmann'sche Berlagshandlung früher eine
Farbendruckausgabe veranstaltet hatte, die nun in's
Schwarze und Graue der Photographie übertragen ist.
Auch die Illustrationen zu Schessel's „Frau Aven-
tiure" von A. von Werner sind in ähnlicher Weise
sür ven Handgebrauch reduzirt worden. — Der Name
A. v. Werner's ist bereits so eng mit dem Dichter
des „Ekkehard" verschmolzen, baß es uns Wunder ge-
nommen, weshalb die Bruckmann'sche Verlagshandlung
gerade vas Hauptwerk Scheffel's Ven Händen emes
Künstlerkonsortiums überliesern konnte, von denen jeder
Einzelne sein besonderes Ekkehard- und Hadwig-Jdeal
aufzustellen veranlaßt war, wenn er nicht auf die Neben-
partien der Dichtung angewiesen wurde. Etwas Ein-
heitliches konnte auf solche Weise nicht entstehen. Die
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